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Kultur Heinz Rudolf Kunzes Album „Hier rein, da raus“
Nachrichten Kultur Heinz Rudolf Kunzes Album „Hier rein, da raus“
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16:14 06.09.2012
Von Uwe Janssen
Foto: Immer für eine Lebensweisheit gut: Heinz Rudolf Kunze.
Immer für eine Lebensweisheit gut: Heinz Rudolf Kunze. Quelle: Huch
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Sie kommt freundlich, geradezu niedlich daher in ihrer fluffigen Countryverpackung und ist doch gepflegt böse. So hat sich Kunze vor mehr als einem Vierteljahrhundert sein eigenes Genre geschaffen und schlaue Texte aus dem Liedermacherklammergriff befreit. Dass er je wieder bei seinen musikalischen Ursprüngen ankommen würde, schien in den vergangenen Jahren immer unwahrscheinlicher. Doch nun ist es passiert: Heinz Rudolf Kunze ist auf dem Doppelalbum „Hier rein, da raus“ wieder ganz bei sich.  

Es dürfte kein Zufall sein, dass der Eröffnungssong „Das Dasein und ich“ ein wenig, und seine Ode an Berlin noch mehr, an seine „Bestandsaufnahme“ aus dem Jahr 1981 erinnern. Dieser scharfkantige, böse Achtminüter über Werte und Normen im Deutschland des Kalten Krieges ist das Beweisstück Nummer eins derjenigen, die den „alten“ Kunze beschwören, der noch richtig Biss hatte. Damals. Bis dieser Radiohit kam. „Dein ist mein ganzes Herz.“  

Stimmt natürlich so nicht. Kunze hat auch nach seinem Schwenk in die Pop- und Rockmusik herausragende Texte geschrieben, ob politisch („Madagaskar“, „Verschwörung der Idioten“), persönlich („Stein“, „Brille“) oder einfach als gute Unterhaltung („Finden Sie Mabel“). Doch irgendwann kehrte nicht nur eine gewisse Altersmilde ein, Kunze gab seinen Platz als distanzierter Beobachter auf. Verzweifelt suchten Kunze-Fans im Schlagerimitat „Hunderttausend Rosen“ nach der Ironieebene. Spätestens beim Auftritt in Carmen Nebels Schnulzenshow wurde klar: Da war keine.  

Doch immer gab es diese kleine Hoffnung namens „Räuberzivil“. Diese eine von den vielen Kunze-Facetten steht seit Jahren für Sprechtexte und Experimente jenseits des Rockmainstreams - oder, wenn man so will, für den alten Kunze mit Biss. Mit „Hier rein, da raus“ ist ihm eine zeitgemäße Annäherung an diesen Status gelungen. Eine CD mit Songs, eine zweite mit weiteren Liedern und Textexperimenten – es scheint, als habe sich der Workaholic aus der Wedemark einiges von der Seele geschrieben.  Zusammen mit Gitarrist und Schlagwerker Wolfgang Stute, Geiger Hajo Hoffmann und Bassist Peter Pichl changiert Kunze zwischen Rock ‘n’ Roll, Country, Blues und Folk, ohne jedoch wie damals als „Niedermacher“ wütend ins Klavier zu dreschen. Jesus, trägt er stattdessen vor, arbeitet jetzt als Putzfrau bei Neureichen. Deren dumpfe Borniertheit entlarvt er mit der Leichtigkeit des beobachtenden Dichters.  

Das ist große Kunst. Endlich mal wieder.  

Heinz Rudolf Kunze „Hier rein da raus“ erscheint am Freitag bei Rakete Medien  

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