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Kultur Jens Sparschuh liest in Hannover aus "Im Kasten"
Nachrichten Kultur Jens Sparschuh liest in Hannover aus "Im Kasten"
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19:21 26.10.2012
Von Jutta Rinas
Schelmenhaft: Jens Sparschuh.Anastassakis Quelle: dimi anastassakis
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Hannover

Hannes Felix hat nicht viel zu lachen im Leben. Das Publikum im Literaturhaus Hannover dafür aber umso mehr. Nicht genug damit, dass der Schriftsteller Jens Sparschuh in seinem neuen Roman „Im Kasten“ (Kiepenheuer & Witsch, 224 Seiten, 18,99 Euro) das Schicksal seines an einem Ordnungstick leidenden Helden als eine Art Realsatire mit fast schon slapstickhaften Einlagen beschreibt. Der 57-jährige Autor aus Chemnitz (das er immer noch Karl-Marx-Stadt nennt) beweist bei seinem Auftritt zum Auftakt der LiteraTour Nord in Hannover auch live auf der Bühne sein komisches Talent. Mit viel Gefühl fürs Groteske arbeitet Sparschuh bei seiner Lesung die Pointen seines Textes heraus. Die LiteraTour Nord ist eine Art Wettlesen von sechs Autoren in sechs norddeutschen Städten. Der Sieger bekommt den von der hannoverschen VGH-Stiftung ausgelobten Preis von 15000 Euro.

Sparschuhs Zwiegespräche mit Moderator Martin Rector, dem umtriebigen, emeritierten Germanistikprofessor der Leibniz-Uni Hannover, haben dazu manchmal fast schon die Qualität der Dialoge von Waldorf und Statler im Logenbalkon der Muppetshow, so herrlich bissig und trocken geht es da hin und her. Warum Sparschuh im sowjetischen Leningrad (dem heutigen Petersburg) Philosophie und Logik studiert habe, möchte Rector beispielsweise wissen - und zitiert genüsslich den Titel von Sparschuhs Dissertation: „Erkenntnistheoretisch-methodologische Untersuchungen zur heuristischen Ausdrucksfähigkeit aussagenlogischer Beweisbegriffe“. „Ich war noch jung, ich brauchte die Ausbildung“, antwortet Sparschuh trocken. Er wisse, dass man es als Schriftsteller heutzutage weiter bringe, wenn man Jobs als Möbelträger und Friedhofsgärtner vorweisen könne. Aber er sei ganz gut in der Schule gewesen und habe studieren wollen. Und das Thema seiner Dissertation habe ihn tatsächlich interessiert.

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Als Sparschuh zu lesen beginnt - ein Kapitel mit der schönen Überschrift „Memento Moni“ - wird schnell deutlich, was für ein Pedant sein Held Hannes Felix ist. Der Mann, Angestellter bei einer Firma mit dem Namen NOAH, einer Abkürzung für die sperrige Bezeichnung „Neue optimierte Auslagerungs- und Haushaltsordnungssysteme“, erwischt seine Frau Monika dabei, wie sie ihre Koffer packt: Sie will ihn verlassen.

Nun ist es ja Hannes Felix’ große Leidenschaft, Dinge aufzuräumen, zu sortieren, aus- oder einzulagern. Sein Job bei NOAH, einer Self-Storage-Firma, in der Kunden Kästen mieten können, um überflüssigen Hausrat, Möbel, Waren oder Ähnliches einlagern zu können, scheint deshalb genau das Richtige für ihn zu sein. Jedenfalls, bis sein Ordnungstick wahnhafte Züge anzunehmen beginnt. Aber jemand anderen als sich selbst lässt er ungern daran, neue Ordnungen im Leben zu schaffen. Auch für Monika ist das tabu. Selbst gegen das Beseitigen des Hausstaubs, dessen „Feinstruktur“ er ergründen will, wird energisch eingeschritten.

Und statt seiner Frau die Flucht aus der gemeinsamen Wohnung auszureden, erklärt er ihr, wie man sein Gepäck in Ordnung hält. „Im Grunde“, sagt er, als sie ihre Kleidungsstücke verzweifelt durcheinander wirft, „brauchst du ein Kofferverzeichnis.“

Rector kritisiert am Ende nur, dass Sparschuh nicht nur gute, sondern auch eher schlichte Witze in seinen Text einstreue. Dass der tiefe Gedanke neben dem banalen Kalauer stehe, dass das Hohe und das Niedrige ganz nah beieinander liege, Seite für Seite, manchmal Satz für Satz, sei ein Ordnungsprinzip seines Romans, erläutert Sparschuh. Großer Applaus.

Am 15. November bei der LiteraTour Nord: Dea Loher mit „Bugatti taucht auf“.

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