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Kultur Die Chaos-WG ist zurück
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08:50 02.05.2014
Von Stefan Stosch
Wieder vereint: Kelly Reilly, Romain Duris, Cécile de France und Audrey Tautou.
Wieder vereint: Kelly Reilly, Romain Duris, Cécile de France und Audrey Tautou. Quelle: StudioCanal
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Digitalkamera, kleines Budget, eine Wohnung in Barcelona und acht junge Schauspieler aus fünf europäischen Ländern – aus diesen bescheidenen Zutaten bastelte der französische Regisseur Cédric Klapisch mit „L’Auberge Espagnol – Barcelona für ein Jahr“ 2002 eine Studentenkomödie, die allein in Frankreich über drei Millionen Zuschauer ins Kino zog. Die paneuropäische Chaos-WG feierte die eigene Orientierungslosigkeit als Zustand produktiver Verwirrung. Sinnsuche, Finanznöte, Karriereplanung und das schwierige Paarungsverhalten geschlechtsreifer Erasmus-Studenten verquirlte Klapisch zu einem unterhaltsamen Generationenporträt.

In der Fortsetzung „Wiedersehen in St. Petersburg“ (2005) fand das wilde Studentenleben zwar ein Ende, aber an der Orientierungslosigkeit der Figuren hatte sich wenig geändert. Neun Jahre später folgt nun mit „Beziehungsweise New York“ der dritte Teil der fiktiven Langzeitstudie. Die alten Freunde gehen inzwischen auf die vierzig zu, haben beruflich Fuß gefasst, schaffen es aber nicht, Ruhe ins Liebes- und Privatleben zu bekommen.

Als Wendy (Kelly Reilly) ihm eröffnet, dass sie mit den gemeinsamen Kindern von Paris nach New York zu ihrem neuen Geliebten ziehen wird, entschließt sich Xavier (Romain Duris) ebenfalls zum Umzug. Als Schriftsteller kann er schließlich genauso in Manhattan arbeiten und verliert seine Kinder nicht aus den Augen. Im Big Apple ist ebenfalls Isabelle (Cécile de France) gelandet, die mit ihrer Freundin Ju (Sandrine Holt) zusammenlebt und ein Kind erwartet, für das Xavier als Samenlieferant diente. Das emotionale Chaos komplettiert sich, als Xaviers Ex-Geliebte Martine (Audrey Tautou) ihren Besuch ankündigt.

„Beziehungweise New York“ ist ein rundum erfreuliches Wiedersehen mit vertrauten Charakteren. Anders als etwa in Richard Linklaters „Before ...“- Langzeit-Serie geht es hier nicht so sehr um Beziehungsanalyse. Die Gefühle fluten frei und bieten ausreichend Chaospotenzial. Klapischs grundsympathische Figuren sind auch nach zwölf Jahren quicklebendig und in ihrer Wankelmütigkeit glaubwürdig. Das Bemühen der Figuren wirkt ehrlich, immer wieder flexibel auf neue Situationen zu reagieren.

Ganz nebenbei gelingt das Porträt einer kosmopolitischen Generation, für die die Globalisierung und das Gleiten zwischen den Kulturen zur Selbstverständlichkeit geworden sind. Dazu passt die Kulisse des multikulturellen New York bestens. Gleichzeitig zeigt der Film in der Auseinandersetzung des Europäers mit den US-Immigrationsbehörden die Grenzen im „Global Village“ auf. Gerade aus der Reibung zwischen individuellen Glücksfindungsversuchen und den Steinen, die von staatlichen Behörden in den Weg geräumt werden, bezieht der Film eine Menge komisches Potenzial.

Klapisch hat angekündigt, dass dies die letzte Folge seiner WG-Reihe sein wird. Schade: Mit diesen quirligen Charakteren würden wir gerne alt werden.

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