Menü
Schaumburger Nachrichten | Ihre Zeitung aus Schaumburg
Anmelden
Kultur Zwischen Garfield und Foxx funkt es
Nachrichten Kultur Zwischen Garfield und Foxx funkt es
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
03:13 24.04.2014
Foto: Spannung garantiert: Zwischen Spider-Man (Andrew Garfield) und Electro (Jamie Foxx) fliegen die Funken.
Spannung garantiert: Zwischen Spider-Man und Electro fliegen die Funken. Quelle: Sony
Anzeige
Hannover

Regisseur Marc Webb hat nach einem schwächeren ersten Teil die Qualität seines Marvel-Markenfabrikats deutlich verbessert. Er nimmt seinen Spider-Man so ernst, wie es ein Teenager in einer dauerhaften Identitätskrise nötig hat. Und er lässt Peter Parker viel Zeit: Zumindest gefühlt sieht man den Helden länger in Jeans als in seinem schicken rot-blauen Kostüm.

Von seinen drei Autoren hat Webb ein erstaunlich tragfähiges Drehbuch um die Geschichte des Waisenjungen entwickeln lassen, der seinem verschwundenen Vater hinterhertrauert und nach einem Spinnenbiss übermenschliche Kräfte in sich entdeckt. Es sind die vom Leben Enttäuschten, Gedemütigten und Versehrten, die sich Spider-Man als Gegner entgegenstellen – obwohl der Spinnenmann mit Helfersyndrom gerade solchen Typen neuen Mut einhauchen will.

Aber auch mit Hilfsbereitschaft kann man sich Feinde machen: Sowohl der Blitze-Schleuderer Electro (Jamie Foxx, noch gut als Sklavenjäger-Jäger bei Tarantino in Erinnerung) als auch der schwerkranke „Grüne Kobold“ Harry Osborn (Dane Dehaan, sieht ein bisschen aus wie Justin Bieber als Zombie auf Drogen) haben eine besondere Beziehung zu Spider-Man.

Anfangs vergeht kaum eine Salto-Tour durch New Yorks Hochhausschluchten, ohne dass schmerzhafte Erinnerungen im Kopf von Peter Parker aufsteigen. Und stets treibt ihn die Angst, die Menschen zu verlieren, die er am meisten liebt. Dieser Superheld leidet unter Verlustängsten der heftigeren Art.

Der Spinnenmann (Andrew Garfield) nimmt eben alles sehr persönlich. Das ist schon mal ein klares Abgrenzungsmerkmal und absolut notwendig, da Comic-Superhelden heutzutage im Kino schneller überarbeitet werden als Automodelle in der Fabrik. Der Vorgänger, verkörpert von Tobey Maguire, hangelte sich 2002, 2004 und 2007 durch den Big Apple. Garfield hing bereits zehn Jahre später, 2012, erstmals an einem dünnen Faden.

Bei solch eng getakteten Produktionsrhythmen muss ein Regisseur auf Feinheiten achten, um einen individuellen Helden zu modellieren. Denn letztlich ist so ein Superheld nichts anderes als ein 200 Millionen Dollar teures Hightech-Kinoprodukt in 3-D-Optik.

Jamie Foxx allerdings hätte getrost gegen eine kostengünstigere Kraft ausgetauscht werden können: Nachdem sein freundlicher Elektroinstallateur ins Zitteraal-Aquarium abgetaucht und als Starkstrom-Monster mit leuchtenden Augen und Kapuze wieder aufgetaucht ist, bleibt ihm nicht mehr allzu viel Gelegenheit zum differenzierten Schauspielern.

In diesem knapp zweieinhalbstündigen Werk werden mehr Polizeiautos verschrottet als weiland bei den Blues Brothers, und doch sind die Actioneinlagen angenehm dosiert. Es lassen sich sogar halbwegs originelle Ideen finden – und das will bei der Zerstörungswut des Actionhelden-Blockbuster-Kinos made in Hollywood etwas heißen.

Einmal dreht Electro der Stadt kurzerhand den Saft ab, nach und nach gehen sämtliche Lichter aus. Das sieht aus, als beteilige sich New York unter verschärften Bedingungen an der „Earth Hour“, in der Städte weltweit ihre Beleuchtung reduzieren, um wenigstens symbolisch etwas für den Umweltschutz zu tun. Hier führt die dunkle Stunde allerdings zu erheblicher Beeinträchtigung der Flugsicherheit am JFK-Airport.

Als es zum Showdown kommt, muss auch Spider-Mans Freundin Gwen (Emma Stone) ran – ungewöhnlich für die Abenteuer eines Einzelgängers im Strampelkostüm. Und dann prägt sich ein Moment ins Gedächtnis ein: Gwen stürzt in die Tiefe, der verzweifelte Spinnenmann schießt ihr einen klebrigen Faden hinterher. Plötzlich fallen Hektik und Lärm von „The Amazing Spider-Man 2: Rise of Electro“ ab. Wir erleben die Szene in extremer Zeitlupe. Es bleibt schrecklich viel Zeit zum Bangen um Gwens Leben. Zumindest in diesem Augenblick macht das Spider-Man-Modell 2013 seine Serien-Existenz vergessen.

Von Stefan Stosch

Mehr zum Thema

Er ist ein Superheld und geht im Film für seine Tante Bioeier einkaufen. Andrew Garfield ist Hollywoods neuer Spider-Man – und spielt ihn richtig gut. Am 28. Juni ist „The Amazing Spider-Man“ in den Kinos gestartet. Ein Besuch lohnt sich.

30.06.2012
Kultur Deutschlandpremiere - Neuer Spider-Man besucht Berlin

Andrew Garfield ist der neue Spider-Man. Im Neustart der Superhelden-Saga spielt er den Comic-Helden als Teenager. Für ihn selbst war diese Lebensphase allerdings „ziemlicher Mist“, wie er auf der Deutschlandpremiere in Berlin sagte.

22.06.2012

„The Amazing Spider-Man“ geht in die nächste Runde. Hauptdarsteller Andrew Garfield und Regisseur Marc Webb sind auch bei Teil zwei mit dabei. Das Spektakel soll 2014 in die Kinos kommen.

30.09.2012
Kultur Woody Allen kriegt keine Rollen - „Ich bekomme so gut wie nie Angebote“
13.04.2014
Kultur Filmkritik zu „Die Bestimmung – Divergent“ - Auftakt für Hollywoods neue Heldin
11.04.2014
Kultur Filmkritik "Super-Hypochonder" - Besser er ist tot als ich
Stefan Stosch 14.04.2014