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Kultur Ring frei für „Zwei vom alten Schlag“
Nachrichten Kultur Ring frei für „Zwei vom alten Schlag“
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23:44 10.01.2014
Zwei Boxlegenden wollen es noch einmal wissen: „Kid“ (Robert De Niro, links) und „Razor“ (Sylvester Stallone). Quelle: Warner Bros.
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Berlin

Echo auf „Rocky“ und „Wie ein wilder Stier“: Für viele Boxfilmfans muss es wie Musik in den Ohren geklungen haben, als bekannt wurde, dass Sylvester Stallone und Robert De Niro gemeinsam in den Ring steigen werden. Quasi ein Kampf zwischen den legendären Filmfiguren Rocky Balboa und Jake LaMotta. Die Komödie „Zwei vom alten Schlag“ nimmt die Fährte der preisgekrönten Boxfilme aus den 1970ern und 1980ern auf. Der Film von Regisseur Peter Segal ist an vielen Stellen sehr originell und witzig – aber insgesamt nicht der große Wurf. Es bleibt bei einem eher sanften Schlagabtausch.

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Die Pittsburgher Erzrivalen im Boxring, „Razor“ (Stallone, 67) und „Kid“ (De Niro, 70), sind in die Jahre gekommen. Die Knochen sind eingerostet, und der Bauch lappt über den Gürtel. Henry „Razor“ Sharp arbeitet mittlerweile in einem Stahlwerk, und auf dem Konto herrscht gähnende Leere. Er lötet in seiner Freizeit kleine Tierfiguren.

Billy „The Kid“ McDonnen tritt im Glitzerboxmantel und einer Handpuppe in einer Bar auf und erzählt von seinen alten Erfolgen als Boxlegende – für fiese Gäste ein gefundenes Fressen. Die beiden wissen, dass die Sternstunden ihrer Karrieren weit zurückliegen. Vor 30 Jahren kämpften sie gegeneinander und waren Stars – zum alles entscheidenden Finale kam es allerdings nie. „Razor“ gab in einer Pressekonferenz völlig überraschend seinen Rücktritt bekannt.

Als ein geschäftstüchtiger Promoter (Kevin Hart) die beiden überreden kann, für ein Videoboxspiel ihre Stimmen in einem Studio einspielen zu lassen, kommt es zum ersten Zusammentreffen nach vielen Jahren. Und sofort macht es wumms – die Rivalität ist erneut entfacht. Das illustre Rentnerboxen wird im Internet als Video gepostet – und die Idee ist geboren: Ein finaler Boxkampf.

Natürlich hat Segal die Komödie mit jeder Menge Referenzen auf die alten Boxerfilme gespickt. Da ist zum Beispiel die Kühlhausszene. Boxer „Rocky“ benutzt die Rinderhälften, um zu trainieren. In „Zwei vom alten Schlag“ will Stallone als „Razor“ wieder darauf einschlagen, sein Trainer (Alan Arkin) sagt aber: „Was hast Du vor? Wir kaufen uns hier was zum Abendessen, du musst nicht auf alles eindreschen.“

Auch „Razors“ gewöhnungsbedürftiger Morgendrink wird vielen aus „Rocky“ bekannt vorkommen: Rohe Eier, die er in einem Schwung schluckt. Zu der diesmaligen Eierfilmszene sagte Stallone jüngst über Filmkollege Arkin: „Der Kerl hat mich rohe Eier schlucken lassen – zweimal.“ Und fügte hinzu: „Das erste Mal war schon nicht schön. Aber wir hatten alles im Kasten, alles gut. Und dann bringt der Typ mich zum Lachen!“ Weil Stallone die Eier rausprustete, musste noch einmal gedreht – und noch einmal getrunken werden.

Für seine Rolle als Jake LaMotta in dem Martin-Scorsese-Film „Wie ein wilder Stier“ (1980, Originaltitel: „Raging Bull“) erhielt Robert De Niro 1981 einen Oscar als bester Darsteller, auch Sylvester Stallone feierte mit seinen „Rocky“-Filmen – bislang sechs zwischen 1976 und 2006 – zahlreiche Erfolge.

Die knapp zweistündige Komödie mit dem Originaltitel „Grudge Match“ vermittelt hin und wieder das Gefühl, weder Fisch noch Fleisch zu sein. Bleibt sie auf der Referenzebene zu den alten Boxfilmen und setzt auf Situationskomik, funktioniert das Ganze recht gut. Schwieriger wird es, wenn es um die Nebenhandlungen geht. „Kid“ hatte eine Affäre mit der großen Liebe von „Razor“, Sally (Kim Basinger). Mit ihr hat „Kid“ auch einen Sohn, der ohne seinen Vater aufwuchs. Als dieser sein Trainer wird, beginnt die Aufarbeitung der Vater-Sohn-Beziehung. Währenddessen geht Sally wieder auf „Razor“ zu, die beiden lieben sich noch immer. Hinzu kommt noch ein Enkelkind, sodass der Boxkampf zeitweise eher eine Familienkiste darstellt und nach einem unnötigen Happy End strebt.

Besser funktioniert dagegen das Thema Alter – es geht in dem Film oft um Würde und Respekt. Bei einer schlecht besuchten Pressekonferenz, die „Razor“ und „Kid“ vor ihrem Kampf geben, fragt etwa einer der Journalisten die beiden zynisch: „Wenn einer von Euch k.o. geht, drückt der andere dann die Notfalltaste vom Roten Kreuz?“ De Niro beklagte sich jüngst über Diskriminierung im Alter. „Respekt vor dem Alter gibt es leider kaum. Ich bedaure das, aber so ist wohl das Leben.“

dpa

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