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Kultur Vor dem Tod kommt die Liebe
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00:20 15.06.2014
Von Stefan Stosch
Ganz nah beieinander: Hazel (Shailene Woodley) und Gus (Ansel Elgort). Quelle: 20th Century Fox
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Hannover

Zwei schwer verliebte Jugendliche schreiben als Beweis ihrer gegenseitigen Zuneigung Grabreden für den jeweils anderen: In „Das Schicksal ist ein mieser Verräter“ ist das keine morbide Eskapade, sondern der Punkt, an dem zarte Romantik und bitterer Realismus miteinander verschmelzen. Ebendiese heikle Melange zeichnet John Greens Roman aus, der die Bestsellerlisten stürmte.

Wo Liebe und Tod einander in der Literatur oder im Kino die Hand reichen, ist der Kitsch nicht weit. In Greens Roman läuft es genau umgekehrt. Das schmerzliche Bewusstsein der Endlichkeit erdet die Liebesgeschichte und führt zu einer Aufrichtigkeit, die den widerstrebenden Gefühlen zweier Teenager gerecht wird. Diesen Balanceakt auf die Leinwand zu bringen, ist ein schwieriges Unterfangen. Die sentimentalen Verführungskräfte sind im Kino größer als in der Literatur. Aber Nachwuchsfilmemacher Josh Boone entwickelt ein gutes Händchen für den Erzählton und bleibt nah dran an der Buchvorlage.

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Als Hazel (Shailene Woodley) und Gus (Ansel Elgort) sich in einer Krebsselbsthilfegruppe zum ersten Mal sehen, überspringen sie die üblichen Kennenlernspielchen. Der erste lang anhaltende Blickkontakt wird eher als Kampf ausgetragen. Nach wenigen Sätzen und der gegenseitigen Lektüre ihrer Lieblingsbücher ist die Sache mit der Seelenverwandtschaft, die weit über die gemeinsame Krebserfahrung hinausgeht, geklärt.

Die Direktheit, mit der Gus auf Hazel zugeht, hat nichts mit der Routine eines Eroberers zu tun, sondern mit der Erkenntnis, dass man in Herzensangelegenheiten keine Zeit verschwenden darf. Die Zögerlichkeit, mit der Hazel reagiert, ist wiederum keine Koketterie, sondern der Angst geschuldet, als vermeintlich Todgeweihte, den anderen mit in den Abgrund zu ziehen. Mit zärtlich ironischem Blick zeigt Boone die rasante Dynamik, mit der sich große Gefühle trotz schwächlicher körperlicher Konstitution ihren Weg bahnen. Mit derselben Intensität bricht aber auch die unberechenbare Krankheit in die Beziehung ein.

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Natürlich sollte man eine Packung Taschentücher mit ins Kino nehmen. Eine solche Geschichte lässt sich nicht als reines Feel-Good-Movie erzählen. Dennoch funktioniert der Film ebenso wie das Buch in erster Linie als Liebesgeschichte, in die sich auf entspannte Weise lebensphilosophische Fragestellungen mischen. Shailene Woodley („Die Bestimmung“) spielt die Widersprüche ihrer Figur ohne Überzeichnung aus.

Wer heute großes Gefühlskino für Jugendliche machen will, flüchtet sich meistens in ein Fantasy-Setting, wo Rührung auch dem coolsten Teenager-Publikum verkauft werden kann. „Das Schicksal ist ein mieser Verräter“ ist mutiger und stellt sich seiner ebenso romantischen wie tragischen Liebesgeschichte, ohne sich durch Vampire, Werwölfe oder verschlungene Zukunftsszenarien abzusichern.

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