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Kultur Kunstkritiker Robert Hughes ist tot
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18:50 07.08.2012
Von Johanna Di Blasi
Der Kunstkritiker Robert Hughes ist im Alter von 74 Jahren in New York gestorben. Quelle: dpa
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Hannover

Er hatte etwas Knorriges und Hemdsärmeliges an sich, eher ungewöhnlich für einen Kunstkritiker. Aber vielleicht lag gerade in der zupackenden Art der Publikumserfolg des als „Crocodile Dundee der Kunstkritik“ Titulierten. Robert Hughes galt als einer der einflussreichsten und scharfzüngigsten Kritikerpersönlichkeiten im angelsächsischen Raum. Drei Jahrzehnte lang war der gebürtige Australier, Spross einer Advokatenfamilie aus Sydney, Chef-Kritiker des „Time“- Magazins in New York. Davor hatte er für die „Times“ und den „Observer“ geschrieben. Am Montag starb der Publizist, leidenschaftliche Koch, Fischer und Jäger nach Angaben seiner Familie im Alter von 74 Jahren nach langer Krankheit in einem New Yorker Hospital.

Robert Hughes erreichte mit Fernsehserien und Büchern zu moderner Kunst ein Millionenpublikum. Seinen Durchbruch erlebte er dann in den achtziger Jahren mit einer achtteiligen Dokumentation der Kunstentwicklung vom Impressionismus bis in die Gegenwart mit dem Titel „The Shock of the New“. 25 Millionen Menschen sahen die BBC-Ausstrahlung.

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Eine Neuaufnahme des Themas 2004 unter dem Titel „The New Shock of the New“ zeugte von wachsender Verbitterung des enthusiastischen Kunstliebhabers angesichts des Einflusses von Geld und Starrummel auf den Kunstbetrieb. Deftig fiel Hughes Urteil über den PopArt-Künstler Jeff Koons aus. Der in seinen Urteilen tendenziell konservative Kritiker stellte Koons mit dem Bronzebildhauer Seward Johnson auf eine Stufe, bekannt für Trompe- l’œil-Figuren auf Parkbänken. Beider Karrieren zu betrachten sei wie „das Debattieren der Vorzüge von Hunde- und Katzenexkrementen“. Die eingelegten Haie des Briten Damien Hirst zu schätzen und zu sammeln, zeugte für Hughes schlicht von „Geschmacksarmut“.

Seine Richtersprüche über Kunst und Künstler waren oft kurz, knackig und treffend. Den großen Künstler erkannte er an der Größe der Selbstzweifel des Genies. Der „Job“ der Kunst bestehe neuerdings darin, an der Wand zu hängen und teuerer zu werden, bemerkte Hughes. In der Kunst gebe es keine Innovation, nur „Fluktuationen von Intensität“. Die eigene Rolle verglich der Kritiker mit der eines Pianospielers in einem Bordell: „Du hast keine Kontrolle über die Aktivitäten in den oberen Stockwerken.“

Hughes schrieb nicht nur über Kunst und Künstler, beispielsweise Lucian Freud oder Goya, sondern widmete sich in einem umfangreichen Band auch seiner australischen Heimat. Der Titel lautet „Fatal Shore“. Hughes hatte das Australienbuch ursprünglich „Kangaroots“ nennen wollen, was von seiner Liebe zur Sprachspielerei zeugt.

1999 erlitt der Autor in Australien einen schweren Autounfall. Er war nach einem Angelausflug auf der falschen Straßenseite gefahren und mit einem entgegenkommenden Auto kollidiert. Von dem Unfall habe er sich nie mehr richtig erholt, sagen Freunde. Hughes wurde später von einer Reihe von Leiden geplagt, darunter Halluzinationen. Diese sollen ihm der Kunst Goyas noch näher gebracht haben.

In seinen Memoiren beschreibt der einstige Jesuitenzögling eine Begegnung mit dem Tod. „Einmal sah ich den Tod. Er saß an einem Schreibtisch, wie ein Banker. Er machte keine Geste, aber er öffnete den Mund, und ich blickte in seinen Rachen, der zu einem Tunnel wurde: die bocca d’inferno der alten christlichen Kunst“.

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