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Kultur Lady Gaga bietet extravagante Show
Nachrichten Kultur Lady Gaga bietet extravagante Show
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22:20 20.09.2012
Foto: Ist am Montag in der TUI Arena in Hannover zu sehen: Lady Gaga.
Ist am Montag in der TUI Arena in Hannover zu sehen: Lady Gaga. Quelle: dpa
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Berlin

Irgendwann ist alles ein bisschen zu viel. Dann schweifen die Gedanken plötzlich ab. Und man vergisst nach mehr als eine Stunde „Electro-Metal-Pop-Oper“ sogar kurz die vielen Lady Gaga-Doubles im Publikum. Aus den  Lautsprechern rumst immer noch dieser dumpfe Beat, zu dem auf der Bühne diese platinblonde Person tanzt, die sich Lady Gaga nennt. Dass die dabei zeitweise die Grenze der Ästhetik - vor allem im Vergleich zu ihren Kolleginnen in der Branche - überschreitet, fällt kaum auf. Denn neben ihr formt gerade ein Trupp halbnackter, muskelbepackter Kerle einen menschlichen Knoten. Dann endlich braucht offenbar auch eine Lady Gaga eine kurze Pause. Sie setzt sich ans Klavier.

Das ist natürlich an ein Motorrad befestigt, mit dem sie zuvor symbolgewaltig zur Mensch-Maschine verschmolzen ist. Jetzt aber wird den rund 12 000 „kleinen Monstern“ in der O2-World, wie das Monstermuttertier ihre Fans liebevoll nennt, kurz Ruhe gegönnt. Ein wunderbar leiser Moment, der das ganze übertourte Getöse um ihre Person unwichtig werden lässt. Gaga spielt  "Princess Die" und bittet - wie passend - eine Prinzessin dazu auf die Bühne. Der jugendliche Fan kann vor Schreck zwar kaum noch atmen, dafür darf ein bisschen mit dem Idol gekuschelt werden. Lady Gaga zum Anfassen. Ein Moment mit Seltenheitswert.

Gerade Mal vier Deutschland-Konzerte gibt Lady Gaga auf ihrer Welttournee. Zuletzt war sie in Köln, nach Berlin wird sie ihre bombastische Burg in Hannover aufbauen. Dieses aus Zinnen und Türmchen bestehende Bühnenbild, eine Mischung aus Disneyschloss und Geisterbahn, bildet das Herzstück der „The Born This Way Ball“-Tour. Im zweiten Stock rotiert eine Garderobe, die die Protagonistin des Abends in der jeweils passenden Klamotte zu Hits wie „Bad Romance“, „Just Dance“, „Poker Face“ oder „Telephone“ ausspuckt.

Die Frau auf der Bühne wirkt trotz aller Extravaganzen seltsam bescheiden. Weder Frau noch Mann will sie sein, sondern eine Kreatur. Geschöpf ihrer Fans. Unbefleckte Empfängnis könnte man das auch nennen. Passend dazu entschlüpft sie zu „Born this Way“ einer Art überdimensionalen, aufblasbaren Vagina. In Korea fand man das zu „pornografisch“ und setzte das Mindestalter für Konzertbesucher auf 18 Jahre hoch. Was den Jüngeren entging: Ein Abend der wie eine Mischung aus Großraumdisko und Fashion-Show anmutet. 
Mode war ja schon immer die eleganteste Form der Abgrenzung. Das hat Lady Gaga perfektioniert. Gerade erst zierte sie das Cover der amerikanischen Vogue, twitterte von der Londoner Fashion-Week exklusive Bilder aus dem Chanel-Showroom und stakste pink verhüllt selbst über den Laufsteg.  Jetzt will sie ihrem Publikum weißmachen, dass wir alle der Grund sind für diese ganze Kreativität, die da so täglich aus ihr heraussprudelt.

Denn Gaga will nicht nur singen, sie will vor allem ständig anders sein. Sie will Modeikone sein, eng geschnürt. In Fleisch gekleidet oder einfach nur an der Seite von Karl Lagerfeld sitzend. Sie will Kunst sein. Und natürlich einzigartig. All das ist sie. Bis zu dem Moment, im dritten Akt ihrer Pop-Oper, wenn sie sich auf dem – natürlich zu groß geratenen – Sofa aus Muskelfleisch räkelt, sich lasziv über die vor die Brust geschnallten Maschinengewehre streichelt und dazu „Alejandro“ haucht. Zu oft hat man dieses militärische Gehabe schon gesehen. Zuletzt als Madonna vor zwei Monaten zu ähnlich wummernden Beats durch ihr imposantes Bühnenbild in der O2-World robbte. Lady Gaga robbte kurz hinterher. Die mehr als zwei Stunden rockt sie dafür umso mehr.

Nora Lysk 

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