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Kultur Land hat keinen Anspruch auf kostbare Teller
Nachrichten Kultur Land hat keinen Anspruch auf kostbare Teller
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13:31 23.12.2011
Die Entscheidung um kostbare Keramikteller ist gefallen. Quelle: dpa
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Braunschweig

Im Rechtsstreit um drei kostbare Keramikteller aus dem 16. Jahrhundert hat das Land Niedersachsen den Kürzeren gezogen. Das Landgericht Braunschweig stellte am Freitag fest, dass das Land nicht Eigentümer der italienischen Majoliken-Teller ist. Damit gab die 9. Zivilkammer der Feststellungsklage eines Kunsthändlers aus Bayern statt, der die Teller im vorigen Jahr für mehr als 300.000 Euro bei einer Kunstauktion in Quedlinburg erworben hatte.

Das vom Land getragene Braunschweiger Herzog Anton-Ulrich Museum hatte in einem Zeitungsartikel und E-Mails behauptet, Eigentümer der drei Kunstobjekte zu sein. Sie waren dem Museum im Zweiten Weltkrieg verloren gegangen. Allerdings stellte das Gericht fest, dass die Teller bereits Anfang der 70er Jahre in den Besitz eines Mannes übergegangen waren, der sie von seiner Ehefrau und deren Eltern als Geschenk bekommen hatte. Die Familie hatte die Teller 1963 von einer Antiquitätenhändlerin aus Leipzig gekauft. Nach deutschem Recht geht gutgläubig erworbenes Eigentum nach zehn Jahren in den Besitz des Käufers über.

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Die mit mythologischen Motiven bemalten Teller hingen mehr als 20 Jahre lang im Wohnzimmer der Familie über dem Kamin, wie sich im Prozess herausstellte. Der inzwischen gestorbene Mann habe keine Anhaltspunkte dafür gehabt, dass die drei Teller dem beklagten Land gehörten, begründeten die Richter das Urteil. Auf den Rückseiten der Objekte seien keine Signaturen oder Spuren von entfernten Signaturen zu erkennen gewesen. Von der Registrierung der Teller als vermisst auf der Internetseite „lost-art.de" habe der Mann nichts wissen können, da sie erst im Jahr 2000 erfolgte, erläuterten die Richter.

Der Sohn des Besitzers, der die Teller 1998 vom Vater geschenkt bekam, bot sie schließlich 2010 dem Auktionshaus an. Auf die Frage, ob der Kunsthändler bei der Versteigerung gutgläubig gewesen sei, komme es bei der Entscheidung des Rechtsstreits nicht an, erklärte das Gericht. Das Land Niedersachsen kann jetzt Berufung einlegen. „Wir warten ab, bis das schriftliche Urteil vorliegt und werden es dann analysieren", sagte der Sprecher des niedersächsischen Kulturministeriums, Rüdiger Fischer.

dpa

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