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Kultur Louvre zeigt islamische Kunst
Nachrichten Kultur Louvre zeigt islamische Kunst
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19:47 18.09.2012
Mehr als 20 Jahre nach der Einweihung der Glaspyramide sorgt der Louvre wieder für Schlagzeilen. Quelle: dpa
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Paris

Der Louvre hat seinen ersten wichtigen Ausbau seit 1989 erhalten. Damals hatte François Mitterrand die von ihm in Auftrag gegebene Pyramide im Innenhof des einstigen Königspalastes eröffnet. Diesmal jedoch ist die Erweiterung des größten Museums der Welt auch ein politisches Signal: „Die Künste des Islams“, zum Teil seit Langem im Louvre zu sehen, erhalten eine eigene Abteilung - die achte des Museums. Die 3000 Quadratmeter großen Räume wurden vom italienischen Architekten Mario Bellini und seinem französischen Kollegen Rudy Ricciotti konzipiert; sie liegen im hinteren Hof des Louvre und bestehen aus schwarzen Betonmauern und einem fein ziselierten Glasdach, das sich optisch an der Pyramide von Ieoh Ming Pei orientiert. Die Zeltüberdachung, die gemäß Louvre-Direktor Henri Loyrette „vom Wind getragen scheint“, trieb die Gesamtkosten der neuen Abteilung auf 100 Millionen Euro.

Das Tageslicht dringt ins Innere der neuen Räume, in denen fast 3000 Objekte von drei verschiedenen Kontinenten aus 1300 Jahren Geschichte ausgestellt sind. Die Exponate verteilen sich über zwei Stockwerke unter dem Hof, sie stellen eine Auswahl aus den 15000 Kulturschätzen dar, die der Louvre über Jahrhunderte aus islamischen Ländern zusammengetragen hat. Der Louvre besitzt eine der umfangreichsten Sammlungen mit Architektur, Buchkunst, Keramik, Teppichen, Glas- und Elfenbeinobjekten.

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Unter den Meisterwerken sind etwa eine Deckelkapsel aus Elfenbein des andalusischen Prinzen al-Mughira aus dem Jahr 968 aus Spanien oder ein ägyptischer Wasserkrug aus Felsenkristall aus der Zeit um 1000. Es befinden sich nur wenige religiöse Objekte in der Sammlung, zum Beispiel ein kunstvoller iranischer Gebetsteppich aus dem 16. Jahrhundert.

Der Islam sei eben nicht nur eine Religion, sondern eine Zivilisation, sagt Loyrette. Diese Zivilisation reicht von Spanien bis ins mongolische Indien - und zu dieser islamischen Welt gehörten immer auch Christen und Juden. Syrien sei im 12. Jahrhundert mehrheitlich von Christen bewohnt gewesen, sagt Loyrette. Dennoch gehörten die Kunstwerke aus dieser Zeit zur Zivilisation des Islam.

Gestern hat Präsident François Hollande die Abteilung eingeweiht - und bei der Gelegenheit die Schändung von Mausoleen in Timbuktu verurteilt. „Die islamischen Zivilisationen sind älter, lebendiger und toleranter als jene, die heute in ihrem Namen reden“, sagte er. Tatsächlich bekommt die Eröffnung durch die aktuellen Ereignisse eine besondere Bedeutung. Die so ostentative Zelebrierung des Islams in einer westlichen Metropole wirkt wie eine Antithese zu dem abstrusen Schmähfilm gegen den Propheten Mohammed, der derzeit die Gemüter erregt.

Zumindest in Paris nimmt das Vorhaben auch jenen Islamisten Wind aus den Segeln, die am Sonnabend vor der US-Botschaft in Paris demonstriert hatten. Bei der nicht genehmigten Kundgebung hatten rund 200 Salafisten und ein paar Frauen mit Vollschleier - der in Frankreich verboten ist - demonstrativ auf der Straße zu beten begonnen, was im laizistischen Frankreich auch untersagt ist.

Innenminister Manuel Valls sprach von einer „inakzeptablen“ Veranstaltung, die ein Zerrbild des gemäßigten Islams zeichne. Dieser Hinweis empörte aber auch gerade viele der etwa fünf Millionen französischen Moslems, die den US-Film als vorrangiges Zerrbild des Islams erachten. Umso wichtiger ist die offizielle Hochschätzung für den kulturellen Islam. „Wir wollen die Ausbreitung der islamischen Zivilisation und ihren Einfluss über ein immenses Gebiet nachzeichnen - ein Gebiet, das auch nichtmoslemische Völker einschließt“, meint die Leiterin der neuen Abteilung, Sophie Makariou. „Deshalb wollen wir uns nicht auf die religiöse Sphäre beschränken.“

Und für den Fall, dass diese Interpretation des Begriffs Islam nicht bei allen Muslimen auf Zustimmung stoßen sollte, fügt Makariou an: „Wir dürfen die Verantwortung für das Wort ‚Islam’ übernehmen, wir müssen ihm seine Größe zurückgeben und dürfen es nicht den Dschihadisten überlassen.“ Das dürften gemäßigte Moslems in Frankreich eher unterschreiben.

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