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Kultur Peter Alexander ist im Alter von 84 Jahren gestorben
Nachrichten Kultur Peter Alexander ist im Alter von 84 Jahren gestorben
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20:12 13.02.2011
Von Uwe Janssen
Peter Alexander ist im Alter von 84 Jahren gestorben.
Peter Alexander ist im Alter von 84 Jahren gestorben. Quelle: dpa
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Im Jahr 2006 schlüpft Peter Alexander noch einmal in seine Lebensrolle. Am heimischen E-Piano sitzt der 80-Jährige, trägt ein dunkles Hemd statt Frack und Fliege, lässt seine Finger behende über ein paar Barjazzakkorde tanzen und singt dann einige wenige Worte: „Danke schön, es war bezaubernd, danke schön, wenn wir auch auseinandergehn, gibt’s doch ein Wiedersehn.“ Und dann, nach einer kurzen Pause, noch einmal, fast geflüstert: „Danke schön.“

Kaum jemand konnte so viel Weltschmerz und Melancholie in einen Gesichtsausdruck legen wie Peter Alexander. Doch hier, bei dieser „Schalte“ einer Fernsehgala anlässlich seines 80. Geburtstages zu ihm nach Hause, wirkt dieses letzte „Dankeschön“ wie ein endgültiger Abschied von seinem Publikum. Am Sonnabend ist ­Peter Alexander mit 84 Jahren in seiner Geburtsstadt Wien gestorben.

So viel Privatheit hat er seinen Zuschauern selten gegönnt. So omnipräsent er 40 Jahre lang als öffentliche Person war, so wenig ließen er und vor allem seine Frau und strenge Managerin Hilde einen Blick hinter die Kulissen der Unterhaltungsfassade zu. Als er sich zurückzog aus dem Showgeschäft, zog er sich ganz zurück in sein Wiener Privatleben. Skandale während seiner Karriere: Fehlanzeige. Keine Frauengeschichten, keine Steuergeschichten, keine Nazivergangenheit. Es ist alles so gekommen, wie er es haben wollte. In Erinnerung bleibt Peter Alexander, der Sonnenseiten-Unterhalter, den sie „Peter den Großen“ nannten, der aber vor allem Peter der Gute war. „Nein“, lautete seine erläuterungslose Antwort, als er einmal gefragt wurde, ob er nie Lust gehabt hätte, mal einen Bösen zu spielen. Eine leichte Empörung lag in diesem „Nein“, als habe man ihm eine zutiefst unseriöse Frage gestellt.

Peter Alexander war da, die Menschen zu erfreuen. In britischer Kriegsgefangenschaft hatte er sich bei seinen Kameraden den ersten Applaus als Parodist abgeholt. Ein Medizinstudium brach der Sohn eines Bankbeamten anschließend schnell ab und lernte am Max-Reinhardt-Seminar seiner Heimatstadt Schauspiel. Bald wurde klar: Auf einen wie diesen Peter Alexander Ferdinand Maximilian Neumayer schienen die Nachkriegsdeutschen geradezu gewartet zu haben. Was er nicht von anderen lernte (wie das Schauspiel) oder selber hatte (wie Mutterwitz), brachte er sich (wie Singen und Klavierspielen) autodidaktisch bei und erschuf ein Universaltalent, das Deutschland ins Wirtschaftswunder begleitete: „Lachen, tanzen, singen, das gibt dir wieder neuen Mut.“ So sang er, so war er. ­Einer, der Probleme fröhlich wegträllerte wie in eben jenem Lied „Steck dir deine Sorgen an den Hut“.

Regisseure wie Werner Jacobs und Géza von Cziffra entdeckten den jungen vielseitigen Österreicher, der auch noch gut aussah, und schöpften sein Multi­talent in Revuefilmen oder Operettenadaptionen aus. Peter Alexander sang, tanzte und blödelte sich durch die „Fledermaus“ oder „Die lustige Witwe“. Die „Graf Bobby“-Figur schien ihm neben der des charmant-gewitzt-tölpelhaften Kellners Leopold im „Weißen Rössl“ wie auf den Leib geschneidert. Schon bald bekam der Shootingstar nur noch Hauptrollen, häufig im Blödelduett mit Gunther Philipp, immer im Verein mit Sonnenschein und Postkartenlandschaften. Neben fast 50 Filmen hat Alexander rund 120 Langspielplatten besungen und Dutzende Nummer-1-Hits gelandet. Dass seine Karriere in die Showmasterei münden würde, war vorgezeichnet. Er verehrte Frank Sinatra, und er hatte auch dessen Gaben. Doch Alexander war eine Art alkoholfreie Version. Statt Whiskey zu trinken, spielte er lieber den Betrunkenen. Das aber mit traumhaftem Erfolg: Die „Peter Alexander Show“ hatte Einschaltquoten wie WM-Endspiele. Showkollegin Dagmar Koller sagte gestern: „Wenn wir von ihm für seine Show engagiert wurden, dann wussten wir: Wir haben die Spitze erreicht.“

Seine Tourneen durch die größten Hallen waren innerhalb von Stunden ausverkauft. Ein Superstar, der als solcher nie die Haftung und die Haltung verlor, weil in seiner großen Showgeste immer auch tiefste Dankbarkeit seinem Publikum gegenüber mitschwang. Und weil seine Frau Hilde, die er 1952 kennengelernt und wenige Monate später geheiratet hatte, als Managerin die beruflichen Geschicke ihres Gatten akribisch lenkte. Alexander legte seine Karriereplanung komplett in ihre Hand. Als sie 2003 starb, schien es, als sei auch ein Stück Peter Alexander gestorben. Es sollte ein weiterer privater Schicksalsschlag folgen: 2009 kam seine Tochter bei einem Unfall in Thailand ums Leben. Peter Alexander erholte sich davon nicht mehr. Der österreichische Bundeskanzler sagte gestern: „Er war das Gesicht Österreichs.“

Dieser Artikel wurde aktualisiert.