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Kultur Schweden geht als Favorit ins zweite ESC-Halbfinale
Nachrichten Kultur Schweden geht als Favorit ins zweite ESC-Halbfinale
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17:08 24.05.2012
Von Imre Grimm
Foto: Die 29-jährige Schwedin Loreen gehört klar zu den Favoriten im zweiten ESC-Halbfinale.
Die 29-jährige Schwedin Loreen gehört klar zu den Favoriten im zweiten ESC-Halbfinale. Quelle: dpa
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Baku

Insgesamt 42 Länder hatten die Möglichkeit ins Finale einzuziehen. Von Anfang an gesetzt waren Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Spanien und Italien sowie Aserbaischan als Gastgeber. Bereits am Dienstag wurde im ersten Halbfinale die ersten acht Teilnehmer aussortiert. Heute Abend streiten 18 Teilnehmer um die letzten zehn Plätze. Unser Redakteur Imre Grimm hat die 18 Teilnehmer des zweiten Halbfinals ganz genau unter die Lupe genommen:

1. Serbien:
Zeljko Joksimovic: „Nije ljubav stvar“
Jeder, der hier nicht „Paradise“ von Coldplay hört, hat keine Ohren. Zum vierten Mal ist Joksimovic für Serbien beim ESC im Einsatz, die Stimme ist stark, auf dem Balkan ist er ein Superstar. Fürs Finale wird’s reichen.
Chancen aufs Finale: 90 Prozent.

2. Mazedonien:
Kaliopi: „Crno i belo“
Die mazedonische Nationalikone hat eine treue Fangemeinde und ist eine erfahrene Showgröße. Ihr Titel ist eine Mischung aus Ballade und Bratzrock, aber wenig eingängig. Startplatz zwei im Halbfinale ist bitter. Prognose: Es wird eng.
Chancen aufs Finale: 30 Prozent.

3. Niederlande:
Joan Franken: „You And Me“
Eine Country-and-Western-Indianerin singt ein Kinderliedchen. Warum schaffen es die Holländer nicht, mal wieder ein Lied für Erwachsene zum ESC zu schicken? Diesmal also: Karl May trifft Pippi Langstrumpf. Als würde Pocahontas mit Texas Lightning singen. Siebenmal in Folge flogen die Niederlande zuletzt im Halbfinale raus. Auch dieser Joan-Baez-Nachbau mit türkischen Wurzeln wird’s wohl zu Recht nicht schaffen.
Chancen aufs Finale: 30 Prozent.

4. Malta:
Kurt Calleja: „Love Is Blind“
90er-Jahre-Stampfmusik voller mieser Floskeln. Klassisch-plumper Europop wie nachts um drei in einer Zwei-Sterne-Disco am Plattensee voller betrunkener Engländer mit Sonnenbrand. Die schwule Zielgruppe ist begeistert, der Rest: nicht so.
Chancen aufs Finale: 20 Prozent.

5. Weißrussland (Belarus):
Litesound: „We Are The Heroes“
Und noch mal dämlicher Bumspop mit einem Hauch von „Starlight Express“. Staatschef Alexander Lukaschenko persönlich disqualifizierte die eigentliche Gewinnerin Alena Lanskaja in einem Anfall von Populismus, als deren staatstreues Liedlein beim Publikum durchfiel. Stattdessen schickt er nun die Gruppe Litesound mit elektrischem Kinder-Hardrock und oramentreichen Uniformen nach Baku. Aua.
Chancen aufs Finale: 20 Prozent.

6. Portugal:
Filipa Sunsa: „Stay“
Portugal versucht es wieder einmal mit einer glutäugigen Diva und schwermütiger Düsternis. Die ganze Verzweiflung des portugiesischen Fado liegt in der Ballade „Stay“. Das wirkt auf das nicht ganz so portugiesische Publikum freilich streckenweise wie eine Parodie.
Chancen aufs Finale: 30 Prozent.

7. Ukraine:
Gaitana: „Be My Guest“
Da hat David Guetta aber mächtig Pate gestanden. Der ukrainische Beitrag klingt schwer nach „When Love Takes Over“ und nach dem Versuch, den Soundtrack zur anstehenden Fußball-EM zu liefern. Die 32-Jährige mit kongolesischem Vater setzt außer auf Fußball auch mächtig auf Sex. Was für eine Kombination. Gucken aber halt nicht nur Kerle zu.
Chancen aufs Finale: 70 Prozent

8. Bulgarien:
Sofi Marinova: „Love Unlimited“
Die Nummer klingt nach dem Versuch, Folklore, Euro-Disco, Rave und Irgendwas zu vereinen. Das geht schief und klingt nach Ferienpark-Karaoke. Marinova (36) ist ein Star in Bulgarien, ihre Stimme umfasst fünf (!) Oktaven, ihr Lied enthält zehn (!) Sprachen, aber Rekorde allein genügen nicht.
Chancen aufs Finale: 20 Prozent.

9. Slowenien:
Eva Boto: „Verjamen“
Gott ja – warum nicht mal wieder eine Brünette mit Ballade? Die erst 17-jährige Eva Boto hat uns gewiss etwas Wichtiges mitzuteilen. Allein – ihr Lied wirkt wie die chinesische Raubkopie einer Disneyballade, bei der die Prinzessin gleich das süße Hündchen küsst, und – puff! – ist der Köter ein Prinz. „Verjamem“ heißt übersetzt „Ich glaube“. Top Ten? Ich glaube nicht.
Chancen aufs Finale: 30 Prozent.

10. Kroatien:
Nina Badric: „Nebo“
Ein egales Liedchen in Landessprache, vorgetragen unter Gewitterdonner und mit Cello gewürzt. Schwerstarbeit für den Drumcomputer, aber der Versuch, eine melodramatische Minioper in drei Minuten zu erzählen, geht schief.
Chancen aufs Finale: 20 Prozent.

11. Schweden:
Loreen: „Euphoria“
Doch, es könnte mal wieder klappen für Schweden. Dunkle Augen, dunkle Seele: Lorine Zineb Noka Talhaoui – kurz: Loreen – ist eine 29-jährige Schwedin marokkanischer Abstammung und gilt als sichere Siegerin des ESC 2012, wenn sie’s nicht live vergeigt. Viermal hat Schweden bereits gesiegt. Nun hat die Frau, die über die Mutter aller Ponys verfügt und an Ruslana aus der Ukraine erinnert, die Chance, den fünften Triumph einzufahren. Andererseits: Schweden wird immer hoch gehandelt.
Chancen aufs Finale: 100 Prozent.

12. Georgien:
Anri Jokhadze: „I’m A Joker“
Plumpe, prollige Machonummer eines blondierten Mackers, von dessen schamlosem Egotrip man einfach nicht die Augen lassen kann. Der akustische Totalschaden mit Fremdschäm-Garantie erinnert entfernt an die „Rocky Horror Picture Show“. Nur ohne Rocky. Und ohne Picture. Und ohne Show. Grand-Prix-Trash von der schlimmsten Sorte. Aber was wäre der ESC ohne Blamage?
Chancen aufs Finale: 0 Prozent.

13. Türkei:
Can Bonomo: „Love Me Back“
Dieses maritim angehauchte Piratennümmerchen hat Diskussionen ausgelöst. Ein Jude für die Türkei! Bonomo sah sich genötigt, darauf hinzuweisen, dass seine Familie bereits seit 540 Jahren in der Türkei lebt. Sein Song ist folkloristisch-osmanisch aufgemotzter Pop mit einem Schuss Klezmer, einer Spur „Ferris macht blau“ und ‘ner Buddel voll Rum. Nicht unsympathisch.
Chancen aufs Finale: 90 Prozent.

14. Estland:
Ott Lepland: „Kuula“
Der 24-jährige Ex-Kinderstar gilt seit einer Rolle in „High School Musical“ als estnischer Zac Efron. Im Balladenjahr 2012 hat es sein Schlafzimmer-Soundtrack allerdings schwer. Problem: Live trägt seine Stimme diesen melancholischen Grübelsong nicht. „Kuula“ bedeutet „Hör zu“ (keine Schleichwerbung).
Chancen aufs Finale: 50 Prozent.

15. Slowakei:
Max Jason Mai: „Don’t Close Your Eyes“
Max Mai macht sich gerne obenrum nackig, das erfreut Teile der Fangemeinde. Der Normalverbraucher ist aber doch eher genervt von der Powerballade mit Hardrockelementen, dem einzigen Rocksong im ESC-Angebot 2012. Schnell vergessen.
Chancen aufs Finale: 40 Prozent.

16. Norwegen:
Tooji: „Stay“
Der Latinlover aus Norwegen ist eigentlich Iraner und war bereits Model, Fernsehmoderator bei MTV Norway, Sänger und Komponist. Sein Dancefloor-Titel „Stay“, der entfernt an George Michael erinnert, gilt mancherorts als Geheimfavorit. Allerdings schwächelt Tooji gelegentlich im Livegesang.
Chancen aufs Finale: 80 Prozent.

17. Bosnien-Herzegovina:
Maya Sar: „Korake Ti Znam“
Und wieder eine Klavierballade in Landessprache, die im offiziellen Video durch fauchende Lokomotiven und einen wirklich süßen Baby-Esel wenigstens optisch aufgewertet wird. Die 30-Jährige Maja Sarihodžic kürzte ihren Nachnamen freundlicherweise zu „Sar“ ab. 2011 in Düsseldorf saß sie bei Dino Merlins Auftritt mit „Love In Rewind“ (Platz sechs) am Klavier.
Chancen aufs Finale: 60 Prozent.

18. Litauen:
Donny Montell: „Love Is Blind“
Der Litauer heißt eigentlich Donatas Montvydas. Sein Liedchen ist witzloser als koffeinfreier Kaffee – und das, obwohl die Litauer zuletzt ein paar Überraschungen im Köcher hatten. Diesmal: eine doofe Mischung aus Ballade und Disco. Links rein – rechts raus.
Chancen aufs Finale: 20 Prozent.

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