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Kultur Sprengel Museum in Hannover feiert seinen Mäzen
Nachrichten Kultur Sprengel Museum in Hannover feiert seinen Mäzen
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15:15 16.04.2009
Von Johanna Di Blasi
Bernhard Sprengel legte den Grundstein für das Museum. Quelle: Archiv
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Sammler, so hat der Philosoph Walter Benjamin festgestellt, sind rastlos damit beschäftigt, eine verloren gegangene, ideale Ordnung der Welt wiederherzustellen oder eine zukünftige zu erbauen. Bernhard Sprengel muss ein großer Ordnungsfan gewesen sein, denn er baute gemeinsam mit seiner Ehefrau Margrit kontinuierlich eine der größten und bedeutendsten Kunstsammlungen der Republik auf. Er startete in den dreißiger Jahren mit deutschem Expressionismus, als dieser verpönt war, und entdeckte nach dem Krieg die internationale Avantgarde: Picasso, Klee, Léger.

An diesem Freitag vor 110 Jahren wurde der Fabrikant und Sammler in Hannover geboren. An seinem 70. Geburtstag, vor genau 40 Jahren, schenkte der hannoversche Ehrenbürger und Träger des Großen Bundesverdienstkreuzes seine unermesslich kostbare Kunstsammlung seiner Vaterstadt – und setzte dem Namen seiner Familie ein Denkmal. Mehr als 1000 Werke seiner Sammlung bilden den Grundstock des nach ihm benannten Sprengel Museums.

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Bernhard Sprengel wurde am 17. April 1899 in eine Schokoladendynastie hineingeboren. Sein Großvater, ein Pastorensohn, hatte 1851 den Grundstein für das Schokolade-, Kakao- und Süßwarenunternehmen gelegt. Unter Bernhard Sprengel wurde daraus einer der größten Schokoladenkonzerne Deutschlands. In den siebziger Jahren des 20. Jahrhunderts beschäftigte der Unternehmer knapp 2000 Mitarbeiter und erzielte einen Nettoumsatz von 200 Millionen Mark.

Die eigentliche Schokoladenseite bestand für den Unternehmer aber in der Beschäftigung mit Kunst. Schon im Elternhaus war er von Gemälden umgeben, Bildern von Carl Spitzweg und anderen Meistern des 19. Jahrhunderts. Schon als Kind nahmen ihn die Eltern in Museen, Kirchen und Schlösser mit. „Das Auge wurde angeregt und geschult an guten Bildern und auf Reisen. Unerbittlich, oft zur Qual der Kinder – und doch wie sehr zu ihrem späteren Glück. So lernten wir frühzeitig sehen“, erinnerte er sich später.

Als einflussreicher Mäzen war Bernhard Sprengel im Hannover der Nachkriegsjahrzehnte eine Gestalt, an der man nicht vorbei kommen konnte. Das bekam beispielsweise Werner Schmalenbach zu spüren, der von 1955 bis 1962 Direktor der Kestnergesellschaft war. Schmalenbach war erst ein paar Tage im Amt, da rief ihn der Schokoladenindustrielle an und will ihn förmlich in sein Büro kommandieren. Dem jungen Kunsthistoriker gefielt der Ton nicht.

Später bei einem Empfang im gastlichen Haus der Familie Sprengel in der Kniggestraße überraschte der Industrielle den jungen Kunsthistoriker mit überschwänglicher Herzlichkeit. Sprengel dutzte Schmalenbach und hakte sich unter. Gerade, weil er auch despotische Züge hatte, und, wie Zeitgenossen berichten, mitunter recht finster dreinblicken konnte, müssen seine spontanen Herzlichkeitsausbrüche überwältigend gewirkt haben.

Aber auch mit seinem intuitiven Gespür für künstlerische Qualität konnte sich Bernhard Sprengel Respekt verschaffen. Er imponierte Kunstvermittlern und Händlern, wobei er nie ein Freund gesellschaftsgeißelnder oder in formaler Hinsicht krasser Avantgarde gewesen ist. Mit Kurt Schwitters tat sich der Sammler anfangs schwer, erwarb aber schließlich doch einige Werke.

In den zurückligenden Jahren wurden Fragen bezüglich jenes Teils der Sammlung drängend, den Sprengel in den Kriegsjahren zum Teil zu günstigen Bedingungen erwerben konnte. Das Museum ließ seine Bestände von einer Provenienzforscherin aufarbeiten, mit dem Ergebnis, das nur wenig zu beanstanden ist. Ein Werk könnte von einem jüdischen Vorbesitzer stammen. Das Museum meldete das der Koordinierungsstelle für Kulturgutverluste in Magdeburg.

Bernhard Sprengel zählt wie sein Kölner Branchenkollege Peter Ludwig zu den herausragenden deutschen Sammlerpersönlichkeiten. An Einfachheit kaum zu überbieten ist der Ausspruch, mit dem er vor 40 Jahren seine Kunst an die Öffentlichkeit übergab: „Ich schenke die Sammlung am heutigen Tage der Stadt Hannover, in der ich geboren wurde, und in der ich trotz mancherlei Kriegswirren und Zerstörung ein glückliches Leben führte.“ 1985 starb der Sammler.

Am Freitagabend feiern die Freunde des Sprengel Museums gemeinsam mit Oberbürgermeister Stephan Weil die Schenkung.

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