Menü
Schaumburger Nachrichten | Ihre Zeitung aus Schaumburg
Anmelden
Kultur Staatsoper – Mannes und Bigonzetti
Nachrichten Kultur Staatsoper – Mannes und Bigonzetti
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
11:15 29.05.2009
Mauro Bigonzettis leidenschaftliche Arbeit „Rossini Cards“.
Mauro Bigonzettis leidenschaftliche Arbeit „Rossini Cards“. Quelle: Weigelt
Anzeige

Hannovers Ballettchef Jörg Mannes hat sich mit seiner jüngsten Choreografie „Lux“ vorgenommen, das Zusammenspiel von Tanz und Licht eingehend zu beleuchten. Doch seine partiell originelle Arbeit wird überstrahlt von Mauro Bigonzettis Choreografie „Rossini Cards“ im zweiten Teil des aktuellen Ballettabends an der Staatsoper. Das Stück des italienischen Weltklassechoreografen verhalf dem hannoverschen Ensemble bei der Premiere am Wochenende zu seinem bisher glanzvollsten Auftritt.

„Lux / Rossini Cards“ ist ein Zwei-Gänge-Menü mit höchst unterschiedlichen Gerichten: Jörg Mannes serviert Rohkost als Vorspeise. Zur flirrenden Musik des Cellisten Giovanni Sollima bewegen sich die Tänzer routiniert, aber nicht gerade raffiniert, mal vor oder auf beleuchteten Flächen, jagen einem Leuchtkörper im Dunkeln nach, springen in Lichtkegel oder umkreisen zwei Dutzend Glühbirnen, die von der Decke baumeln (Licht: Peter Hörtner). Da ist viel Effekthascherei im Spiel – aber es fehlt an Atmosphäre und vor allem: Emotion.

Insgesamt ist das Stück so steril wie der Schein einer Energiesparlampe. Auch die Kostüme (Marie-Luise Lichtenthal), unscheinbare Trikots, sind wenig schillernd. Überzeugend an „Lux“ ist einzig das finale Schattenspiel vor einer halb transparenten Leinwand (Bühne: Lars Peter). Filigranen Scherenschnitten gleich zeichnen die Tänzer scharf konturierte Bewegungsmuster. Je weiter sie sich jedoch hinter die Leinwand zurückziehen, umso mehr verschwimmen sie mit dem Licht, bis sie sich plötzlich komplett aufzulösen scheinen. Das sorgt für magische Momente.

Richtig zauberhaft aber wird es nach der Pause: Catherine Franco und Marco Boschetti sorgen mit einem gefühlvollen Pas de deux für den Höhepunkt des Abends. Es ist ein einziges Wiegen und Wogen, bei dem die beiden sich phantasievoll miteinander verschlingen. Zwischendurch stehen die Liebenden buchstäblich kopf. Man kann davon berührt sein oder darüber schmunzeln – Bigonzetti lässt in seinen Choreografien Raum sowohl für Ernsthaftigkeit als auch für Humor.

„Rossini Cards“, das er 2004 für das italienische Aterballetto kreierte, setzt sich mit der Musik und den Passionen („Essen, Lieben, Singen“) des Komponisten Gioacchino Rossini auseinander. Das Stück beinhaltet Klavierwerke (weich und gefühlvoll live gespielt von Andrea Sanguineti) sowie eine Auswahl an Chor- und Orchestermusik (vom Band). Für die Einstudierung mit dem hannoverschen Ensemble zeichnet Bigonzettis Frau Sveva Berti verantwortlich.

Herausgekommen ist ein faszinierender Bilderreigen, der die Tänzer zu Höchstleistungen antreibt: Abrupte und fließende Bewegungen im Wechsel ergeben temporeiche Schrittfolgen, die viel Fußarbeit und raumgreifende Gesten erfordern. Und während eben noch Theatralik die Bühne beherrscht, wird es im nächsten Moment skurril, fast slapstickhaft.

Dem innigen Pas de deux etwa geht eine Tafelrunde des gesamten Ensembles voraus, bei dem es, an einem langen Tisch sitzend, zackig gestikulierend einen Festschmaus nachahmt. Die quirlige Catherine Franco macht dem Publikum schließlich richtig Appetit, indem sie halb deutsch, halb italienisch Rossinis Rezept für Makkaroni vorträgt.

Es ist ein feines Hauptgericht, das das Ballett den Zuschauern da vorsetzt. Nach der fulminanten Schlussszene, bei der die Tänzer in schwarzen Anzügen und mit Baskenmütze wie in einem Musical aus der Gene-Kelly- und Fred-Astaire-Ära über die Bühne fegen, um anschließend übermütig in den Orchestergraben zu springen, hat das Publikum Appetit auf mehr. Mehr von dieser brillanten tänzerischen Leistung, von diesem ansteckenden Spaß, den die Compagnie versprüht – und mehr von solchen mitreißenden Choreografien.

von Kerstin Hergt

Nächste Vorstellung von Lux/Rossini Cards am Pfingstmontag, 1. Juni, von 16 Uhr an. Kartentelefon: (05 11) 99 99 11 11.

23.05.2009
22.05.2009