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Kultur Stasi bespitzelte Günter Grass fast 40 Jahre lang
Nachrichten Kultur Stasi bespitzelte Günter Grass fast 40 Jahre lang
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14:24 03.03.2010
Literaturnobelpreisträger Günter Grass Quelle: dpa
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Die Stasi bespitzelte Günter Grass fast 40 Jahre lang: Das geht aus der am 12. März in den Buchhandel kommenden Dokumentation „Günter Grass im Visier - Die Stasi-Akte“ hervor. Die Überwachung begann nach Protestbriefen von Grass gegen den Mauerbau im August 1961 und dauerte bis weit ins Wendejahr 1989.

Nach der Premiere seines Theaterstücks „Die Plebejer proben den Aufstand“ über den Volksaufstand vom 17. Juni 1953 wurde Grass als eine Art Staatsfeind betrachtet. Die Stasi hatte vergeblich versucht, die Uraufführung im Januar 1966 in West-Berlin zu verhindern. In den Jahren 1974 bis 1978 las Grass bei bislang kaum bekannten deutsch- deutschen Autorentreffen in Privatwohnungen in der DDR. Nach der Ausbürgerung Wolf Biermanns mussten viele mit ihm solidarische Autoren die DDR verlassen. Grass versuchte danach, einen neuen Lesekreis mit jungen Autoren in der DDR mitzuinitiieren, was die Stasi unterband. 1980 erließ das Ministerium für Staatssicherheit gegen Grass ein Einreiseverbot, das aber aus übergeordneten politischen Gründen nicht angewandt wurde.

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Der Wochenzeitung „Die Zeit“, die vorab Auszüge der Dokumentation (Ch.Links Verlag) druckt, sagte Grass: „Der Umfang der Bespitzelung war uns, die wir meist zu mehreren aus West-Berlin einreisten, nicht bewusst. Bei unseren Besuchen bei DDR-Schriftstellerkollegen wurden wir von der Friedrichstraße ab mehr oder weniger auffällig begleitet.“ Zu den in der Dokumentation belegten Informanten der Stasi gehörten der Verleger Hans Marquardt, der Schriftsteller Hermann Kant und der Regisseur Manfred Wekwerth. „Ich wäre nie auf die Idee gekommen, dass Marquardt ein fester Informant der Stasi war. Für mich war auch völlig überraschend, dass Hermann Kant schon so früh, 1961, die ersten Berichte über mich schrieb“, sagte Grass.

dpa

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