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Kultur Südkoreanische Gesangsstudenten bewähren sich in Hannover
Nachrichten Kultur Südkoreanische Gesangsstudenten bewähren sich in Hannover
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07:14 26.01.2012
Atemübungen für den perfekten Ton:  Sängerin Nicole Chevalier lehrt die südkoreanische Studentin Anna Cho Gesangstechniken. Die 21-Jährige ist in diesen Tagen mit anderen Studenten zu Gast in Hannover.
Atemübungen für den perfekten Ton:  Sängerin Nicole Chevalier lehrt die südkoreanische Studentin Anna Cho Gesangstechniken. Die 21-Jährige ist in diesen Tagen mit anderen Studenten zu Gast in Hannover. Quelle: Körner
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Hannover

Anna Cho singt, und es hört sich wunderschön an. Ihre Stimme füllt zart und doch voluminös mit dem Lied „Ich trage meine Minne“ von Karl Henckel die Probebühne 2, einen großen Saal mit knarzenden Holzdielen unter dem Dach des Opernhauses. Nicole Chevalier lächelt. Auch die Sopranistin, die zuletzt als Violetta in „La Traviata“ bejubelt wurde, ist von Chos Sangeskünsten beeindruckt. „Ganz, ganz tolle Stimme“, lobt sie. Doch es gibt nichts, was nicht verbessert werden könnte. Und so legt die erfahrene Sängerin sanft die Hand auf den Bauch der 21-Jährigen. „Du musst von hier, ganz tief atmen. Das hilft. Nur aus dem Hals zu singen, das ist ungesund“, mahnt Chevalier.

Zehn Gesangsstudenten von der Yonsai-Universität im südkoreanischen Seoul sind in diesen Tagen in Hannover zu Gast. Sie sind auf Einladung der Staatsoper hier und in Gastfamilien untergebracht. In der Oper erhalten die jungen Koreaner von fest engagierten Ensemblemitgliedern wie Chevalier Gesangsunterricht sowie Sprachcoaching und szenischen Unterricht.

Es ist bereits der dritte Austausch dieser Art. Die Idee geht zurück auf den ebenfalls aus Südkorea stammenden Sung-Keun Park, der als Tenor an der Staatsoper tätig ist und genau weiß, wie wichtig es für seine Landsleute ist, Erfahrungen im Ausland zu sammeln. Denn die Möglichkeiten, in Südkorea als Sänger arbeiten zu können, sind sehr gering. Es gibt nur wenige, meist kleine Bühnen im Land. Die Anzahl der Südkoreaner, die sich für Musik interessieren und professionell singen, ist dagegen groß.

Für Anna Cho und ihre Kommilitonen ist es daher völlig klar, dass ihre künstlerische und berufliche Zukunft im Ausland liegt. Deutschland ist dabei besonders beliebt. „Ihr habt einfach wunderschöne Lieder und Arien“, findet Cho. Wer allerdings den Zuschlag für ein einjähriges Stipendium an der Oper Hannover erhalten wird, ist noch unklar. Und so sind die sieben Männer und drei Frauen nicht nur freundschaftlich miteinander verbunden, sondern auch Konkurrenten.

Dafür, dass sie sich in Hannover wohlfühlen, sorgen die Gastfamilien. Eine davon ist Familie Aschemann aus der List. Bei ihnen ist die 21-jährige Sopranistin Ba-Reum Nam. Aschemann und ihre sechs Jahre alte Tochter Mimi sind begeistert von ihrem Gast. „Wir interessieren uns für asiatische Kultur, Essen und Leben. Als wir durch Zufall auf der Internetseite des Opernhauses den Aufruf ,Gasteltern gesucht‘ lasen, haben wir nicht gezögert, jemanden aufzunehmen“, sagt Ricus Aschemann und ergänzt: „Außerdem finden wir es wichtig, künstlerisches Talent zu unterstützen.“

Das Abschlusskonzert der koreanischen Gesangsstudenten findet am 12. Februar, 20 Uhr, im Ballhof Zwei statt. Der Eintritt ist frei.

Julia Pennigsdorf

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