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Kultur „The King’s Speech“ geht mit zwölf Nominierungen ins Oscar-Rennen
Nachrichten Kultur „The King’s Speech“ geht mit zwölf Nominierungen ins Oscar-Rennen
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08:16 26.01.2011
Von Stefan Stosch
In Los Angeles sind die Oscar-Nominierungen bekannt gegeben worden.
In Los Angeles sind die Oscar-Nominierungen bekannt gegeben worden. Quelle: dpa
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Stotternder König gegen schwer vermittelbaren Facebook-Gründer: So dürfte das Duell bei der diesjährigen Oscar-Verleihung am 27. Februar aussehen. Der Historienfilm „The King’s Speech“ um die Sprachprobleme des englischen Königs George VI. wurde am Dienstagmorgen in Los Angeles gleich in zwölf Kategorien für den wichtigsten Filmpreis der Welt nominiert, „The Social Network“ immerhin achtmal.

Im Gegensatz zur Oscar-Gala geht die Nominierung gänzlich glanzlos über die Bühne. Die Auserwählten werden gewöhnlich frühmorgens aus dem Bett geworfen, wenn sie telefonisch die Nachricht ereilt, dass die Academy of Motion Picture Arts and Sciences sie für preiswürdig erachtet. Allerdings geht dieser frohen Botschaft schon ein monatelanges Bewerben der Filme und ihrer Darsteller voraus. Das Ringen um die Gunst der rund 6000 Academy-Mitglieder, ein Querschnitt durch alle Berufe der US-Kinobranche, beginnt bereits bei den großen Herbstfestivals in Toronto und Venedig. Die Oscar-Aspiranten haben seitdem eine endlose Abfolge von Talkshows und Abendessen hinter sich gebracht. Die Nominierung ist nur der erste Erfolg auf dem Weg zum Ziel.

Seit Dienstag sieht „The King’s Speech“ wie der Favorit aus, doch sollte man sich dessen nicht zu sicher sein. Die Menge der Nominierungen allein entscheidet nicht zwingend über den Sieg. Bei den Golden Globes im Januar, gewöhnlich als Oscar-Barometer gewertet, hatte als bester Film noch „The Social Network“ die Nase vorn, in dem Regisseur David Fincher vom unheimlichen Aufstieg des Facebook-Gründers Mark Zuckerberg erzählt. „The King’s Speech“ von Tom Hooper holte sich nur einen einzigen Preis, allerdings einen der wichtigsten: Colin Firth siegte als bester Hauptdarsteller in der Rolle von Georg VI., Vater der heutigen Queen, der trotz aller verbalen Schwierigkeiten letztlich eine historische Rede gegen Nazi-Deutschland hielt.

Noch eine Reihe weiterer Filme hat eine erkleckliche Zahl von Oscar-Nennungen auf sich vereinigen können: Der grimmige Western „True Grit“ von den Brüdern Joel und Ethan Coen – zu sehen Anfang Februar als Eröffnungsfilm der Berliner Filmfestspiele – hat es auf zehn Nominierungen gebracht, achtmal wurde der Sciencefictionthriller „Inception“ nominiert, das Boxerdrama „The Fighter“ hat Chancen auf sieben Preise. Und dann ist da ja noch der fünffach nominierte Ballettthriller „The Black Swan“, in dem sich Natalie Portman in den Wahnsinn tanzt. Sie gilt als Favoritin und sollte auf jeden Fall schon mal ihre Oscar-Rede einstudieren.

Auch einige Deutsche können sich Oscar-Hoffnungen machen, allen voran der schon in früheren Jahren vielfach nominierte Hans Zimmer mit seiner Musik für „Inception“ – gewonnen hat er allerdings erst einmal, 1995 mit dem Trickfilm „Der König der Löwen“. Ebenso schafften es die beiden deutschen Kurzfilmregisseure Max Lang und Jakob Schuh mit dem Trickfilm „Der Grüffelo“ auf die Liste.

Einen Auslands-Oscar wie vor vier Jahren für Florian Henckel von Donnersmarck und sein Stasidrama „Das Leben der Anderen“ wird es dieses Jahr definitiv nicht in Los Angeles geben: Das Ehrenmord-Drama „Die Fremde“ mit Sibel Kekilli, von deutscher Seite ins Trophäen-Rennen geschickt, war schon vorab auf der Strecke geblieben. Hollywood steht mehr auf historischen Themen aus Deutschland.

Dieser Artikel wurde aktualisiert.