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Kultur „Trail of Dead“ stellt neues Album vor
Nachrichten Kultur „Trail of Dead“ stellt neues Album vor
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06:15 26.10.2012
Foto: Arbeit in Hannover: Trail of Dead in den Horus-Studios.
Arbeit in Hannover: Trail of Dead in den Horus-Studios. Quelle: Gabriel Poblete Young
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Hannover

Die Welt ist schlecht. So weit, so bekannt. Auch der US-Band mit dem einprägsamen Namen … (And You Will Know Us by the) Trail of Dead ist das nicht verborgen geblieben. Und doch halten sie es nicht mehr aus. Mit ihren „Lost Songs“ vertonen sie Gedanken, die sie in der alternativen Musikszene vermissen - und wohl auch in ihrem eigenen bisherigen Wirken.

Frühjahr 2012 in Hannover: Die Band nimmt gerade in den Horus-Studios in der Osterstraße ihr neues Album auf. Ein Interview, die Band verspätet sich. In den Innenhof dringt ordentlich Krach. Produzent Chris „Frenchie“ Smith bastelt an einem Track, der noch keinen Namen hat. Es geht um künstliche Intelligenz, Cyborgs, den Wert von Geist und Seele, ein Thema, das Sänger Conrad Keely seit Jahren umtreibt.

„Heart of Wires“ heißt der fertige Song. Das Stück ist praktisch ein Auszug aus „Strange News From Another Planet“, dem Roman, den Conrad Keely geschrieben hat. Der Song ist ungewöhnlich melodisch geraten. Der Rest der zwölf „Lost Songs“ ist härter, rauer, roher als bei den Vorgängeralben. Keely und Co. verzichten auf das Orchestrale, das etwa „Tao of the Dead“ zu einer kleinen Progressive-Rock-Oper machte. Jetzt gibt es den Inhalt direkter: Eins! Zwei! Drei! Vier! Mitten ins Gesicht! Das ist Punk, doch von ausgezeichneter, ausgefuchster Songwriterqualität. Der ganz große Holzhammer bleibt im Schrank.

„Up to Infinity“, die erste Single, beschreibt Szenen aus dem Krieg in Syrien. Väter schreien, Soldaten tanzen. Es gibt aber auch wieder Bezüge zur Mythologie. Die Band hat in den vergangenen Jahren so oft mit Ironie gespielt, dass sie nun in Interviews immer wieder erklären muss: Wir meinen das ernst. Das ist politisch. „Catatonic“ klagt über die Apathie. Warum bleiben wir stehen, wenn sich alles um uns herum bewegt? Im dazugehörigen Video gibt Jason Reece, neben Keely verbliebenes Gründungsmitglied, einen korrupten, koksenden Kongresskandidaten. Für Geld würde er sich jeder Lobby beugen, nach seinem Absturz sogar für ein Sandwich.

Auf der Deluxe-Edition dieses exzellenten Albums gibt es neben neuen Auszügen aus Keelys Cyborg-Roman auch eine deutsche Version des Titelsongs: „Verschollene Songs“. Wohl auch ein kleiner Gruß in die hannoversche Osterstraße.

... (And You Will Know Us by the) Trail of Dead: „Lost Songs“, Superball Music.

von Gerd Schild

23.10.2012
Johanna Di Blasi 26.10.2012