Menü
Schaumburger Nachrichten | Ihre Zeitung aus Schaumburg
Anmelden
Kultur Überspitzter Horror in „The Cabin in the Woods“
Nachrichten Kultur Überspitzter Horror in „The Cabin in the Woods“
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
23:48 06.09.2012
Foto: Die fünf Freunde sind nicht allein im Wald.
Die fünf Freunde sind nicht allein im Wald. Quelle: Universum
Anzeige
Berlin

Horrorfilme verlaufen gerne nach einem ähnlichen Muster: Ein paar Jugendliche fahren in den Wald in eine einsame Hütte, um dort einige Tage Spaß zu haben. Doch dann werden sie hingemetzelt, einer nach dem anderen. „The Cabin in the Woods“ scheint zunächst in genau dieses Schema zu passen - und stellt doch alles auf den Kopf. Denn Drew Goddard, bislang vor allem als Autor von Serien wie „Lost“ bekannt, kreiert in seinem Regiedebüt eine intelligente, mehrschichtige Grusel-Satire zum Lachen und Fürchten.

Schon „Scream“ zeigte im Jahr 1996, wie das Teenie-Slasher-Genre zumindest teilweise persifliert werden kann. So wurde angekündigt, was in Horror-Filmen an dieser oder jener Stelle passieren würde - nur, um genau diese Situationen dann häufig absurd-komisch enden zu lassen. Durch die Ankündigungen möglicher Taten steigerten die Macher jedoch auch die Spannung und waren mit ihrem Genre-Mix so erfolgreich, dass sie noch drei Nachfolgefilme drehen konnten.

„The Cabin in the Woods“ jongliert ebenfalls auf amüsante Weise mit klassischen Grusel- und Horror-Elementen. So besteht die Gruppe Jugendlicher wie so oft aus einer blonden Schönheit, einer Sportskanone („The Avengers“-Star Chris Hemsworth), einer naiven Jungfrau, einem verpeilten Kiffer und einem schüchternen Außenseiter. Wie sie aber in diesen Rollenstereotypen ihrem Ende entgegensteuern, überspitzen Goddard und sein Ko-Autor Joss Whedon (Schöpfer der gefeierten Serie „Buffy - Im Bann der Dämonen“) ironisch. Hinzu kommen spannungsgeladene Musik, furchteinflößende Typen an schäbigen Tankstellen, langsame Kamerafahrten aus der Entfernung - das alles lässt schon auf der Fahrt zur einsamen Hütte wenig Gutes erahnen.

Parallel dazu spielen schon bald seltsame Wissenschaftler (darunter Richard Jenkins) eine wichtige Rolle, die die Jugendlichen mit Kameras beobachten. Damit bringen Goddard und Whedon die erste Metaebene ins Spiel, durch die der Blick auf das Gruselige aus einer Distanz möglich wird. Doch wie die beiden Fäden zusammenhängen, wird hier nicht verraten. Denn dahinter verbirgt sich, wie nach einigen Wendungen der Geschichte klar wird, eine weitere Ebene, die die Geschehnisse in „The Cabin in the Woods“ in einen fast philosophischen Kontext um die Frage nach dem Sinn des menschlichen Lebens stellt und den Film klar von anderen Horror-Filmen abhebt.

Verkopft ist das aber trotzdem nicht. Die Jugendlichen müssen auch hier um ihr Leben rennen und kämpfen, natürlich meist ohne Erfolg. Das ist blutig und oft äußerst brutal, gerade wenn sie gegen wild gewordene Zombies, aggressive Einhörner und über-lebensgroße Wesen antreten. Goddards Werk wird so zu einer einfallsreichen und kurzweiligen Spielerei, wie sie im Horror-Genre nur selten zu sehen war. 

dpa

Uwe Janssen 06.09.2012
Kultur „Schau auf diese verbrannten Seelen“ - Das Literaturfestival Berlin gibt sich politisch
06.09.2012
Kultur „50er 60er 70er Jahre" - Ein Porträt des Malers Erich Wegner
05.09.2012