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Kultur Von Suchern und Findern
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14:33 29.03.2010
Von Uwe Janssen
Ein kurdischer Kämpfer inspiziert Zielscheiben auf einer Schießanlage – Philip Cheungs Reportage ist im Juni auf dem Expo-Gelände dabei. Quelle: Handout
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Auf dem Tisch: zwanzig Papierstapel. Davor: vier Menschen, konzentriert, lesend, blätternd, notierend und sortierend. Klassische Jurorenarbeit. Expo-Gelände, Design Center, Heimstatt der Fachhochschule Hannover. Sichtung der Bewerbungen und Auswahl der Teilnehmer für das „Lumix“-Fotofestival im Sommer.

Vier Leute, vierstellige Bewerberzahl. Auf die vierte Stelle sind sie stolz hier. Dass sich mehrere Hundert Fotografen für das zweite Festival bewerben würden, hatten die Organisatoren um Rolf Nobel erwartet – nicht zuletzt dank der großen internationalen Resonanz auf die Premiere im Jahr 2008. Doch als die sechstletzte Bewerbung mit der Ordnungsziffer 1000 versehen werden konnte, übertraf das doch die Erwartungen. Aus 70 Ländern kamen die Mappen.

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Doch nach der Freude ist vor der Arbeit. Schließlich müssen 945 wieder aussortiert werden. Nur 60 Fotografen werden vom 16. bis 20. Juni jeweils eine Reportage ausstellen können, nur diese 60 werden um den mit 10 000 Euro dotierten Preis für junge Fotografie konkurrieren. Und so sitzen die Juroren vor ihren Zettelstapeln im Atrium des Design Centers: Nobel, Fotoprofessor am Fachbereich Fotografie der Fachhochschule, seine Projektleiterin fürs Festival, Isabel Winarsch, sowie Stephanie Bunk und Betram Solcher vom Verband Freelens. Immer fünfzig Bewerbungen auf einem Stapel, blättern, lesen, notieren, zwischendurch mal untereinander abstimmen, weiterblättern, weiterlesen, einen ganzen Tag lang. Kriterien?

Fotografische Qualität natürlich, die aber fast durch die Bank gegeben ist. „Viele Bewerber haben bereits wichtige Preise gewonnen, vom Unicef Photo of the Year bis zum World Press Photo“, sagt Organisator Nobel. Und das, obwohl kein Bewerber älter als 35 Jahre alt sein darf. Doch auch das Themenspektrum müssen die Juroren im Blick behalten. Der Anteil an Sozialthemen oder Reportagen aus Kriegs- und Krisengebieten ist gewöhnlich hoch, hier ist es nicht anders. Gleich mehrere Fotoserien dokumentieren die Erdbebenkatastrophe in Haiti. Unruheherde im Nahen Osten oder in den Staaten der ehemaligen Sowjetunion sind ebenfalls bevorzugte Ziele der Bildjournalisten. Und die x-te Slumreportage aus Indien findet auch Nobel bei aller Qualität auf Dauer ermüdend. „Wir müssen aufpassen, dass wir auch ein paar leichtere Themen auswählen, es geht ja auch um die Ausstellung“, sagt er.

Rund 10 000 Besucher sahen sich die Serien vor zwei Jahren an, unter anderem im gläsernen „Skywalk“ entlang des Messeschnellwegs oder in verschiedenen früheren Nationenpavillons auf dem Expo-Ostgelände. Auch diese Zahl soll beim zweiten Anlauf gesteigert werden. Über die Ausstellungsorte wird derzeit verhandelt, vielleicht kann sogar der Deutsche Pavillon gewonnen werden.

Am Ende des Tages haben die Juroren schließlich das Feld sondiert und ihre Auswahl getroffen. Die Mischung reicht von Bildern aus dem Irak und Afghanistan über eine Friedhofsreportage aus Manila bis hin zu Serien über den Zirkus Roncalli oder „den letzten Bauern von Hannover“. Aus 22 Ländern kommen die Teilnehmer, 16 aus Deutschland, neun aus den USA, gleich drei aus Bangladesch. Acht waren beim Festival 2008 bereits dabei und bekommen eine zweite Chance. In einer Mischung aus Heimvorteil und Qualitätsmerkmal sind gleich zehn Studierende oder Absolventen der Fachhochschule Hannover dabei. Unter anderem Lucas Wahl, der mit seiner Reportage über das frühere Hippiemekka Kathmandu im Himalaja vergangenes Jahr den VGH-Fotopreis gewann. Auch zwei freie Fotografen, die für die Hannoversche Allgemeine Zeitung arbeiten, sind dabei. Christian Burkert geht mit seiner Reportage über die Autostadt Detroit ins Rennen, Joanna Nottebrock mit ihrer Serie über Binnenschiffer.

Jetzt geht es für die Organisatoren an die konkrete Festivalplanung. Eine Konstante sind die Gastvorträge: Wiederum sollen im Juni Fotojournalisten von Rang nach Hannover kommen, um über ihre Arbeit zu berichten. Ernesto Bazan, David Burnett, Carolyn Drake und Ed Kashi haben bereits zugesagt, wegen der großen Nachfrage hat man vorgesorgt, die Vorträge werden per Video auch außerhalb des Hörsaals und im Internet zu sehen sein. Eine Technikschau soll zudem auch Hobbyfotografen auf das Expo-Gelände locken.

Infos hier im Internet.