Menü
Schaumburger Nachrichten | Ihre Zeitung aus Schaumburg
Anmelden
Kultur Warum Filmheldinnen so selten sind
Nachrichten Kultur Warum Filmheldinnen so selten sind
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
14:17 03.08.2012
Rebillinnen auf dem Vormarsch: Mit „Merida“ zeigen die Pixar-Studios eine feurige, junge und vor allem weibliche Filmheldin. Quelle: dpa
Anzeige
München

Die Macht ist weiblich! Zumindest auf der Leinwand übernehmen in letzter Zeit starke Frauen das Kommando. Jüngstes Beispiel neben Batmans Catwoman: Die rothaarige Schottenprinzessin Merida aus dem gleichnamigen Animationsfilm. Nach Lightning McQueen, dem „Toy-Story“-Sheriff Woody oder der Wanderratte Remy aus „Ratatouille“ machten die Pixar-Studios in „Merida - Legende der Highlands“ erstmals ein Mädchen zur unbestrittenen Heldin. Ein guter Anfang, der allerdings trotzdem nicht ganz ohne Klischees auskommt, wie die Medienwissenschaftlerin Maya Götz findet.

Die Leiterin des Internationalen Zentralinstituts für das Jugend- und Bildungsfernsehen (IZI) in München beschreibt die typische Filmschönheit, die nahezu überirdisch perfekt ist: „Sie kann fast alles, sie ist super erfolgreich, sie ist gleichzeitig die beste Freundin und sie ist natürlich sehr schlank.“ Neben der makellosen Überfliegerin hat sie noch einen anderen Typ ausgemacht: „Mädchen, die keine Mädchen sein wollen.“

Anzeige

Merida passt in mancher Hinsicht in diese Stereotype mit ihrer Lockenpracht, ihrer niedlichen Stupsnase und den großen Kulleraugen. Sie ist mutig und frech und eine super Bogenschützin, die viel lieber ein Junge wäre. Trotzdem ist sie erfrischend anders. Eine unartige Identifikationsfigur für Mädchen, die sich lieber an Rebellinnen wie Pippi Langstrumpf oder Catwoman orientieren, als an der rosa glitzernden Prinzessin Lillifee. Denn Merida ist nicht perfekt. Sie zofft sich mit ihren Eltern und macht jede Menge Fehler, aus Trotz, wie alle Teenager. Einer ihrer Fehler ist jedoch so schwerwiegend, dass er das Glück der ganzen Familie in Gefahr bringt.

Rund 67 Millionen US-Dollar spielte Pixars Supermädchen in den USA am Startwochenende ein, der fünftbeste Start in der Geschichte des Studios, jubelten die Macher in einer Mitteilung. Meridas deutsche Synchronsprecherin Nora Tschirner teilt die Begeisterung, schwärmte sie als Kind doch mehr für Ronja Räubertochter als für die Prinzessin auf der Erbse. Unterschiede zwischen Mann und Frau hält sie in punkto Heldentum für überholt. „Ich finde es für jeden Menschen erstrebenswert, dass er sich entfalten kann und sein Potenzial ausschöpft. Da unterscheide ich nicht zwischen Mädchen und Jungen“, sagte die Schauspielerin. Auch privat schätzt sie starke Charaktere: „Ich mag Leute, die darauf bedacht sind, weiter zu wachsen. Deshalb kenne ich in meinem Umfeld eigentlich überwiegend eher starke Frauen und Männer.“

Dass Filme mehr Heldinnen brauchen, davon ist auch der dänische Regisseur Nicolas Winding Refn überzeugt. Dabei zelebrierte er bislang eher das absolute Gegenteil. Von „Pusher“ über „Valhalla Rising“ bis hin zu „Drive“ - stets standen starke Männer im Mittelpunkt, es ging um Brutalität, Skrupellosigkeit und Action. Nun will Winding Refn den erotisch angehauchten Science-Fiction-Comic „Barbarella“ von Jean-Claude Forest als TV-Serie verfilmen. „Ich glaube, es ist Zeit für eine sehr starke Frau als Vorbild“, sagte Winding Refn der Nachrichtenagentur dpa. Erfahrung mit hartnäckigen, willensstarken Frauen konnte er reichlich sammeln - hat er doch zwei Töchter mit drei und neun Jahren. Ihretwegen fing er an, über Rollenbilder in Filmen nachzudenken. „Wenn ich mich umsehe, verlassen sich die meisten Unterhaltungsprogramme auf sehr starke Männer. Für Frauen gibt es kaum coole Vorbilder“, stellte er dabei fest.

Ein Film-Vorbild für große „Mädchen“ könnte derzeit Catwoman in Gestalt von Anne Hathaway in „The Dark Knight Rises“ sein. Mutig und mit einer betörenden Mischung aus Selbstbewusstsein und Sex-Appeal wickelt sie sogar Batman um den Finger. „Glauben Sie, es kann so weitergehen? Ein Sturm zieht auf, Mr. Wayne“, flüstert sie seinem Alter Ego, dem Superreichen Bruce Wayne, mit teuflischem Lächeln ins Ohr. Schnell wird klar: Die Katzenfrau ist keineswegs das hübsche Anhängsel eines starken Mannes. Die Meisterdiebin entscheidet allein, auf wessen Seite sie sich schlägt und vor allem wem sie wann ihre Liebe schenkt - wie eine echte Katze eben.

Doch Heldinnen sind rar gesät, vor allem im Kinderkino, nicht zuletzt weil im Filmgeschäft immer noch Männer das Sagen haben. „Auf eine weibliche Heldin kommen drei männliche“, hat Götz recherchiert. Wenn Mädchen doch zum Zug kommen, sind oft ein oder zwei Jungen dabei und vollbringen die wahrhaft großen Taten. „Mädchen symbolisieren das, was Jungs nicht machen können“, sagt Götz. Sie wünscht sich realistischere Mädchentypen im Stile der Hexe Bibi Blocksberg. Das Dilemma der Filmheldinnen erklärt sie am liebsten mit den Schlümpfen: „Es gibt 106 Schlümpfe, 104 sind männlich, benannt nach allen möglichen Eigenschaften“, sagt Götz. „Der Faule ist der Fauli, der Mufflige heißt Muffi und der Schlaue heißt Schlaubi. Und dann gibt es noch Schlumpfine. Ich bin schlau oder ich bin Frau.“

dpa

Kultur Filmfestival von Locarno - Alain Delon für Lebenswerk geehrt
03.08.2012
Kultur Wertung von Wirtschaftsinstitut - Hannover bei Kulturranking im Mittelfeld
02.08.2012