Menü
Schaumburger Nachrichten | Ihre Zeitung aus Schaumburg
Anmelden
Medien & TV „4 Monate, 3 Wochen und 2 Tage“: ZDF zeigt Filmdrama aus Rumänien
Nachrichten Medien & TV „4 Monate, 3 Wochen und 2 Tage“: ZDF zeigt Filmdrama aus Rumänien
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
19:13 22.08.2010
Von Stefan Stosch
„4 Monate, 3 Wochen und 2 Tage“ erzählt die Geschichte der Studentin Gabita (Laura Vasiliu), die ungewollt schwanger wird.
„4 Monate, 3 Wochen und 2 Tage“ erzählt die Geschichte der Studentin Gabita (Laura Vasiliu), die ungewollt schwanger wird. Quelle: dpa
Anzeige

Dies ist ein Drama rund um eine Abtreibung, aber kein Abtreibungsdrama. Es geht nicht um moralische Fragen oder die Gewissensnöte einer jungen Frau. Der Film des rumänischen Regisseurs Cristian Mungiu ist härter, brutaler. Es geht darum, wie Individuen zu Opfern politisch verordneter Zustände gemacht werden.

Der Titel ist dabei so präzise wie der ganze Film: „4 Monate, 3 Wochen und 2 Tage“. So alt ist das werdende Kind in Gabitas Bauch. Sie will es nicht. Der „Engelmacher“ in Gestalt eines unauffälligen Herrn mit Aktentasche verlangt von Gabita (Laura Vasiliu) und Otilia (Anamaria Marinca), ihrer Freundin aus dem Studentenwohnheim, mehr als Geld, bevor er sich an die Arbeit macht. Sie müssen ihm zu Willen sein. Die Abtreibung in einem schäbigen Hotelzimmer beginnt mit sexueller Erpressung.

Nach und nach zeichnet der Regisseur in diesem Film auch das Porträt eines abgewirtschafteten Landes kurz vor dem Fall des Kommunismus. Die nackten Plattenbauten und gespenstisch-düsteren Vororte versinnbildlichen ein gesellschaftliches System, das seinem Niedergang entgegendämmert. Nur noch ein paar Jahre, dann werden Fernsehzuschauer weltweit Zeuge der Erschießung von Diktator Nicolae Ceausescu und seiner Frau in Bukarest. Dies hier ist ein Historienfilm aus einer vergangenen Ära.

In dem Rumänien, in dem Mungiu aufwuchs, waren Abtreibungen verboten. Womöglich wäre sonst der Regisseur gar nicht geboren worden: Er sei ein „Dekretchen“, hat er gesagt. So nannte man in Rumänien die Kinder des Babybooms nach dem Abtreibungsverbot von 1968. Just in diesem Jahr kam er zur Welt. Die rumänischen Behörden tauchen im ganzen Film nicht auf. Das müssen sie auch nicht. Man spürt das Misstrauen zwischen den Menschen, die Gleichgültigkeit, die allgegenwärtige Kontrolle schon bei Otilias mühseligem Versuch, überhaupt das reservierte Hotelzimmer zu bekommen. Der Portier kann sich ohne besonderen Anreiz nicht erinnern. Ohne Bestechung läuft nichts im Ceausescu-Reich.

„4 Monate, 3 Wochen und 2 Tage“ hat Mungiu in Cannes erst die Goldene Palme und später den Europäischen Filmpreis beschert. Der Film wurde international als Sensation aufgenommen – nicht nur deshalb, weil Rumänien bis dahin auf der cinematografischen Landkarte ein weißer Fleck war. Trotz des Riesenerfolgs war es für Mungiu schwierig, das Drama in Rumänien zu zeigen. Es gibt dort in vielen Städten keine Kinos mehr. Der Regisseur zog mit einer Projektionsausrüstung quer durchs Land.

Inzwischen hat er mit „Geschichten aus dem Goldenen Zeitalter“ (2009) – inszeniert zusammen mit vier rumänischen Kollegen – den Ceausescu-Jahren einen weiteren Film gewidmet. Der Titel zitiert eine kommunistische Propagandaparole, es handelt sich um eine Komödie, naturgemäß um eine ziemlich böse. Humor ist, wenn man trotzdem lacht.

„4 Monate, 3 Wochen, 2 Tage“ | ZDF
Filmdrama aus Rumänien
Montag 0.10 Uhr