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Medien & TV Frank Underwood ist zurück
Nachrichten Medien & TV Frank Underwood ist zurück
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08:28 06.03.2016
Wahlplakate in der realen Welt: Mit solchen Plakaten warb Netflix für Frank Underwood und die neue Staffel "House of Cards". Quelle: dpa
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Washington

Die USA 2016, der Wahlkampf läuft auf Hochtouren. Die republikanische Partei ist tief gespalten, sogar vom Bürgerkrieg der Grand Old Party ist schon die Rede. Alles wegen Donald Trump. Dem Mann mit Föhnfrisur und kruden Thesen werden ernsthaft Chancen eingeräumt, der Kandidat der Konservativen für die Präsidentschaftswahl im November zu werden. Aber von Wahlplakaten in Washingtoner U-Bahn-Stationen schaut derzeit ein anderer süffisant auf die Pendler hinab. Einer, der mindestens genauso arrogant ist wie Trump. Frank Underwood ist zurück. Jener skrupellose, verlogene und sinistre Politiker aus der Serie „House of Cards“. 

Mit der vierten Staffel platzt Netflix mitten hinein in den Irrsinn des Wahlkampfes. Der Rahmen könnte kaum besser sein. Der Streamingdienst nutzt die aktuelle Aufregung, um die Serie eifrig zu bewerben. Frank Underwood hat eine eigene Wahlkampfseite, es gibt Aufkleber mit dem Logo „FU 2016“, bei der Vorwahl in South Carolina hatte der fiktive Politiker sogar einen eigenen Stand. 

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Netflix veröffentlichte am Freitag alle Folgen. In Deutschland ist die Staffel beim Bezahlsender Sky zu sehen. Aber hält sie, was sie verspricht? Geht der Hype weiter? Eine Autorin der „Washington Post“ ist skeptisch: „Ist House of Cards schlechter geworden oder war es schon immer so schlimm?“, fragt sie. 

Erst einmal wiederholt sich in der Serie ziemlich viel, was die USA in den vergangenen Wochen tatsächlich beschäftigt hat. Der Präsident hält seine alljährliche Rede zur Lage der Nation, in dem kleinen Bundesstaat New Hampshire findet die zweite Vorwahl statt, der „Super Tuesday“ steht an. 

Ärger – innenpolitisch und außenpolitisch

Frank Underwood (Kevin Spacey) ist zwar immer noch Präsident, muss sich aber dem harten Auswahlmechanismus des Vorwahlkampfes stellen. Dabei sieben Demokraten und Republikaner ihre Bewerber aus. Anfangs läuft es da nicht so richtig rund für ihn. Die Konkurrenten sitzen ihm im Nacken. Und führende Vertreter seiner demokratischen Partei wollten erst gar nicht, dass er antritt. 

Außenpolitisch kündigt sich neuer Ärger an. Natürlich mit Russland. Präsident Viktor Petrov (Lars Mikkelsen), dieser sehr gelungene Putin-Verschnitt, wittert die große Verschwörung der USA. Kommt es zum Eklat oder sitzen die beiden Präsidenten am Ende wieder Zigarre rauchend auf einer Treppe, so wie in der vorherigen Staffel?  Aber all diese Probleme sind nichts gegen das, was Underwood sich selbst eingebrockt hat. Er, der es gewohnt ist, seinen Gegnern immer einen Schritt voraus zu sein, bekommt es mit einer Gegnerin zu tun, die dieses Spiel mindestens genauso gut beherrscht wie er, wenn nicht sogar besser: mit seiner Frau Claire (Robin Wright). Die letzte Staffel endete mit dem Bruch der beiden. Sie hat ihm geholfen, Präsident zu werden. Nun will sie mehr. 

Ausgerechnet bei der Vorwahl in seinem Heimatstaat South Carolina könnte sie ihm eine bittere Niederlage zufügen. Das hat mit seinem verstorbenen Vater zu tun und dem Ku-Klux-Klan. Mehr soll an dieser Stelle nicht verraten werden. Aber was die Sache mit dem Ku-Klux-Klan angeht, ergibt sich eine überraschende Parallele zur Realität. 

Arroganter als Donald Trump?

Auch Trump hatte in den vergangenen Tagen Probleme mit der rassistischen Organisation. Der Ex-Klan-Führer und Holocaust-Leugner David Duke sprach ihm seine Unterstützung zu. Erst wies der 69-Jährige jede Verbindung zu Duke zurück, äußerte sich dann aber zurückhaltender und distanzierte sich nicht mehr ganz so klar. „Ich weiß gar nichts über Duke, okay?“, sagte er. 

Aber anders als in der Serie blieb die große Empörung aus. Seine Gegner bestärkte es, seinen Anhängern war es egal, am „Super Tuesday“ setzte Trump seine Siegesserie fort. Er bricht mit allen Konventionen, für ihn trifft nichts zu, was in der Politik sonst so gilt.  Vielleicht ist das neben der Arroganz noch eine weitere Sache, die er mit Underwood gemein hat. Dass ihn bislang nichts aufhalten konnte. Nicht mal die eigene Partei.

dpa

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