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Medien & TV ARD zeigt das Krimi-Melodram „Lösegeld“
Nachrichten Medien & TV ARD zeigt das Krimi-Melodram „Lösegeld“
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20:47 10.04.2012
Foto: Szene aus „Lösegeld“ mit Misel Maticevic (rechts) und Simon Licht.
Szene aus „Lösegeld“ mit Misel Maticevic (rechts) und Simon Licht. Quelle: ARD
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Hannover

Liebe macht auch vor Genregrenzen nicht halt. Das beweist meisterlich der ARD-Mittwochsfilm „Lösegeld“, der anfängt wie ein ganz normaler TV-Krimi, sich dann fließend zu einem romantischen Melodram entwickelt, um am Schluss überraschend fast als launiges Buddy-Movie zu enden.

Allein diese Grenzüberschreitungen machen diesen Film, den man vielleicht annähernd als Beziehungskrimi bezeichnen könnte, zu einer Ausnahme im üblichen Krimi-Einerlei des deutschen Fernsehens. Und Vergleiche mit großen französischen Vorbildern drängen sich auf. Beispielsweise mit Filmen von Claude Chabrol oder Jean-Luc Godard. Und vor allem mit Claude Sautets Krimi-Drama „Das Mädchen und der Kommissar“ mit Michel Piccoli und Romy Schneider.

Am Anfang steht ein Verbrechen. Nina Hausen (Ulrike C. Tscharre), ehemalige Prostituierte und nun Besitzerin einer Düsseldorfer Escort-Agentur, fährt spätnachts von der Arbeit nach Hause. Unterwegs macht sie kurz Rast, damit ihr Hund sein Geschäft in einem Wald verrichten kann. Dabei wird sie plötzlich in ihrem Auto von einem Maskierten überfallen, kann sich aber nach einem wüsten Handgemenge befreien und mit ihrem Wagen fliehen. Der Gangster hat bei dem Zwischenfall ihre Brieftasche samt Ausweis entwendet, bei seiner Flucht jedoch im Auto ein Säckchen mit Diamanten zurückgelassen. Völlig verängstigt beschließt Hausen, die Nacht lieber in einem Hotel zu verbringen, wo ihre Agentur ein Zimmer angemietet hat. Am nächsten Tag kann eine Kollegin sie überreden, sich an die Polizei zu wenden, doch bei ihrer Vernehmung durch die Kommissare Lysewski (Misel Maticevic) und Lutz Weber (Simon Licht) verschweigt sie den Fund der Diamanten.

Und wie sich bald herausstellt, handelt es sich bei dem flüchtigen Täter mit größter Wahrscheinlichkeit um den Entführer eines Industriellenkindes, das ganz in der Nähe des Überfalls von der Polizei aufgefunden wurde. Und das gezahlte Lösegeld bestand aus Diamanten, die nun fieberhaft gesucht werden. Nicht zuletzt von dem skrupellosen Entführer selbst.

Auch Hausen gerät in den Verdacht, mit dem Verbrechen irgendetwas zu tun zu haben. Vor allem bei Kommissar Weber, der sich von der Aufklärung des Falls einen Karrieresprung erhofft, während sein Kollege und Vorgesetzter Lysewski inzwischen eine heimliche Affäre mit der hübschen Zeugin begonnen hat. Eine richtig romantische Liebesaffäre, die sich ausschließlich nachts abspielt, von der keiner etwas wissen darf und die natürlich nicht ohne Folgen bleiben wird. Und die von den beiden Liebenden vor allem wahnsinnig gut gespielt wird. Inszeniert hat den Film der Grimme-Preisträger Stephan Wagner („Dienstreise“), der auch das Drehbuch geschrieben und die Rolle des Produzenten übernommen hat. In einem Interview, das im Presseheft abgedruckt ist, bezeichnet er seine Arbeit selbst als „Psychothriller-Krimi-Melodram“, als Reise durch die verschiedenen Genres.

„Ich wollte“, sagt er, „den Zuschauer mit einer Krimi-Geschichte abholen und mit ihm die Liebesgeschichte entdecken.“ Und das ist ihm so beeindruckend gelungen, dass man ihm sogar zutraut, endlich mal einen guten deutschen Thriller auch fürs Kino zu drehen. Stark ist auch die Leistung der Schauspieler. Allen voran Misel Maticevic, den man unter anderem aus Dominik Grafs hervorragender Serie „Im Angesicht des Verbrechens“ kennt. Und der hier wunderbar von Simon Licht („Stromberg“) ergänzt wird. Kurz und schlicht: Nicht nur für Krimi-Freunde ist „Lösegeld“ ein echtes TV-Ereignis.

„Lösegeld“ | ARD
Genremix mit Misel Maticevic
Mittwoch, 20.15 Uhr

Ernst Corinth