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Medien & TV Ägyptischer Sende setzt unbequeme Satireshow ab
Nachrichten Medien & TV Ägyptischer Sende setzt unbequeme Satireshow ab
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16:48 02.11.2013
Foto: Der ägyptische TV-Satiriker Bassem Jussif (re.) spricht in seiner TV-Show „Al-Barnameg“ mit dem US-amerikanischen Satire-Star Jon Stewart (The Daily Show).
Der ägyptische TV-Satiriker Bassem Jussif (re.) spricht in seiner TV-Show „Al-Barnameg“ mit dem US-amerikanischen Satire-Star Jon Stewart (The Daily Show). Quelle: dpa
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Kairo

Keine Späße über den Militärchef: In Ägypten hat der Privat-Sender CBC am Freitagabend überraschend die neueste Folge der Comedy-Show „Al-Barnameg“ (Die Show) des beliebten Satirikers Bassem Jussif vom Programm genommen. Der Sender begründete den Schritt damit, dass die im Voraus aufgezeichnete Folge „gegen Vereinbarungen verstoßen“ hätte, die zwischen CBC und Jussif getroffen worden seien. Einzelheiten teilte der Sender nicht mit.

Die erste Folge der zweiten Staffel von „Al-Barnameg“ war erst am Freitag vor einer Woche ausgestrahlt worden. Jussif war mit seiner Show im Stil amerikanischer Fernseh-Comedians wie Jon Stewart erstmals wieder auf Sendung gegangen, nachdem das Militär im Juli den islamistischen Präsidenten Mohammed Mursi gestürzt hatte. Davor hatte Jussif in seiner Show die Herrschaft Mursis mit ätzendem Hohn bedacht. In der neuen Staffel verulkte er den Personenkult um den neuen starken Mann Ägyptens, den Militärchef Abdel Fattah al-Sisi.

Die Absetzung der zweiten Folge erfolgte nur wenige Minuten vor dem Sendetermin. Sie sorgte für Verblüffung nicht nur unter den eingeschworenen Fans der Show. Ahmed al-Muslimani, der Sprecher des Übergangspräsidenten Adli Mansur, bezeichnete die Entscheidung als „innere Angelegenheit“ des Senders, dessen Eigentümer der Militärführung nahestehen. Die oppositionelle Jugendbewegung 6. April teilte über Twitter mit: „Das Militär möchte die Medien in Ägypten monopolisieren und keine Kritik zulassen.“

Aber auch die Protestbewegung Tamarud (Rebellion), die für den Sturz Mursis Menschenmassen mobilisiert hatte und dem Militär nahesteht, gab sich über Twitter kritisch: „Wenn ihr Bassem aus dem Fernsehen verbannt, wie wollt ihr ihn von YouTube verbannen? Wie wollt ihr ihn von den Straßen verbannen und uns daran hindern, ihn zu sehen?“

Das humoristische Wirken des scharfzüngigen Showmans macht jedenfalls die Grenzen deutlich, die der künstlerischen und satirischen Freiheit nach dem Umsturz im Juli gesetzt sind. Unter Mursi war Jussif der „Präsidentenbeleidigung“ angeklagt worden - das Gericht verwarf jedoch die Anklage. Nach der ersten Folge der neuen Staffel hatten zehn Bürger Beschwerden und Klagen wegen „Verunglimpfung“ der Nation und des Militärs eingereicht. Die Staatsanwaltschaft leitete Ermittlungen ein.

In der abgesetzten Folge soll sich Jussif auch über den Sender mokiert haben, der sich nach der ersten Folge von deren Inhalten per Erklärung „distanziert“ hatte. Dies berichteten Zuschauer, die bei der Aufzeichnung der Sendung in einem Kairoer Theater dabei gewesen waren, dem Nachrichtenportal „ahram.org“.

Gegen Ende der Show soll Jussif gesagt haben: „Wenn die Regierung glaubt, dass ich eine Bedrohung für die nationale Sicherheit bin, dann soll sie mich anrufen und ich höre mit der Show auf.“ Er denke aber nicht, dass das Land dermaßen instabil sei, soll er hinzugefügt haben.

dpa

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