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Medien & TV „Aliens: Colonial Marines“ verschenkt viel Potenzial
Nachrichten Medien & TV „Aliens: Colonial Marines“ verschenkt viel Potenzial
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12:06 02.03.2013
Screenshot aus "Aliens: Colonial Marines"
So spannend könnte es bei "Aliens: Colonial Marines" sein – doch leider sind die Aliens nicht annähernd so bedrohlich wie in den Filmen. Quelle: Sega
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Hannover

Es gibt kaum ein dankbareres Szenario für einen Shooter als die „Alien“-Filme: ein Science-Fiction-Setting mit harten Marines, spektakulären Waffen und furchteinflößenden Gegnern. Entsprechend hoch waren die Erwartungen an „Aliens: Colonial Marines“ – vor allem, weil der Shooter die Handlung der Filmreihe erweitern sollte. Fans und Fachpresse sind vom Ergebnis jedoch bitter enttäuscht.

Die Handlung von „Aliens: Colonial Marines“ knüpft an den Film „Aliens“ von James Cameron aus dem Jahr 1986 an. Corporal Dwayne Hicks sendet vom Raumschiff USS Sulaco ein Notsignal, nachdem seine Kameraden bei einem Einsatz auf dem Planeten LV-426 gefallen sind. Zur Verstärkung werden die Colonial Marines ausgesandt, der Spieler schlüpft in die Rollen von Corporal Christopher Winter. Auf dem Raumschiff und der Kolonie „Hadley’s Hope“ auf LV-426 müssen die Marines nun die Xenomorph genannten Aliens bekämpfen und später auch den Soldaten des Konzerns Weyland Yutani gegenübertreten. Wer die Filme nicht kennt, wird es anfangs schwer haben, die Informationen einzuordnen – einen zusammenfassenden Rückblick über die Geschehnisse gibt es nicht.

Seine starken Momente hat „Aliens: Colonial Marines“, wenn es sich auf das Potenzial der Serie beruft. Dank des hervorragenden Set-Designs der Film-Vorlage werden auf der USS Sulaco und in Hadley’s Hope viele bekannte Szenen rekonstruiert. Unterstützt wird dieser Fan-Service durch die Auftritte von Lance Henriksen als Android Bishop und Michael Biehn als Corporal Hicks. Die Reminiszenzen ziehen sich durch weite Teile des Spiels, wenn etwa einzigartige Waffen der „Alien“-Charaktere wie William Hudson oder Jenette Vasquez gefunden werden oder die vertraute Soundkulisse beim Schießen mit der Pulse Rifle oder das Piepen des Bewegungssensors aus den Lautsprechern schallt. Wie atmosphärisch ein Spiel im „Aliens“-Universum sein kann, beweist eine Mission in der Mitte des etwa acht Stunden dauernden Shooters, bei dem der Spieler seiner Waffen beraubt wird und durch ein Gewölbe schleichen muss, in dem nach und nach Xenomorph-Statuen zum Leben erwachen, die den Marine jedoch nur durch akustische Signale orten können.

Das restliche Spielerlebnis fällt jedoch deutlich von diesen Stärken ab. In den übrigen Kämpfen werden die sonst so furchteinflößenden Aliens zu Kanonenfutter degradiert, das dem Spieler im Dutzend vor die Flinte läuft. Abwechslung wird dabei kaum geboten: Corporal Winter kämpft sich durch Korridore, schießt auf alles, was sich bewegt, öffnet Türen und zieht weiter. Besonders die Masse und die Schwäche der Aliens nehmen dem Spiel jegliche Horror-Aspekte. So erweist sich das säurehaltige Alien-Blut, das in den Filmen als tödliche Gefahr etabliert wurde, im Spiel als recht harmlos. Auch der Bewegungssensor, der viele Szenen in den Filmen extrem spannend machte, findet wegen der einfach zu tötenden Aliens kaum Verwendung. Dazu hat man bereits nach 30 Spielminuten Dutzende Aliens problemlos niedergestreckt. Zum Vergleich: Im ersten „Alien“-Film gab es nur einen einzigen Xenomorph; in dem Shooter „Aliens vs. Predator“ aus dem Jahr 1999 tauchte in den ersten 30 Minuten kein Alien auf – und dennoch erzeugte das Spiel eine spannendere und düstere Atmosphäre als sein aktueller Nachfolger.

Dazu kommt, dass „Aliens: Colonial Marines“ technisch nur Mittelmaß erreicht. Abgesehen von dem guten Set- und Sounddesign sind die Grafik mit den teils matschigen Texturen und den ungelenken Animationen ebenso wie die deutsche Sprachausgabe, die bestenfalls B-Movie-Niveau hat, nicht zeitgemäß. Auch das sehr abrupte und offene Ende der Kampagne hinterlässt einen schwachen Eindruck.

Etwas mehr Spielspaß kommt im Coop-Modus mit bis zu vier Spielern auf – auch wenn das Szenario dadurch ad absurdum geführt wird und noch weniger furchteinflößend wirkt. Im Mehrspielermodus können die Spieler in vier Modi als Marines oder Aliens gegeneinander antreten, was im Gegensatz zu vielen Militär-Shootern durchaus originell ist.

Dennoch ist „Aliens: Colonial Marines“ nicht ansatzweise das Spiel geworden, das es mit dem „Alien“-Setting hätte werden können. Über das verschenkte Potential werden sich besonders Fans der Serie ärgern.

„Aliens: Colonial Marines“ gibt es für PC, Xbox 360, Playstation 3 und Wii U. Es ist ab 18 Jahren freigegeben und kostet etwa 50 Euro.

jhf