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Medien & TV Apple-Mitarbeiter vergisst iPhone-Prototypen im Biergarten
Nachrichten Medien & TV Apple-Mitarbeiter vergisst iPhone-Prototypen im Biergarten
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18:19 20.04.2010
Das neue iPhone soll angeblich dünner sein als die Vorgängermodelle (im Bild das iPhone 3G).
Das neue iPhone soll angeblich dünner sein als die Vorgängermodelle (im Bild das iPhone 3G). Quelle: dpa
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Köstritzer, Weihenstephan und Spaten München heißen die beliebtesten Biersorten im „Gourmet Haus Staudt“, einer auf deutsches Bier spezialisierten Kneipe in der kalifornischen Ortschaft Redwood City. In diesem „Beer Garden“, unweit vom Apple-Hauptquartier in Cupertino, hat Software-Ingenieur Gracy Powell das vermutlich interessanteste Stück Technik seit dem iPad auf einem Barhocker liegen gelassen: einen noch unveröffentlichten Prototypen des nächsten iPhones.

Das Telefon sollte ursprünglich erst im Sommer präsentiert werden – und bis dahin unterliegen bei Apple sämtliche Details großer Geheimhaltung. Der als diktatorisch geltende Apple-Chef Steve Jobs präsentiert seine wichtigsten Neuheiten üblicherweise selbst. Eine als „Worldwide Loyalty Team“ beschriebene eigene Abteilung bei Apple wacht darüber, dass Mitarbeiter vorab keine Firmengeheimnisse veröffentlichen.

Jemand Unbekanntes jedenfalls fand dieses liegen gelassene Handy auf dem Barhocker und nahm es aus seiner besonderen Plastik­umhüllung, die es zunächst wie ein gängiges iPhone 3GS erscheinen ließ. Ganz ähnlich wie die ­Autohersteller ihre neuen Autos als „Erlkönige“ mit verschleiernden Chassis-Elementen zum Testen auf die Piste schicken, hat ganz offensichtlich auch Apple Tarnmechanismen etabliert.

Aus der Hülle genommen, sah das Handy jedoch etwas eckiger und edler aus als das bisher bekannte iPhone; auf der Vorderseite war eine Kamera eingebaut, und die Rückseite fühlte sich anders an. Also ging der Finder zum Technikmagazin „Gizmodo“ und verkaufte es der auf technische Spielereien und Produkte spezialisierten Internetseite für 5000 US-Dollar. Dort war man zunächst einmal skeptisch. Doch Fachleute nahmen das Gerät auseinander, begutachteten es und stellten fest: „Es ist das echte, kein Zweifel. Und hier sind die Details.“ Blogger Jason Chen schrieb einen umfangreichen Artikel, filmte das Gerät von allen Seiten, zeigte das Innenleben. Nutzen ließ es sich praktisch nicht mehr, denn es war über Nacht aus der Ferne von Apples Dienst „MobileMe“ abgeschaltet worden – eine Serviceleistung, die man sich auch hier zu Lande für eine Jahresgebühr kaufen kann, falls das eigene iPhone gestohlen wird.

Letzte Zweifel an der Echtheit waren für Beobachter ausgeräumt, als umgehend nach der ersten Internetveröffentlichung über das neue iPhone prominente Post vom Apple-Vizepräsidenten und -Rechtsberater bei „Gizmodo“ eintrudelte. Darin wurde der Chefredakteur aufgefordert, jenes Gerät zurückzugeben, das ganz offensichtlich Apple gehöre.

In der Haut von Gracy Powell möchte unterdessen niemand stecken: „Ich habe unterschätzt, wie gut deutsches Bier schmeckt“, schrieb der 27-Jährige als letztes als Facebook-Eintrag. Seitdem hat man von ihm kaum mehr gehört außer die Beschreibung eines Telefonats, das ein „Gizmodo“-Redakteur mit dem Softwareprogrammierer geführt hat: Darin habe der junge Mann „müde und gebrochen“ gewirkt. Insider verbreiteten eine angebliche Szene aus dem Büro von Apple-Chef Steve Jobs, in der nicht weniger als die Welt in einem Donnerwetter explodiert, bevor sie untergeht.

Ob der junge Mann allerdings tatsächlich mit einer Bestrafung bis hin zur Entlassung rechnen muss, ist unklar: Mehrerer Beobachter halten es für wahrscheinlich, dass Apple den Verlust des Telefons als Diebstahl darstellen will. Das Internet-Magazin hat inzwischen bereits angekündigt, das Telefon zurückzugeben.