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Nachrichten Medien & TV Auf den Leib geschrieben
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10:02 13.11.2013
Von Christiane Eickmann
Harald (Jan Fedder) bemüht sich sehr darum, dass es seinem Ziehsohn Arne (Max Hegewald) besser geht. Ausführlich zeigt er ihm seine Werft. Quelle: NDR
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Hannover

Der Beginn des Films zitiert das Horrorgenre. Eine Familie sitzt freundlich plaudernd beim Essen, der 16-jährige Arne (Max Hegewald) kleckert beim Trinken und verlässt kurz den Raum, um sich abzutrocknen. Als er zurückkommt, sind alle tot. Sein Vater, der die Familie vergiftet hat, läuft noch wie ein Zombie schwankend hinter seinem Sohn her, bevor auch er tot zusammenbricht.

Nach dem Tod der Familie wird Harald (Jan Fedder) so etwas wie Arnes Beschützer. Er hat beschlossen den schwer traumatisierten Jungen bei sich aufzunehmen, weil er mit Arnes Vater befreundet war. Harald und sein ältester Sohn Hans (Dennis Mojen) pflegen einen überraschend natürlichen, liebevollen Umgang mit dem neuen Familienmitglied. Doch der Junge macht es der Familie nicht einfach. Er hat Bewusstseinstörungen, Gedächtnislücken, ist ein wenig sonderbar und naiv, aber auch hochintelligent.

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Mutter Elsa (Suzanne von Borsody) reagiert nervös und überbesorgt. Tochter Wiebke (Franziska Brandmeier) spielt mit den Gefühlen Arnes, Lars (Sven Gielnik) lässt den Jungen einfach links liegen. Hinzukommt, dass Harald finanzielle Sorgen mit seiner Abwrackwerft hat. Keine guten Voraussetzungen für ein glückliches Familienleben.

Auch wer Lenz Roman nicht gelesen hat, weiß, dass dieser Film kein gutes Ende nehmen kann. Der Himmel ist stets wolkenverhangen. Werft und Hamburger Hafen werden in düsterem Blau-schwarz gemalt, das Haus der Familie in Retrobraun. Manche Bilder von Kameramann Hannes Hubach gleichen poetischen Gemälden.

Und dann sind da noch die tiefen, traurigen Augen des Max Hegewald. Großartig spielt der 22-Jährige die Rolle des einsamen Jungens, der Liebe und Geborgenheit sucht. Der einen tiefen Schmerz in sich hat, über den er aber nicht sprechen kann. Durch Hegewalds sensibles Spiel entwickelt der Film einen fesselnden Sog. Allein wie Arne um Anerkennung kämpft und dabei fatalerweise immer wieder ungeschickt vorgeht, ist sehenswert. Doch auch die anderen Nachwuchsschauspieler spielen glaubhaft. 

Und dann ist da noch Jan Fedder, der nun schon zum dritten Mal in einer Lenz-Verfilmung mitspielt. Und wieder passt alles: Die raue, norddeutsche Stimme, der gebeugte Gang, die Ernsthaftigkeit und Ruhe, die Fedder ausstrahlt. „Manchmal denke ich, Siggi hat mir all’ diese Figuren auf den Leib geschrieben“, wird der Schauspieler im Presseheft zitiert. Bescheidenheit war noch nie eine Eigenschaft von Jan Fedder. Doch auf diesen Film kann er tatsächlich stolz sein.

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