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Medien & TV Auch die beste Kamera braucht einen pfiffigen Fotografen
Nachrichten Medien & TV Auch die beste Kamera braucht einen pfiffigen Fotografen
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09:30 12.03.2010
Von Daniel Behrendt
Seit einem Jahr hält „Spiegel Online“-Redakteur Konrad Lischka „Dinge mit Gesicht“ fest. Quelle: Konrad Lischka
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Ob eingebauter GPS-Empfänger, HD-Videomodus oder ein integrierter Beamer für die heimische Bilderschau: Die Entwicklung auf dem Digitalkamerasektor ist nahezu unüberschaubar. Im Vierteljahrestakt lancieren die Hersteller neue Modelle – mit immer clevereren Funktionen in immer handlicheren Gehäusen zu immer günstigeren Preisen.

Hintergrund des forschen Innovationstempos: Rund drei Viertel aller Haushalte haben laut Statistischem Bundesamt bereits eine Digitalkamera, müssen also durch prestigeträchtige Ausstattungsmerkmale und der Verheißung von mehr Komfort und höherer Bildqualität zum Kauf eines Neugeräts bewegt werden.

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In der Tat unternehmen die Hersteller einiges, damit es nicht bei leeren Versprechungen bleibt. Sony beispielsweise verbaut in seine höherwertigen Kompaktmodelle Sensoren mit gesteigerter Lichtempfindlichkeit, die unter schlechten Lichtbedingungen rauschärmere Bilder produzieren sollen. Panasonic setzt auf besonders leistungsfähige Prozessoren, die das unschöne Grieseln effektiv beseitigen sollen, ohne dabei feine Bilddetails weichzuzeichnen. Derartige Maßnahmen führen zwar zu einer sichtbaren Verbesserung der Bildqualität, von der optischen Güte einer Spiegelreflexkamera (SLR) sind die aktuellen Kompakten aber nach wie vor weit entfernt.

Für Gelegenheitsknipser, Schönwetterfotografen und all jene, die nach einer handlichen Jackentaschenkamera suchen, ist eine Kompakte dennoch eine vertretbare Lösung: Selbst Einsteigermodelle besitzen inzwischen recht zoomstarke Objektive, einen optischen Bildstabilisator für verwackelungsfreie Bilder und zahlreiche Motivprogramme, die auch in schwierigen Situationen korrekt belichtete Aufnahmen ermöglichen. Gediegenere Kompaktkameras, in der Regel von 250 Euro an aufwärts, bieten zudem einige interessante Extras – beispielsweise Zeitlupen-Videos, hochauflösende Displays zur besseren Bildkontrolle, die vollautomatische Montage mehrerer Einzelbilder zu Panoramaaufnahmen oder Routinen für einen höheren Dynamikumfang bei extrem kontrastreichen Motiven. Konrad Lischka, Fotoexperte bei „Spiegel Online“, rät vor dem Kauf zum gründlichen Vergleich: „Wer sich für eine Kompaktkamera entscheidet, erwirbt ein fest geschnürtes Bündel aus Objektiv, Bildprozessor und kamerainterner Software zur Bildverarbeitung“, sagt der Online-Redakteur. „Da sich diese Konfiguration nicht ändern lässt, sollte man sich vor dem Kauf über den Einsatzzweck der Kamera im Klaren sein, denn keine Kompakte beherrscht jede Disziplin gleich gut.“

Fotografen, die keine Kompromisse in puncto Bildqualität machen wollen, wichtige Einstellungen wie Belichtung und Tiefenschärfe selbst vornehmen möchten, aber vor einer sperrigen SLR zurückschrecken, sind mit einer noch recht jungen Kameragattung, den sogenannten spiegellosen Systemkameras, bestens beraten. Diese Zwitter aus Kompaktkamera und SLR bieten ab rund 600 Euro das Beste aus beiden Welten: Mit Ersteren teilen sie die handlichen Abmessungen, das geringere Gewicht und eine Vielzahl „idiotensicherer“ Automatikfunktionen, mit Letzteren die größeren und damit rauschärmeren Bildsensoren, die Möglichkeit, Objektive zu wechseln, sowie eine Vielzahl an manuellen Einstellmöglichkeiten. Das klingt nach einer Kamera, die es vom Einsteiger bis zum Enthusiasten jedem recht machen kann. Doch Fotoexperte Lischka warnt vor zu hohen Erwartungen: „Für spontane Schnappschüsse oder für bewegte Szenen wie Sportveranstaltungen sind viele Systemkameras nicht oder nur eingeschränkt geeignet, da der Autofokus zu langsam arbeitet. Zudem verfügen nur wenige Modelle über einen elektronischen Sucher, dessen Qualität der eines optischen SLR-Suchers entspricht.“ Diesen Einschränkungen zum Trotz prognostiziert der Online-Redakteur den Hybridkameras beste Zukunftschancen: „Nach Panasonic und Olympus werden weitere Firmen spiegellose Systeme vorstellen. Ricoh und Samsung haben bereits nachgezogen, Sony und Sigma entsprechende Ankündigungen gemacht.“

Bei aller Faszination, die einen angesichts immer spektakulärerer technischer Schmankerl packen kann: Die Überzeugungskraft eines Fotos hängt nur bedingt von der Leistungsfähigkeit der Kamera ab. Eine klare, auf das Wesentliche reduzierte Formensprache und eine originelle Bildidee wiegen oft kleinere technische Mängel auf. Wie das funktionieren kann, zeigt „Spiegel Online“-Redakteur Lischka mit seiner kuriosen Serie „Dinge mit Gesicht“. Seit rund einem Jahr fotografiert der Journalist Alltagsgegenstände, die Augen und Mund und manchmal auch eine Nase zu haben scheinen – etwa einen Toaster, die Rückfront eines Fahrradkindersitzes oder, man staunt nicht schlecht, eine Pellkartoffel. 70 mal freundliche, mal groteske Antlitze hat Lischka inzwischen aufgespürt und sie im Internet bei Facebook und der Bilderplattform „flickr“ veröffentlicht. Seither beteiligen sich Fotofreunde aus aller Welt an dieser etwas anderen Porträtserie. Rund 1000 Zusendungen sind in den von Lischka initiierten Foren bereits eingegangen – die wenigsten davon wurden mit einer Spitzenausrüstung, manche gar nur mit einem Fotohandy geschossen. Was beweist, dass ein gelungenes Bild nicht nur von einer guten Kamera, sondern vor allem von ihrem einfallsreichen Besitzer gemacht wird.

Mehr Dinge mit Gesicht unter http://klischka.de/blog/ und www.flickr.com/groups/1262906@N20/