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Medien & TV Darum drehen prominente Schauspieler ihre eigenen Regiearbeiten nicht fürs Fernsehen
Nachrichten Medien & TV Darum drehen prominente Schauspieler ihre eigenen Regiearbeiten nicht fürs Fernsehen
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08:00 15.04.2019
Christian Ulmen (r.) schöpft sein berufliches Glück aus seinen Eigenproduktionen; hier mit Fahri Yardim in der Comedyserie „Jerks“. Quelle: Foto: André Kowalsk/maxdome
Berlin

Das wird kein Zufall sein: Wenn Schauspieler selbst Filme machen, dann stets fürs Kino, aber nie fürs Fernsehen. Matthias Schweighöfer hat mit „You Are Wanted“ (2017/2018) immerhin eine Serie für den Streamingdienst von Amazon gedreht, aber Til Schweiger wollte seine „Tatort“-Krimis nicht selbst inszenieren, obwohl er das gekonnt hätte. Aktuell arbeitet Moritz Bleibtreu an seinem Erstlingswerk „Cortex“; natürlich fürs Kino.

Dan Maag findet das ganz natürlich: „Der große Traum eines Filmemachers ist doch nicht der Fernsehfilm. Das Kino ist die Königsdisziplin.“ Maag ist Geschäftsführer von Schweighöfers Firma Pantaleon und hat seit dessen Regiedebüt „What a Man“ (2011) alle Filme des Stars produziert; aber auch die ersten Regiearbeiten von Florian David Fitz („Der geilste Tag“ 2016, „100 Dinge“ 2018). Maag ist überzeugt: „Wenn 100 angehende Regisseure die Wahl hätten, ihr Debüt fürs Kino oder fürs Fernsehen zu drehen, würden sich 99 für den Kinofilm entscheiden.“ Als Produzent geht es ihm offenbar ähnlich, obwohl Pantaleon auch schon fürs Fernsehen gearbeitet hat: „Das Nadelöhr beim Fernsehen ist die Redaktion; und die will nicht innovativ, sondern in erster Linie erfolgreich sein.“

Ulmen: „Das größere Glück habe ich immer aus Produktionen geschöpft“

Christian Ulmen hat ähnliche Erfahrungen gemacht. Die Arbeit als Schauspieler habe ihm zwar mehr Aufmerksamkeit beschert, „aber das größere berufliche Glück habe ich aus den Produktionen geschöpft, die ich selbst verantwortet habe“. Bei „Jerks“ (Maxdome/Pro7) ist Ulmen erstmals Hauptdarsteller, Autor, Regisseur und Cutter in Personalunion. Er schneidet gerade die dritte Staffel und betrachtet die Serie als „Seelenheil“, denn dank des großen Improvisationsanteils habe er all das weglassen können, was ihn bei Dreharbeiten sonst immer nerve: „Wir proben nicht, wir lernen keine Texte, wir setzen kein aufwendiges Licht.“

Bei ARD und ZDF stieß das Projekt auf wenig Gegenliebe. Ulmen vermisst dort ähnlich wie Maag die Bereitschaft, eingefahrene Wege zu verlassen: „Mit dem Wort ‚Regisseur‘ assoziieren viele Redakteure einen Mann, der eine Filmhochschule absolviert und für den Sender auch schon diverse Serienfolgen gedreht hat. Beim Fernsehen ist man eher darauf bedacht, vor allem nichts falsch zu machen.“ Er habe zwar auch schon Redakteure erlebt, die „eine echte Bereicherung“ gewesen seien, aber es gebe eben auch viele, „die unsinnige Einwände vorbringen, weil sie sich sonst überflüssig fühlen, wenn eine Produktion prima läuft“.

Machtspielchen oder gutes Programm?

Das klingt nach Machtspielchen, und diesen Vorwurf wollen die Sendervertreter natürlich nicht auf sich sitzen lassen. Heike Hempel, Leiterin der ZDF-Hauptredaktion Fernsehfilm/Serie II und stellvertretende Programmdirektorin, betont, es gehe nicht „um Machtsphären, die zu sichern sind, sondern um gutes Programm“.

Christian Granderath, Leiter der Fernsehfilmredaktion des NDR, reagiert sogar richtig sauer: „Es ist doch ein billiger Jakob, pauschal über Redakteure zu schimpfen.“ Er versichert, es gebe „keinerlei Vorbehalte, wenn jemand mit einer Vision zu uns kommt, der ausreichend Erfahrung und Kompetenz mitbringt“. Davon abgesehen erhielten Redaktionen eine Vielzahl von Angeboten und müssten daher eine Auswahl treffen: „Viele der Filme, die von Schauspielern fürs Kino gedreht worden sind, hätten wir uns schlicht nicht leisten können.“

Hier entscheidet das Bauchgefühl

Sascha Schwingel, Redaktionsleiter der unter anderem für die Freitagsfilme im Ersten zuständigen ARD-Tochter Degeto, hat sogar ein Gegenbeispiel zu bieten: Der Schauspieler Kida Khodr Ramadan wird sein Regiedebüt für die Degeto drehen. Schwingel kennt den Schauspieler seit über 25 Jahren und ist überzeugt, „dass er die Fähigkeiten besitzt, die beim Inszenieren eines Films unerlässlich sind“. Eine Garantie gebe es in solchen Fällen nicht, aber er habe sich immer auf sein Bauchgefühl verlassen können.

Deshalb hat auch Oliver Wnuk für seine Idee grünes Licht bekommen. Der Schauspieler stammt aus Konstanz und träumt schon lange davon, in einer TV-Reihe mitzuwirken, die in seiner Heimat spielt; also hat er ein entsprechendes Drehbuch geschrieben.

Wnuk kann verstehen, dass seine Kollegen ihre Filme lieber fürs Kino drehen: „Dort genießt man größere erzählerische Freiheiten, weil man nicht einen bestimmten Sendeplatz und damit verbundene Sehgewohnheiten bedienen muss.“ Er hat aber auch Verständnis für die Redakteure, deren Aufgabe es sei, an ihr überwiegend älteres Publikum zu denken: „Mit einem Drehbuch, in dem auf jeder Seite das Wort ‚Fuck‘ steht, stößt man bei ARD und ZDF unter Umständen auf Widerstand.“

Von Tilmann P. Gangloff/RND

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