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Medien & TV Das ESC-Tagebuch, Teil 5: Das Phantom von Tel Aviv – Wo steckt Madonna?
Nachrichten Medien & TV Das ESC-Tagebuch, Teil 5: Das Phantom von Tel Aviv – Wo steckt Madonna?
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09:07 18.05.2019
Nein, keine der beiden ist Madonna. Bei der großen Generalprobe am Freitagabend üben hier zunächst die Sängerinnen des Duos S!sters aus Deutschland für ihren großen Auftritt am Samstag. Quelle: Ilia Yefimovich/dpa
Tel Aviv

Madonna kommt! Madonna kommt nicht! Madonna ist schon da! Madonna hat nie geplant, zu kommen! Madonna adoptiert ein jüdisches Kind! Madonna hat in Tel Aviv ein Haus gekauft! Madonna hat in Israel ein Hotel gekauft und bleibt für immer hier! Kein Gerücht um den US-Superstar, das nicht durch die überhitzten Straßen von Tel Aviv flirrte in den letzten Tagen. Seit vor Monaten die ersten Meldungen aufkamen, dass die US-Popikone, deren Karriere im Spätherbst dann doch schon ein paar welke Blätter zeigt, die Eurovision mit ihrer Anwesenheit zu beehren gedenkt, elektrisierte die Nachricht den gesamten ESC-Zirkus. „Madonna kommt!“ Oder auch nicht!? Erregung seit Tagen.

Kreischen, als nur Madonnas Namen erwähnt wird

Denn es ist Madonna. Nicht Rihanna. Nicht Pink. Nicht Beyoncé. Niemand wird von der schwulen Kernzielgruppe des ESC dermaßen verehrt wie Madonna Louise Veronica Ciccone aus Bay City in Michigan, 60 Jahre alt, 350 Millionen verkaufte Platten, längst erhaben über jede kleinliche Kritik. „Madonna!“, kreischt ein eskalierender junger Fan, als Moderatorin Bar Refaeli während einer ESC-Probe nur ihren Namen erwähnt. Rund eine Million Dollar bekommt Madonna für ihren kurzen Auftritt während der ESC-Abstimmungsphase. Finanziert wird die üppige Gage privat vom israelisch-kanadischen Milliardär Sylvan Adams, der in Tel Aviv lebt. Er macht in Immobilien und wolle mit dem Coup vor allem Werbung für sein Land machen, ließ er mitteilen. Man habe bereits zusammen gefrühstückt, hieß es.

Bloß: Gesehen hat sie bis Freitagabend niemand in Tel Aviv. Die Ankunft? Keine Fotos. Die öffentlichen Proben? Ohne sie. Die erste Generalprobe: keine Madonna. Interviews? Gott behüte. Pressekonferenz? Keine. Die Europäische Rundfunkunion hütete sich, den spektakulären Deal zu bestätigen, bevor die Tinte auf dem Vertrag trocken war. Bis Freitag soll es Gezerre um Kleinigkeiten gegeben haben. Wie das so ist bei Superstars. Vielleicht wollte sie ein Lama ins Zimmer gestellt haben oder alle zehn Minuten einen Grünkohlsmoothie oder 400 Liter frische Eselsmilch. Wer weiß das schon? Die Plattenfirma Universal platzte schon mehrfach mit der Nachricht heraus, da gab man sich beim Veranstalter noch ahnungslos.

Sie wird eine „unglaubliche Performance“ abliefern – heißt es

Doch dann stieg weißer Rauch über Tel Aviv auf: Sie kommt tatsächlich. Sie singt. Sie hat unterschrieben. ESC-Chef Jon Ola Sand ließ vermelden, dass „die unvergleichliche Popikone Madonna“ bei der „größten Entertainmentshow der Welt“ eine „unglaubliche Performance“ abliefern werde. Zwei Lieder wird sie nun im ESC-Finale singen – natürlich außer Konkurrenz: ihre neue Single „Future“ von ihrem am 14. Juni erscheinenden Album „Madame X“, zusammen mit dem Rapper Quavo. Und „Like A Prayer“, ihren religiösen Superhit von 1989. Dazu singt ein 35-köpfiger Chor, ebenfalls eigens eingeflogen. Insgesamt soll Madonnas Begleitmannschaft aus mehr als 100 Personen bestehen.

Was man weiß: Madonna landete Mitte der Woche in einem Privatjet auf dem Flughafen Ben Gurion und residiert seither in der Royal Suite des Dan Hotel am Stadtstrand von Tel Aviv. Am ultrahippen Hotel direkt an der Promenade steht dezent Security-Personal herum. Es ist naturgemäß kein Blick zu erhaschen. Aber mein Madonna-Moment wird kommen.

Ein koscheres Milchlokal für den Star aus Amerika

Die Luxusherberge verfügt über zwei Meerwasserpools, ein riesiges Spa, diverse Restaurants, und – ganz wichtig – ein eigenes koscheres Milchlokal. Die Nacht in der Royal Suite kostet rund 5000 Dollar (immerhin: Frühstück ist inbegriffen). Dafür gibt’s in der 190-Quadratmeter-Suite im fünften Stock drei Zimmer, ein Jacuzzi, eine Espressomaschine, einen Salon zum stilvollen Herumsitzen, einen begehbaren Kleiderschrank und eine große Terrasse mit Blick aufs Mittelmeer. Dazu Parkservice, WLAN, Bademantel, Zimmersafe, Minibar und State-of-the-Art-Entertainmentelektronik.

Aber einfach buchen? Nicht doch. Madonna ließ vor ihrem huldvollen Erscheinen angeblich eine neue Dusche einbauen. Des Weiteren ließ sie angeblich die gesamte fünfte Etage des Hotels für ihre Entourage räumen. Die anderen Gäste wurden allesamt umquartiert, versichern Menschen, die sich mit der Materie auskennen. Einer jedoch soll sich geweigert haben, seine Nachbarsuite zu räumen: der russische Superstar, Supersänger und Superstarproduzent Filipp Kirkorov, einer der schrillsten Paradiesvögel der russischen Popbranche und diesjähriger musikalischer Betreuer des ESC-Teilnehmers Sergej Lazarev. Kirkorov – Wallemähne, glutvoller Blick, goldenes Jackett, armenisch-bulgarische Herkunft – vertrat Russland 1995 mit dem Titel „Kolybelnaja dlja Wulkana“ (Schlaflied für einen Vulkan) selbst beim ESC und erreichte den 17. Platz. Er soll hier weg? Bloß weil Madonna kommt?

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Wer braucht eigentlich wen dringender?

Kirkorovs Ego dürfte ausreichen, um sich zu fragen, wer hier eigentlich der größere Superstar ist: Er oder die Dame aus Übersee!? In den russischen Quatschmedien hat er sich über die Jahre einen Namen als verlässliche Skandalnudel gemacht und wurde einst zu einer Geldstrafe verurteilt, weil er auf einer Pressekonferenz eine Journalistin wüst beschimpft hatte. Sie hatte es gewagt zu fragen, warum so viele seiner Lieder Coverversionen amerikanischer und europäischer Hits sind. Am Ende muss man sich – falls die putzige Episode nicht doch bloß ein Gerücht ist – auch mit Kirkorov geeinigt haben. Er selbst ließ vor Monaten stolz mitteilen, er residiere beim Eurovision Song Contest im selben Hotel wie Madonna.

Wobei man schon die Frage stellen darf, wer wen eigentlich dringender braucht: Madonna die Eurovision oder die Eurovision Madonna. 160 Millionen potenzielle europäische Albumkäufer in 50 Ländern auf einen Schlag zu erreichen – das lässt sich auch eine lebende Legende nicht entgehen, schon gar nicht wenige Woche vor einem Albumstart. Umgekehrt sehen sich die ESC-Veranstalter seit jeher dem Vorwurf ausgesetzt, keine echten Superstars an Land zu ziehen. 2016 beim ESC in Stockholm trat Justin Timberlake in der Abstimmungspause auf – und rockte das Haus dermaßen, dass mancher Zuschauer sich fragte, warum er eigentlich nicht für den besten Song des Abends stimmen darf, sondern nur für den zweitbesten.

Propalästinensischen Aktivisten kritisieren den Auftritt

Es ist nicht Madonnas erster Besuch. Die Anhängerin der mystischen jüdischen Lehre Kabbala war schon 1993, 2009 und zuletzt 2012 zu Gast in Israel. Kritik an ihrem jetzigen Auftritt kam unter anderem von propalästinensischen Aktivisten. Madonna sagte der Agentur Reuters, sie werde sich immer für Menschenrechte einsetzen und hoffe „auf einen neuen Weg zum Frieden“. Sie werde „niemals Musik machen, um in Irgendjemandes politische Agenda zu passen, außerdem werde ich mich immer gegen Gewalt einsetzen, egal wo auf der Welt. Mein Herz bricht angesichts der unschuldigen Menschen, die in der Region ihr Leben verlieren und angesichts der Gewalt, die so oft nur ein Mittel für die politischen Ziele von Menschen ist, die von diesem uralten Konflikt profitieren“. Madonnas Stiftung Ray of Light (Lichtstrahl) unterstützt auch mehrere palästinensische Projekte. Sie finanziert indirekt zum Beispiel die Gehälter von Lehrern im Gazastreifen und vergibt Mikrokredite an arabische Kleinbauern.

Madonna!“ – „Madonna?“

Ihr Auftritt ist also bestätigt. Ihre Worte sind in der Welt. Nur selbst gesehen habe ich sie noch nicht. In der ersten Generalprobe am Freitagnachmittag ließ sie sich nicht blicken. Doch dann, in der Abenddämmerung, geraten plötzlich Sicherheitskräfte an einem der Eingänge zur Eurovisionshalle in Aufregung. Zwei schwarze Mercedes-Kleinbusse rollen an, „VanLimousine“ steht darauf. Absperrungen werden beiseite geräumt. Normalerweise werden alle, die hier durch wollen, gründlich gecheckt. Diese beiden Autos nicht. In hohem Tempo sausen sie vorbei. „Madonna!“, sagt einer der Security-Mitarbeiter zur Erklärung. „Madonna?“, frage ich. „Madonna“, sagt er. Sieht aus, als wolle sie an der zweiten Generalprobe dann doch teilnehmen. Es ist kein Beweis, Aber immerhin: Ich war sehr dicht dran. Vier Meter, um genau zu sein. Life is a mystery.

Von Imre Grimm/RND

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