Menü
Schaumburger Nachrichten | Ihre Zeitung aus Schaumburg
Anmelden
Medien & TV „Das Hochzeitsschiff“: Doku-Show mit Happy End
Nachrichten Medien & TV „Das Hochzeitsschiff“: Doku-Show mit Happy End
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
22:44 02.02.2011
Von Hannah Suppa
„Eigentlich bin ich völlig ungeeignet als Moderatorin für diese Show“, sagt Kim Fisher, weil sie sich emotional an die Paare binden würde.
„Eigentlich bin ich völlig ungeeignet als Moderatorin für diese Show“, sagt Kim Fisher, weil sie sich emotional an die Paare binden würde. Quelle: dpa
Anzeige

Und da saßen sie nun die Paare, oben auf der künstlichen Wolke sieben mit mechanischer Rauf-und-Runter-Fahr-Funktion. Die Braut aufgerüscht mit allerlei Tüll, Spitze und Schulterpolstern an ihrem Kleid, der Gatte adrett mit Fliege und Vokuhila-Frisur. Für die Verlierer der Show „Flitterabend“ ging es hinab. Im freien Fall herunter von der Wolke in ein weiches Kissenlager. Dann erschien Bobby Flitter, das Maskottchen der ARD-Abendshow im Glitzeranzug und Zylinder, und überreichte den Trostpreis – und Moderator Michael Schanze reimte frohlockend: „Verlieren ist bei uns nicht bitter, denn hier kommt unser Bobby Flitter.“ Ach, du heile Fernsehhochzeitswelt.

Zwischen 1988 und 1995 war die Spielshow „Flitterabend“ im Ersten die Samstagabendunterhaltung – 43 Sendungen lang spielten drei frisch vermählte Brautpaare in irrsinnigen Rate- und Aktionsspielen um eine große Hochzeitsreise. Heiraten im TV ist damals der Quotenhit: Linda de Mols „Traumhochzeit“ auf RTL zählte mit bis zu elf Millionen Zuschauern gar zu den beliebtesten Fernsehsendungen der neunziger Jahre – bis sie 2000 abgesetzt wurde.

Jetzt hat die ARD die große abendfüllende Hochzeitsspielshow wiederentdeckt – und als große Herz-Schmerz-Kupplerin Schlagersängerin Kim Fisher gewonnen. Doch was soll das für ein Konzept sein? Die ARD packt die neue Show mit allem voll, was in den vergangenen Jahren Quote gebracht hat: eine Schlagersängerin, Reiseberichte, ein Traumschiff, Ekelkochen, Doku-Sequenzen und Spielchen à la „Traumhochzeit“. Einmal geschüttelt, und – tada – nun flimmert heute Abend „Das Hochzeitsschiff“ über den Bildschirm.

In der neuen ARD-Show, von der es, wenn sie den Zuschauern denn gefällt, noch weitere Ausgaben geben soll, reisen vier noch nicht verheiratete Paare auf einem TUI-Kreuzfahrtdampfer kreuz und quer durchs Mittelmeer und müssen bei Spielchen an Bord oder an Land zeigen, was für gute Partner sie wirklich sind – das Gewinnerpaar wird beim Finale vom Kapitän getraut. Wenn es denn noch will, vor dem Jawort steht eine Nacht Bedenkzeit. Das erhöht die Spannung, meinen die Showmacher. Man wisse ja nie, ob sich das Paar nicht doch gegen die Heirat entscheide – und für einen Geldpreis. Geld oder Liebe? Da gab es doch auch schon mal eine Sendung ...

Statt muffiger Sporthallenatmosphäre wie bei „Flitterabend“ gibt es beim „Hochzeitsschiff“ Sonne, Strand und Mittelmeerromantik – samt integrierter Reiseberichte. Für die Paare sei die Reise eine „Stiftung Ehetest“, findet Kim Fisher. Eigentlich sei sie „völlig ungeeignet als Moderatorin für diese Show“, sagt sie. Das ist nicht ganz falsch, dennoch meinte die Sängerin, dass sie ja immer so sehr mit den Kandidaten mitleide. Und auch selbst fast weinen muss, wenn ein Paar ausscheidet. „Weil man sich ja so an die Kandidaten gewöhnt“, sagt Fisher. Schluchz. Wie früher bei Linda de Mol.

Produziert wird das Format von Grundy Light Entertainment. Die Ufa-Tochter hat auch schon die Showformate „Deutschland sucht den Superstar“, „X Factor“ und „Das Supertalent“ hergestellt. Die Richtung ist also klar gesetzt – mehr „Dschungelcamp“ als „Flitterabend“. Die heiratswilligen Paare wurden über Castings gesucht. Nun schippern morgen Abend Irene und Tamer aus Göttingen, Anne und Enrico aus Magdeburg, Michaela und Marian aus Wedel sowie Maria und Stephan aus Heidenrod in den – wie passend – Ehehafen. Auf Sizilien, in Rom und an Bord des Luxuskreuzers „Mein Schiff“ müssen sie nun Straßenkarten lesen und den Partner per Handy navigieren, einen Tintenfisch zubereiten und den perfekten Hochzeitswalzer aufs Schiffsparkett legen. Das alltägliche Eheleben eben. Oder nicht?

Der schönste Tag im Leben, der intimste Moment inszeniert für Millionen: Die Zeit der großen Hochzeitsspielshows ist eigentlich vorbei, eine Neuauflage der „Traumhochzeit“ im ZDF 2008 scheiterte grandios. Seither machten die Sender eher Quote mit inszenierten Liebesbekundungen. Wie jüngst RTL: Bei der medial aufbereiteten Vermählung von „Bauer-sucht-Frau“-Paar Josef und Narumol schalteten 6,11 Millionen Zuschauer ein. Dabei war die Hochzeit der beiden tatsächlich nur kirchlich, kein Standesbeamter signierte die Heiratsurkunde – Thailänderin Narumol wollte nämlich nicht auf ihre Witwenrente verzichten. Aber egal, Hauptsache Tränen, dachte sich RTL.

Und es funktioniert, immer wieder: Weil trotz aller Medieninszenierung der Hochzeitstag etwas Besonderes bleibt, etwas Persönliches, an dem der Zuschauer durchs Fernsehen teilhaben darf. Er kann über das Kleid der Braut lästern (klappte 2007 bei Gülcan Kamps Barbie-Porno-Look bei der PRO7-Hochzeit sehr gut), die Barfuß-Strand-Hochzeit kitschig finden (Sarah Connor und Marc Terenzi 2005, ebenfalls auf PRO7) und sich eifrig selbst bestätigen, dass er selbst alles anders machen würde – oder getan hat. Auch beim „Hochzeitsschiff“ funktioniert das wieder so, Kitsch- und Trash-TV de luxe. Was auch immer man davon halten mag.

Die größte Hochzeitsshow des Jahrtausends steht aber noch aus – mit Liveschaltung zur Trauung gar. Die Hochzeit von Prinz William und Kate am 29. April. Das Drehbuch ist da zumindest schon einmal recht vielversprechend.

„Das Hochzeitsschiff“ | ARD
Doku-Show mit Happy End
Donnerstag, 20.15 Uhr