Menü
Schaumburger Nachrichten | Ihre Zeitung aus Schaumburg
Anmelden
Medien & TV Flacher, leichter, schneller
Nachrichten Medien & TV Flacher, leichter, schneller
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
08:30 27.10.2014
Mit nur 6,1 Millimetern ist das iPad Air derzeit das dünnste iPad der Welt. Quelle: Apple
Anzeige

Tablets wie das iPad waren und sind vor allem eines: Luxus. In der Verarbeitung setzte Apple seit 2010 den Standard für die Tablet-Sparte. Allerdings dienen die Geräte seither meist als Begleiter zu Smartphone und Computer. Dennoch schafften sie es, den Markt für Notebooks umzukrempeln und den Netbooks das Wasser abzugraben. So sah es zumindest noch vor zwei Jahren aus.

In diesen Tagen stellt sich die Situation anders dar: Die großen Marktforscher senken den Daumen über der Tablet-Sparte. Nach IDC passt auch Gartner seine Erwartungen nach unten an. Die Analysten kappten ihre Absatzprognose für dieses Jahr nun um elf Prozent auf gut 229 Millionen Geräte. Konsumenten sähen im Alltag zu wenig Verwendungszwecke für die flachen Computer, schreiben die Marktbeobachter.

Anzeige

Noch mehr „Air“

Wie reagiert Apple auf diese Entwicklung? Diese Frage stellte sich die Apple-Gemeinde spätestens, nachdem der Konzern mit dem iPhone 6 Plus auch noch ein Phablet vorstellte, das von der Größe her schon fast mit dem iPad mini konkurriert. Konzernchef Tim Cook lieferte die Antwort in der vergangenen Woche: mit dem iPad Air 2. Das ist mit nur 6,1 Millimetern das dünnste Tablet der Welt. Der Vorgänger war noch 1,4 Millimeter dicker und in der WLAN-Version 32 Gramm schwerer. Das klingt erst mal nach recht wenig, macht aber gerade bei Mobilgeräten den Unterschied zur Konkurrenz aus.

Und so ist das neue iPad seinem Namen einen weiteren Schritt näher gekommen. Es ist noch etwas luftiger und leichter als das alte iPad Air. Das spürt man, wenn man das neue Apple-Tablet in die Hand nimmt. Die 1,4 Millimeter weniger fallen sofort positiv auf, ohne dass man das Gefühl hat, die Hardware sei weniger robust. Tatsächlich haben wir es nur ein Jahr nach dem iPad Air mit einer neuen Form zu tun. Das ist ungewöhnlich für Apple, da sich das Unternehmen bei Zwischengenerationen meist auf Hardware-Updates beschränkt.

Kurz zu meiner Tablet-Nutzung: Mein iPad mini Retina ist das Gerät der Wahl, wenn ich auf Reisen bin. Es ist klein, leicht und lässt sich deswegen wunderbar verstauen. Das große iPad Air ist mein Couch-Gadget. Darauf lese ich Magazine, schaue Filme und surfe im Web. Dabei hält man das Tablet über einen längeren Zeitraum in einer Hand, während man es mit der anderen bedient. Auch wenn das iPad Air unverschämt leicht und dünn ist, wurden irgendwann die Arme schwer. Das neue iPad Air 2 liegt zumindest in den ersten Minuten gut in der Hand - den 32 Gramm weniger sei Dank.

Die Kamera kann sehr viel mehr

Für alle, die sich fragen, wie Apples Ingenieure das iPad noch dünner bekommen haben: Eingespart hat man den Platz vor allem beim Display. Das „Air Gap“ zwischen Elektronik und Glasoberfläche wurde eliminiert, beide Komponenten wurden direkt miteinander verbunden. Das spart nicht nur wertvollen Platz ein, sondern soll angeblich auch Reflexionen um bis zu 56 Prozent minimieren. Vor allem im Freien bei viel Sonnenlicht soll so künftig viel mehr zu erkennen sein. Nun hatte ich beim Test nicht mit gleißendem Sonnenlicht zu kämpfen. Die Fotografen bei der Präsentation des Gerätes in Deutschland aber waren sich einig: Im direkten Vergleich reflektiert das Display des iPad Air 2 weitaus weniger, wenn man es mit eingeschaltetem Blitz ablichtet, als etwa die neuen iPhones.

Was ist noch neu? Der A8X-Chipsatz, eine Weiterentwicklung des A8, der derzeit im iPhone 6 und im iPhone 6 Plus zum Einsatz kommt. Und: die iSight-Kamera mit acht Megapixeln und die Frontkamera mit 1,2 Megapixeln sowie schnelleres WLAN und LTE. Entsperren lässt sich die neue Tablet-Generation nun auch mit Touch-ID. Der Fingerabdruckscanner funktionierte im ersten Test nach einer kurzen Einrichtung genauso einfach wie bei den aktuellen iPhones. Und noch etwas haben die Smartphones und Tablets jetzt gemeinsam: Das neue iPad Air ist mit goldfarbenem Gehäuse erhältlich.

Während Touch-ID vorab schon als gesetzt galt, überraschte es mich, wie viel Wert Apple auf die Kamera im neuen iPad legt. In Verbindung mit iOS 8 kann das Tablet jetzt auch Panoramafotos schießen, Zeitraffervideos und Zeitlupen drehen und Clips in FullHD aufnehmen. Die Facetime HD Kamera erfasst angeblich 80 Prozent mehr Licht als die Kamera des iPad Air und bietet neben Burst Mode auch HDR-Fotos und -Video.

Für alle, die es genau wissen wollen: Bei der Facetime-Kamera handelt es sich um das Modell aus dem iPhone 5s, die Rückkamera stammt hingegen nicht aus dem neuen iPhone 6, sondern wurde speziell für das Tablet entwickelt. Wie gut die neue Technik aber tatsächlich ist, muss ein ausführlicher Test belegen, der auch Aufschluss über das Arbeitstempo und die Akkulaufzeit geben wird. Die bemisst Apple grob mit zehn Stunden bei normaler Nutzung.

Mini-Tablet, Mini-Update

Ein solch umfangreiches Update fehlt beim iPad mini 3. Nach einem Jahr erwarte ich, dass das neue Modell - wenn es schon nicht dünner und leichter gebaut ist - zumindest über neue Hardware verfügt. Doch die beschränkt sich beim iPad mini auf den Fingerabdruckscanner im Home-Button und eine weitere, winzige Bohrung im Gehäuse für ein zweites Mikro, das bessere Tonaufnahmen ermöglichen soll. Kamera, Display, Chipsatz: Dieselbe Technik ist auch im iPad mini Retina verbaut. Das ist zu wenig, zumal der Vorgänger im Sortiment bleibt und ohne Touch-ID ganze 100 Euro günstiger ist.

Allerdings bestätigt sich der mangelnde Innovationswille beim kleinen Tablet schnell: Nimmt man den Vorgänger in die eine und das iPad mini 3 in die andere Hand, dann gibt es schlichtweg keinen Unterschied - einmal abgesehen von der neuen Gehäusefarbe Gold. Immerhin funkt der Apple-Knirps jetzt schneller im WLAN und unterstützt mehr LTE-Bänder mit bis zu 150 Megabit pro Sekunde.

Der Goldstandard für die Tablet-Welt

So ist mein erstes Fazit zu den neuen iPads durchwachsen: Gerade für das praktische iPad mini hätte ich mir ein grundsolides Update mit schnellerem Chip gewünscht und noch ein paar Gramm und Millimeter weniger. Das hat Apple beim iPad Air 2 par excellence abgeliefert - und setzt damit einmal mehr den Goldstandard in Sachen Verarbeitung. Kein anderes Tablet auf dem Markt fühlt sich so wertig und gleichzeitig so robust an wie der 9,7-Zöller.

Dafür geht es preislich beim großen Apple-Tablet bei 489 Euro los, das ältere iPad Air ist ab 389 Euro in der WLAN-Version zu haben. Genauso viel kostet das iPad mini 3 mit 16 Gigabyte. Für 100 Euro weniger gibt es das iPad mini Retina, das nun iPad mini 2 heißt. Und wer noch weniger für ein Mini-Tablet von Apple ausgeben will, kann mit 239 Euro für das erste iPad mini in den Apple-Kosmos eintauchen.

von Felix Disselhoff

26.10.2014
25.10.2014
25.10.2014