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Medien & TV Deutsche Welle wird in Vorruhestand geschickt
Nachrichten Medien & TV Deutsche Welle wird in Vorruhestand geschickt
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09:49 17.01.2015
Blick in die Redaktion der Deutschen Welle. Quelle: dpa
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Berlin

Mit gerade einmal 55 Jahren faul auf der Haut liegen und weiterhin 70 Prozent der letzten Bruttobezüge kassieren? Bei der Deutschen Welle (DW) ist das neuerdings möglich. Der Auslandssender wird vom Bund mit Steuergeldern finanziert. Seine Aufgaben sind gesetzlich geregelt. Die DW soll ein umfassendes Deutschlandbild vermitteln und in Ländern ohne freie Presse Zugang zu journalistisch unabhängigen Informationen bieten. Dafür steht dem Sender allerdings immer weniger Geld zur Verfügung. Das sei auch der Grund für das nun aufgelegte Vorruhestandsprogramm, sagt ein Sprecher des Unternehmens.

Für manchen DW-Mitarbeiter mag die Aussicht zurzeit durchaus verlockend sein, nicht mehr jeden Tag in den Sender zu müssen. Die Atmosphäre dort soll ziemlich mies sein. Intendant Peter Limbourg, seit Oktober 2013 im Amt, will die DW in die Top 3 der reichweitenstärksten Auslandssender führen. Bisher sind das der US-amerikanische Sender CNN, die britische BBC und Russia Today. Schaffen will der 54-Jährige das, indem er von Ende April an vor allem Nachrichten in englischer Sprache sendet. Das birgt nicht nur Risiken, sondern kostet Geld und geht zulasten des bisherigen Programmangebots mit seiner fremdsprachlichen Vielfalt.

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Verunsicherung bei Mitarbeitern

Die Reformen verunsichern die rund 3000 festen und freien Mitarbeiter, zumal sich der Sender bereits von vielen Honorarkräften getrennt oder ihnen zumindest deutlich die Pauschalen gekürzt hat. Zuletzt hatte Limbourg sogar gedroht, mit Ausnahme des englischen alle linearen TV-Programme und zehn der 30 Sprachredaktionen einzustampfen, sollte der Bundestag nicht mehr Geld zur Verfügung stellen. Die Mitarbeiter pfiffen ihn aus, demonstrierten vor dem Brandenburger Tor und holten sich prominente Unterstützer. Am Ende ging Limbourgs Taktik auf – vorläufig. Für 2015 wurden ihm 10,5 Millionen Euro zusätzlich bewilligt.

Die DW präsentiert sich als Arbeitgeber, der auf „Lebensphasenorientierung als attraktive und zukunftsfähige Erfolgsfaktoren“ setzt. Der aktuelle Personalbericht bemängelt jedoch das steigende Durchschnittsalter der Belegschaft. Gleichzeitig gebe es einen „War of Talents“ – einen „Kampf der Talente“. Es werde schwieriger, gut ausgebildete Mitarbeiter zu finden. Ältere seien daher „so einzusetzen und zu entwickeln, dass sie bis zum Ruhestand leistungsfähig und zufrieden sind“.

Vorruhestand statt Kündigungen

Zum neuen Vorruhestand mit 55 Jahren passt das nicht. Die Alternative sei gewesen, betriebsbedingt zu kündigen, heißt es bei der DW. Das wiederum hat Limbourg ausgeschlossen. Verabschiedet hat das Vorruhestandsprogramm der Verwaltungsrat. Vorsitzender des DW-Aufsichtsgremiums ist Peter Clever, Mitglied der Hauptgeschäftsführung der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände und Vorsitzender des Verwaltungsrates der Bundesagentur für Arbeit. Erst im Frühjahr hatte Clever die Verwaltungsratschefs aller ARD-Sender und des Deutschlandradios gewarnt, die Last der Altersversorgung sei „das zentrale Problem“ des öffentlich-rechtlichen Rundfunks: „Ich wundere mich, welch geringen Stellenwert die Problematik  hat, obwohl hier die Zeit drängt und der Problemdruck immer weiter zunimmt.“

Ausschlaggebend soll gewesen sein, dass die DW betroffenen Mitarbeitern nicht nur 30 Prozent weniger Bezüge zahlen muss, sondern auch die Sozialbeiträge und Arbeitsplatzkosten einspart. Im Gespräch mit dieser Zeitung nannte der DW-Sprecher die Voraussetzungen, um in den Genuss des freiwilligen Vorruhestands zu kommen. Demnach muss ein Mitarbeiter Jahrgang 1960 oder älter sein und mindestens seit zehn Jahren fest für die DW arbeiten – und zwar in einem „Rationalisierungsbereich“. Nach welchen Kriterien die DW einen Arbeitsplatz für überflüssig erklärt, sagte er nicht, wohl aber, dass Teile der Hauptabteilung zentrale Bereiche, Programmpräsentation und Sendeleitung sowie die Nachrichtenredaktion betroffen seien. Zur Zahl der Stellen gab er keine Auskunft.

Von Ulrike Simon

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