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Medien & TV Die Zweiklappengesellschaft
Nachrichten Medien & TV Die Zweiklappengesellschaft
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22:09 17.11.2011
Die einen scheffeln Millionen, die anderen können sich gerade so über Wasser halten: Während Fernsehstars wie Günther Jauch, Harald Schmidt, Veronica Ferres oder Mario Adorf Spitzengagen einstreichen, kommen unbekanntere Schauspieler und die Leute hinter der Kamera gerade so über die Runden. Quelle: dpa
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Beim Einkommen ist das Fernsehen eine Zweiklassengesellschaft. Wenige Spitzenverdiener mit Prominentenbonus stehen einem riesigen Heer namenloser Schauspieler und anderer Mitarbeiter gegenüber. Zwei Drittel der Darsteller leben dem Bundesverband der Film- und Fernsehschauspieler (BFFS) zufolge in prekären Verhältnissen.

Die ARD zahlt Günther Jauch Schätzungen zufolge für seine nach ihm benannte Talkshow im Ersten, die er mit seiner Firma „I & U TV“ selber produziert, 10,5 Millionen Euro im Jahr. Harald Schmidt soll Branchenkennern zufolge für 70 selbstproduzierte SAT.1-Shows 8,4 Millionen Euro jährlich kassieren und Anne Will für ihre von der eigenen Produktionsfirma hergestellte ARD-Talksendung sechs Millionen Euro im Jahr. Das sind hohe Summen, von denen die Fernsehstars allerdings auch die Produktionskosten wie Ausgaben für Mitarbeiter und für die Technik bezahlen müssen.

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Die Gagen einiger Schauspieler können sich ebenfalls sehen lassen: Die vielbeschäftigte Veronica Ferres etwa bekommt Schätzungen zufolge rund 11 000 Euro pro Drehtag, Altstar Mario Adorf soll es auf 12 000 Euro bringen. Die Verdienstspanne für „Tatort“-Kommissare liegt zwischen 30 000 und 110 000 Euro pro Krimi. Stars und Quotengaranten wie Maria Furtwängler alias Charlotte Lindholm oder das erfolgreiche Münsteraner Ermittlerduo Jan Josef Liefers und Axel Prahl als Kommissar Thiel und Gerichtsmediziner Boerne dürften wesentlich besser bezahlt werden als andere Schauspieler, die in der ARD-Reihe auf Verbrecherjagd gehen.

Die Zahl der Topverdiener ist allerdings überschaubar. Für Tausende Schauspieler und andere Film- und Fernsehschaffende ist das Medium keine Goldgrube. Die Produktionsbudgets für Spielfilme und Serien schrumpfen seit Jahren, es wird an Drehtagen gespart und auch Gagen werden erheblich gekürzt. Zwar können auch Nebendarsteller an einem Drehtag zwischen 1000 und 3000 Euro verdienen. Doch die wenigsten Schauspieler bekommen in einem Jahr so viele Drehtage zusammen, dass sich ihr Beruf wirklich lohnt. „Wer 40 Drehtage pro Jahr hat, zählt zu den Top-Leuten“, sagt Heinrich Schafmeister vom Bundesverband der Film- und Fernsehschauspieler (BFFS) in Berlin. Der Verband setzt sich sich seit seiner Gründung vor fünf Jahren für eine bessere Bezahlung der Schauspieler ein.

Die meisten bringen es mit diversen TV-Engagements auf deutlich weniger als 40 Drehtage, deshalb sind Jahreseinkommen von 20 000 Euro brutto in der Branche keine Seltenheit. Das bestätigt auch eine Umfrage der Universität Münster unter mehr als 700 Darstellern, von denen jeder Zweite sogar mit noch weniger Geld auskommen muss. „Klappe auf! Wir pfeifen auf dem letzten Loch“ lautete denn auch die Losung einer vom BFFS organisierten Protestkundgebung, mit der Schauspieler vor Kurzem in Hamburg auf ihre missliche finanzielle Lage aufmerksam machten.

Fernsehsender und Produktionsfirmen sparen aber nicht nur an den Gagen für weniger bekannte Schauspieler. Sie entlohnen auch die Leute hinter der Kamera in der Regel nicht gerade fürstlich. Ein Kameramann erhält nach Angaben der Gagentabelle für Film- und Fernsehschaffende der Gewerkschaft ver.di zwar stolze 2673 Euro pro Woche, doch auch bei ihm hängt der Jahresverdienst von Zahl und Dauer der Einsätze ab. Ein Produktionsfahrer bringt es gerade noch auf 675 Euro pro Drehwoche – eine Summe, für die viele Stars der TV-Branche nicht einmal müde in die Kamera lächeln würden.

Martin Weber