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Medien & TV „Ich steh' auf Kitsch“
Nachrichten Medien & TV „Ich steh' auf Kitsch“
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00:15 11.05.2014
Von Imre Grimm
„Deutschlands pfiffigste Damenkapelle“  beim ESC in Kopenhagen: die Band Elaiza. Quelle: dpa
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Kopenhagen

Das Berliner Trio Elaiza vertritt Deutschland am Sonnabend in Kopenhagen mit seinem Polka-Popsong „Is It Right“ beim Eurovision Song Contest. Die erst vor 16 Monaten gegründete Band gewann in einem NDR-Clubkonzert in Köln eine Wildcard für den deutschen Vorentscheid und setzte sich dort überraschend gegen etablierte Stars wie Unheilig und Santiano durch. 

Ela, Yvonne, Natalie: 2000 Journalisten, 1000 Fragen, 1000 Fotos – hattet ihr euch das Eurovisionstheater so vorgestellt? Oder ganz anders?

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Ela: Es ist richtig krass. Viel krasser, als wir uns das vorher gedacht haben. Diese Bühne ist riesig...

Yvonne: Und die Halle auch. Das fühlt sich hier alles an wie unter einer riesengroßen Käseglocke: überall Fans, Partys, verschiedene Länder, die mitfiebern.

Ela: Aber voll, voll schön.

Hattet ihr überhaupt irgendein Interesse am ESC vor diesem Jahr?

Ela: Ja klar! Ich bin ein Riesenfan, seit ich klein war.

Natalie: Ela weiß alles. Wer wann antrat, wer wann gewonnen hat. Einfach alles.

Ela: Ja, tatsächlich! Ich mag einfach den Grundgedanken hier, dass Musik verbindet. Ich bin ja in der Ukraine geboren, war dann in Polen und lebe im Saarland, seit ich acht Jahre alt bin. Ich denke jedes Jahr: Wen schickt wohl die Ukraine? Schafft es Polen ins Finale? Meine Mutter ist aus Polen, mein Stiefpapa aus Deutschland, wir sitzen jedes Jahr vor dem Fernseher, an jedem Ohr ein Telefonhörer, einer nach Polen, einer in die Ukraine.

Ihr fallt hier auf, weil ihr geerdet wirkt, wie eine fröhliche Band, die auch gut bei 'ner Klezmer-Hochzeit spielen könnte.

Natalie: Neulich wurden wir als „Deutschlands pfiffigste Damenkapelle“ bezeichnet.

Ela: „Damenkapelle“! Das war 'ne Überschrift!

Oha. Wie seht ihr euch im Vergleich zu den anderen Kandidaten? Ihr seid ganz anders als die paillettenbeklebten Osteuropäerinnen...

Ela: Na hör mal, ich steh' auch auf Kitsch!

Natalie: Jedem das seine.

Yvonne: Wenn das nun mal deren Geschmack ist, dann sollen sie das machen. Es ist eine krasse Vielfalt in diesem Jahr. Ich glaube, für jeden ist etwas dabei.

Ihr habt bis vor ein paar Monaten bei Kneipenkonzerten den Hut rumgehen lassen. Wie ist das, wenn man karrieremäßig ein paar Stationen überspringt und plötzlich derart im Rampenlicht steht?

Ela: Es fühlt sich noch sehr komisch an, wenn die Leute sagen: „Ey, ihr seid jetzt Promis!“

Natalie: Manchmal ist es schon … naja, „unheimlich“ will ich nicht sagen, aber seltsam, wenn man hier in Dänemark rausgeht, und sofort kommen Leute aus Spanien oder sonst wo her auf einen zu, die einen kennen...

Ela (imitiert): „...Can I make a picture with you?...“

Natalie: … Leute also, die hier selbst Ausländer sind. Das ist total merkwürdig. Aber auch schön.

Plötzlich sollt ihr etwas von euch preisgeben.

Natalie: Was wir nicht erzählen wollen, das erzählen wir nicht. Ganz klar.

 

Wie bleibt ihr denn geerdet? Wer hält euch auf dem Teppich?

Yvonne: Wir uns gegenseitig.

Ela: Das ist halt der Vorteil, wenn man zu dritt ist. Dann gibt’s einen auf den Deckel von den beiden anderen, und dann ist gut. Wir kriegen das prima auf die Reihe, auch wenn wir manchmal eine Chaostruppe sind...

Yvonne: Ich weiß gar nicht, ob man sich überhaupt zwingend verändern muss durch die Bekanntheit. Es ist eine Frage des gegenseitigen Respekts. Wir zum Beispiel werden mit sehr viel Respekt behandelt.

 

Man sieht euch hier beim ESC im Mittelfeld. Wie kommt ihr denn mit Erwartungen zurecht? Fremden und euren eigenen?

Ela: Wir haben gar keine (kichert).

Yvonne: Unsere Erwartungen an uns selbst ist, das Beste zu geben. Wenn wir das getan haben, sind wir zufrieden.

 

Ihr malt musikalisch in vielen verschiedenen Farben. Ela hat ihre Wurzeln, dazu kommt Jazz, Klassik, Chanson, Musette. Wir bündelt ihr diese Stile beim Musikmachen?

Ela: Ich schreibe die Songs und stelle die Grundlage den Mädels vor, und dann geht erst mal das Chaos los. Jeder hat zehntausend Ideen. Vieles passiert unterbewusst. Bei uns herrscht Anarchie. Jeder hat eine Meinung, das macht's so lustig.

Natalie: Es ergibt sich beim Spielen. Irgendwann kristallisiert sich das Richtige heraus.

 

Ela wohnt im Saarland, Natalie studiert in Detmold, Yvonne lebt in Berlin. Wie oft seht ihr euch überhaupt zum Musikmachen?

Ela: Wir haben feste Tage, die wir für uns blocken. Da sind wir in Berlin und spielen ziemlich diszipliniert von zehn bis 17 Uhr.

Yvonne: Dabei müssen wir nur aufpassen, dass wir nicht zu viel quatschen und Kaffee trinken. Das funktioniert ganz gut. Wir sind tatsächlich Fans von effektivem Arbeiten. Es muss was herauskommen am Tag, sonst sind wir unzufrieden. Rumgniedeln kann man auch alleine.

 

Okay, Werbeblock: Welche Musik mögt ihr gerade?

Natalie: Ich mag Max Herre, auch Funkbands wie Snarky Puppy, die finde ich toll.

Ela: Ich höre viel Rockmucke und Nu Metal. Ich mag Marilyn Manson, auch Jamie Cullum oder Pink.

Yvonne: Bei mir sind's so alte Sachen, aber zwanziger Jahre, auch Harry Belafonte und die Beatles, oder Max Raabe.

Ela und Natalie (singen): „Küssen kann man nicht alleeeiiine...!“

 

Beim Halbfinale gab's in der Halle Buhrufe für die 17-jährigen russischen Zwillinge wegen der Ukraine-Krise. Glaubt ihr, dass so ein Konflikt hierher gehört?

Ela: Nein. Auf keinen Fall. Wir fanden das sehr dramatisch, mir hat das Herz geblutet. Die beiden kleinen Mädels sind noch so jung, die können nun wirklich nicht viel für die politische Lage.

Natalie: Gar nichts. Die können gar nichts dafür. Hier geht’s um Musik, und sonst nichts.

Zu den Personen

Elżbieta „ElaSteinmetz, geboren am 11. Oktober 1992 in der Ukraine, zog nach dem Tod des Vaters mit ihrer polnischen Mutter nach Polen, von dort ins saarländische Schiffweiler (16.000 Einwohner), bis heute ihre Heimat. Mit 16 schickte sie Demos eigener Songs an die Berliner Plattenfirma Heart of Berlin (Valicon-Studios) – mit Erfolg. Sie ist Songschreiberin, Sängerin, Pianistin und Frontfrau von Elaiza.

Yvonne Grünwald, geboren am 10. Mai 1984 in Salzwedel in Sachsen-Anhalt, studierte an der Hochschule für Musik „Hanns Eisler“ in Berlin Akkordeon und im Nebenfach Klavier. Sie spielte in verschiedenen Bands Klezmer und andere Stile, bis sie bei Heart of Berlin Ela Steinmetz kennenlernte. Sie unterrichtet Akkordeon und Klavier. Bei Elaiza spielt sie Akkordeon und Stompbox und singt im Background. Am Sonnabend, dem ESC-Finaltag, feiert sie ihren 30. Geburtstag.

Natalie Plöger, geboren am 3. September 1985 in Leer in Ostfriesland, spielte schon im Schulorchester des Ubbo-Emmius-Gymnasiums ihrer Heimatstadt Kontrabass und studiert an der Hochschule für Musik in Detmold. Ela und Yvonne entdeckten sie auf der Suche nach einer Bassistin auf einem Foto an einer Pinnwand bei einer Schnapsverkostung eines Freundes – und riefen am Tag danach an.

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