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Nachrichten Medien & TV Facebook schafft den Daumen ab
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12:51 09.11.2013
Statt des Daumens wird das F nun häufiger auf Websites zu sehen sein. Quelle: dpa
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Berlin

Facebook hat den Daumen erfunden. Vergessen all die Tramper, Imperatoren oder nuckelnden Kindern, die über Jahrtausende Erfahrungen mit dem ausgestreckten Daumen hatten. Der Facebook-Daumen stand in den vergangenen Jahren sinnbildlich für die sozialen Netzwerke. Er ist eines der am meisten dargestellten Symbole überhaupt. Nach Facebook-Angaben wird es täglich etwa 22 Milliarden Mal angesehen. Doch jetzt ist alles vorbei, der Daumen muss weg.

Wer künftig digital ausdrücken will: „Gefällt mir“, der findet neben der Schaltfläche keinen Daumen, sondern ein blaues F. Das ersetzt den Daumen, zumindest dort, wo Facebook auf anderen Seiten auftaucht. Das Unternehmen will seinen Auftritt vereinheitlichen, denn auch neben der „Teilen“-Funktion findet sich künftig das F.

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Facebook schraubt an seinem Daumen, der wohl auch bald auf der eigenen Seite Geschichte sein dürfte. Facebook schraubt damit auch an seinem Corporate Design, dem Erscheinungsbild eines Unternehmens. Peter Behrens hat zu Beginn des 20.  Jahrhunderts dem Elektrokonzern Allgemeine Elektricitäts-Gesellschaft (AEG) als erstem Unternehmen ein einheitliches Auftreten gegeben. Behrens schuf für den Konzern mit Mitarbeitern wie Walter Gropius und Le Corbusier Designs, Werkshallen und Wohnungen. Behrens’ bekanntestes Werk ist aber das kastenförmige Logo, die drei roten Buchstaben in Antiqua-Schrift. AEG. Es gab fortan nichts bei AEG – keinen Brief, kein en Stift, keinen Gabelstapler – was nicht das Logo zierte.

Wer nicht mit der Zeit geht, der geht – irgendwann. Das gilt auch für Unternehmen und ihr Design. Markenexperten wie Klaus-Dieter Koch sprechen von der Anziehungskraft von Marken. Dies äußere sich nicht nur durch ein Produkt, sondern auch durch Design. Konzerne verändern ihre Logos. Die Muschel des niederländischen Mineralölkonzerns Shell gibt es bereits seit 1904. Zu Beginn war sie detailreich, nach sieben Veränderungen ist sie heute stark stilisiert – und eines des bekanntesten Logos der Welt.
Der hannoversche Automobilzulieferer Continental nutzt sein Logo seit 1882 – ein sich aufbäumendes Pferd. Im Sommer hat man sich für eine Rosskur entschieden. Das Pferd habe „eine eher fallende und unnatürliche Haltung“ , erklärte Conti-Chef Elmar Degenhart. Das neue Wappentier sei selbstbewusst-stehend, dabei nicht scheuend oder aggressiv. Auch steht das Pferd jetzt frei, nicht eingekreist – es soll dynamischer wirken.

Bei Facebook soll künftig das F wirken. F wie Facebook, das könnte für die Markenbindung langfristig sinnvoll sein, heißt es in der Markentheorie. Ganz verschwunden ist der Daumen aber auch im Facebook-Reich nicht. Ist eine Seite besonders beliebt, taucht der Daumen über dem neuen „Gefällt mir“-Knopf mit dem F auf. Vielleicht will der Konzern damit auch nur ein paar Malerarbeiten sparen. Denn vor der Konzernzentrale steht ein riesiges Schild mit der Adresse 1601 Willow Road. Darüber: der „Gefällt mir“-Daumen.

Von Gerd Schild

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