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Nachrichten Medien & TV Wie viele Vögel sterben durch Offshore-Windparks?
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00:16 18.06.2015
Von Kristian Teetz
Tatort Offshore-Windpark:  Wie viele Vögel sterben dort wirklich?  Quelle: NDR
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Bremen/Hannover

Bekannte Umweltaktivisten haben entdeckt, dass Windräder zahlreiche Zugvögel töten und die Existenz der Schweinswale bedrohen. Kein Interesse, dass das publik wird, hat der Unternehmer Lars Overbeck (Thomas Heinze). Er betreibt einen Windpark in der Nordsee - und hätte damit auch ein Motiv, um die beiden Aktivisten beseitigt zu haben. Was ist dran an der "Tatort"-Thematik?

Gefährden Offshore-Windparks wirklich Vögel?

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„Ja“, sagt Kim Detloff, Leiter Meeresschutz beim Naturschutzbund Nabu. Bei gutem Wetter seien die meisten Vögel zwar in der Lage, den Turbinen auszuweichen. „Aber bei schlechtem Wetter, Wind und in der Nacht ist die Gefahr groß, dass Vögel zu Tode kommen. Denn dann ändern sie oft ihre Flugrouten.“ In der Nordsee seien im Jahr 2010 „an einem einzigen Messmast der Forschungsplattform Fino 1 mindestens 88 Vögel“ umgekommen, sagt Detloff. „Wie viele darüber hinaus ins Meer gestürzt sind, wissen wir nicht.“

Weniger dramatisch sieht das Janine Sänger-Graef, Sachgebietsleiterin für Offshore-Vorhaben beim Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH). „Wir haben Erkenntnisse, dass sich Vögel auf die Offshore-Windparks einstellen.“ Für ein massenhaftes Vogelsterben an Offshore-Anlagen bestünden keine Hinweise. „Aber natürlich kommt es auch zu Vogelschlag“, ergänzt ihre Kollegin Simone van Leusen, die beim BSH ebenfalls für Genehmigungen zuständig ist. Das Amt achte bei den Anträgen darauf, dass zwischen den einzelnen Anlagen genügend Platz besteht, so dass die Vögel vorbeifliegen können.

 

Welche Gefährdungen bestehen für Schweinswale?

 „Dass es bei Schweinswalen zu Todesfällen kommt, können wir nicht bestätigen“, sagt Simone van Leusen. Die Belastung der Tiere durch Schall sei aber schon ein großes Thema beim BSH. Deswegen gebe es Grenzwerte, die der Betreiber einhalten müsse, ergänzt sie. „Diese liegen 750 Meter von der Anlage entfernt bei 160 Dezibel.“ Dies werde streng vom BSH kontrolliert.

Kim Detloff vom Nabu hingegen sagt, dass durch den Lärm, der beim Einrammen der Fundamente eines Windparks entsteht, sehr wohl „Schweinswale, andere Wale und Delfine erheblich geschädigt oder getötet werden können“. Zudem könnten die Tiere aus „wichtigen Nahrungs- und Fortpflanzungsgebieten vertrieben werden und Mutterwale und ihre Kälber den Kontakt zueinander verlieren.“

 

Spielt der Naturschutz bei der Genehmigung eine Rolle?

Es gebe strenge Auflagen für Betreiber, die einen Offshore-Windpark errichten wollen, sagt Janine Sänger-Graef vom BSH. Diese seien im sogenannten Standarduntersuchungskonzept gebündelt. Beim Schallschutz etwa müssten Betreiber strenge Auflagen erfüllen, deren Kosten häufig in den zweistelligen Millionenbereich gehen.

Anders als im "Tatort" dargestellt, vergäben Naturschützer keine Ökozertifikate für Windparks, betont Kim Detloff vom Nabu. Anträge auf Grundlage der Seeanlagenverordnung seien beim BSH einzureichen.

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