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Medien & TV Freiwillige Selbstkontrolle dank Algorithmus - doch Gewalt ist nicht gleich Gewalt
Nachrichten Medien & TV Freiwillige Selbstkontrolle dank Algorithmus - doch Gewalt ist nicht gleich Gewalt
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16:03 27.08.2019
Prüfung im Kinosaal: Birgit Goehlnich, Mitglied des Prüfausschusses der Freiwilligen Selbstkontrolle der Filmwirtschaft (FSK), bei der Arbeit. Quelle: picture alliance/dpa
Wiesbaden

Wenn sich ältere Erwachsene an verstörende Fernseherlebnisse aus ihrer Kindheit erinnern, geht es meist um einen allzu spannenden „Tatort“ oder einen spätabends heimlich geschauten Horrorfilm. Heutzutage klingt das angesichts von Sex und Gewalt im Internet rührend, aber bis zur Einführung des Videoverleihs in den Achtzigern war das Fernsehen die einzige Möglichkeit, einen Blick auf verbotene Bilder zu erhaschen. Das Kino war dagegen schon immer reguliert: Wer für einen Film nicht alt genug ist, hat keinen Zutritt.

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Für die Freigaben sorgt seit 70 Jahren die Freiwillige Selbstkontrolle der Filmwirtschaft in Wiesbaden. Fünf Prüfer schauen sich einen Kinofilm an. Wenn die Handlung keine jugendschutzrelevanten Themen enthält, ist man sich rasch einig. Bei strittigen Produktionen wird diskutiert. Kann sich die Runde nicht einigen (Ab 6 oder ab 12 Jahren, ab 12 oder ab 16?), wird die jeweils strengere Variante gewählt.

"Harry Potter und die Kammer des Schreckens" sollte erst ab zwölf freigegeben werden - und das führte zu Aufständen an der Kinokasse

Immer schon gab es strittige Fälle. „Harry Potter und die Kammer des Schreckens“ (2002) sollte erst ab zwölf freigegeben werden, was zu Dramen an der Kasse geführt hätte. Der Verleih kürzte einige Szenen. Damals wurde ein „Elternprivileg“ eingeführt: In Begleitung von Erziehungsberechtigten dürfen auch Sechsjährige Filme ab zwölf besuchen. Das Verfahren hat sich im Großen und Ganzen bewährt. Trotzdem wird die Prüfpraxis im kommenden Jahr radikal geändert: Die FSK entwickelt nach Worten von Geschäftsführer Stefan Linz „ein kriterienbasiertes Klassifizierungs-Tool, das die Prüfverfahren vereinfachen und beschleunigen soll“. Dieses Tool bestehe „aus einem dynamischen webbasierten Fragebogen mit Fragen zu allen jugendschutzrelevanten Sachverhalten.“ Für die Nutzer nicht sichtbar ist die sogenannte Beurteilungslogik, mit der jede Antwortoption verknüpft ist. Daraus resultiert die Altersbewertung.

Der Fragebogen ist in Kategorien eingeteilt – es geht etwa um Gewalt, Sexualität oder Drogen. Der Fragebogen umfasst derzeit insgesamt knapp 100 Fragen. Wird eine der Kategorien nicht tangiert, fallen die zugehörigen Unterfragen weg.

Der Algorithmus ist beim Jugendschutz strenger als der Mensch

Linz erläutert dies am Beispiel Drogenkonsum: „Der Nutzer muss zunächst angeben, ob der Konsum bildlich dargestellt oder ‚nur‘ thematisiert wird. Dann folgen Fragen zu Details: Handelt es sich um harte oder weiche Drogen, sind Minderjährige involviert, wird der Konsum kritisch dargestellt?“ Bisherige Tests, bei denen Filme herkömmlich sowie mit der neuen Methode geprüft wurden, seien positiv verlaufen. Jugendschützer sind jedoch skeptisch. Die Kritik basiert auf den Erfahrungen des niederländischen FSK-Pendants Nicam.

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Dort habe es zehn Jahre gedauert, bis das System praktikabel gewesen sei. Tests hätten ergeben, dass die Übereinstimmungen mit den Entscheidungen eines Prüfausschusses bei 85 Prozent lägen. Ähnliche Zahlen werden auch für das neue FSK-Modell erwartet. Die restlichen 15 Prozent seien jedoch der „Knackpunkt“, sagt ein Jugendmedienschützer: „Entscheidend sind die strittigen Fälle.“ Freigaben, die auf Algorithmen basierten, fielen erfahrungsgemäß strenger aus, „weil in den standardisierten Codierungsbögen der jeweilige Handlungskontext nicht berücksichtigt werden kann“.

Die Software tue sich schwer, Differenzierungen auszuarbeiten

Zudem sei es schwer, Feinheiten zu objektivieren: „Gewalt ist ja nicht immer gleich Gewalt, es gibt Unterschiede in der Intensität und in der Drastik.“ Aber solche Differenzierungen seien hier nicht vorgesehen. Auch darauf hat Linz eine Antwort: In strittigen Fällen bestehe wie bisher die Möglichkeit, in Berufung zu gehen. Dann komme wieder ein Prüfausschuss ins Spiel.

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Trotzdem sehen Medienschützer ihr Metier angesichts des scheinbar rechtsfreien Internets am Scheideweg. Wolle die Branche nicht vollends an Glaubwürdigkeit verlieren, heißt es, müsse sie sich viel stärker an den Bedürfnissen der Verbraucher orientieren. Die FSK-Freigaben stellten ja keine Altersempfehlung dar. Eine sinnvolle Ergänzung wäre eine Grafik, die Eltern sofort vermittelt, für welches Alter ein Film tatsächlich geeignet ist.

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