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17:20 04.10.2011
Quelle: screenshot
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Vor unseren Augen entsteht soeben, ohne dass wir es recht bemerken oder jemand dafür auf den roten Startknopf gedrückt hat, ein neues World Wide Web. Es ist das „semantische Web“ – ein Netz zuverlässig zugänglicher Datenbanken, die miteinander verknüpft werden können. Dabei klingt der Begriff des „semantischen Webs“ viel zu theoriebeladen, als dass man damit selbst ambitionierte Internetnutzer hinter dem Ofen hervorlocken könnte. Erst die konkreten Anwendungsmöglichkeiten machen den Nutzen deutlich.

„Wie häufig war in den vergangenen zehn Jahren Vollmond, als Zeitungen einen Tag darauf über Amokläufe an Schulen berichteten?“ Das wäre so eine Frage, die das semantische Web irgendwann beantworten kann. Davon allzu weit entfernt sind wir nicht mehr – die Wetterlage in einer beliebigen Stadt am Tag einer einzelnen Amoktat lässt sich schon jetzt abfragen (siehe Folgetext über die Suchmaschine WolframAlpha).

Wohl auch wegen der teils beeindruckenden Ergebnisse von WolframAlpha hat die mit großem Abstand führende Scuhmaschine Google jetzt Neuheiten für ihre Abfrage- und Antworttechnik angekündigt. So erweitert Google seine Internet-Suche um mehrere Funktionen, die Nutzern die Navigation erleichtern sollen. Die Ergebnisse lassen sich künftig nach den unterschiedlichen Inhalten sortieren und tabellarisch wie auch in einer Begriffswolke anzeigen.

Auf der US-Website sind einige dieser Neuerungen bereits verfügbar, in anderen Ländern werden sie nach Angaben eines Sprechers bald eingeführt. Sichtbar machen kann man sie sich, indem man auf der US-Seite von Google unter www.google.com/en den leicht versteckt angezeigten Link „Show options“ aufruft. Dann lassen sich die Funde nach Veröffentlichungsdatum, Art des Inhalts wie Forumseintrag, Video, Foto oder Rezension einschränken. Über eine „Timeline“ (einen Zeitstrahl) kann man sich zudem die Fundstellen zeitlich sortiert aufrufen.

Beispiel: Bei der Suche nach „Hannover 96“ reicht der Zeitstrahl bis ins Jahr 1896 und sogar noch weiter zurück und verlinkt zu einigen US-amerikanischen Websites, die das Geburtsjahr des hannoverschen Vereins als einen Themenaspekt behandeln. Zudem können Nutzer sich anzeigen lassen, welche verwandten Themen es gibt. Bei „Hannover 96“ werden naheliegend weitere Bundesligavereine und „Robert Enke“ und angeboten. Und über ein „Wonderwheel“, eine Art Zauberrad, werden Oberbegriffe angeboten – zu „Robert Enke“ etwa seine früheren Vereine „CD Teneriffa“ oder der 96-Gegner von vor Kurzem, Eintracht Frankfurt.

Wie Google weiter bekanntgab, soll im öffentlich zugänglichen „Labor“ von Google unter labs.google.com ein Dienst namens „Squared“ starten, übersetzt: „im Quadrat“. Dabei werden Funde in Tabellen sortiert. Eine Suche nach „Kameras 8 Megapixel“ bringt dann (zunächst auf Englisch) eine verzeichnishafte Übersicht über Kameras mitsamt Fotos und weiteren technischen Daten.

WolframAlpha startet am kommenden Montag

Die neue Suchmaschine WolframAlpha startet am kommenden Montag unter www.wolframalpha.com. Sie legt ihren Fokus auf statistische Informationen und deren Aufbereitung – und erlaubt die Darstellung vergleichender Daten, etwa wenn man nach „IBM Apple“ sucht: Dann erstellt die Maschine eine Tabelle mit den wichtigsten Finanzdaten der beiden Unternehmen und stellt sie fein säuberlich nebeneinander.

Aber auch semantische Abfragen sind möglich: „weather Hannover the day John F. Kennedy died“ zeigt – wie unser exklusiver Test in den vergangenen Tagen ergab – tatsächlich auf Anhieb die Wetterlage in ausführlichen Daten und Kurven, die bei Hannover am Flughafen Langenhagen an jenem Tag gemessen worden ist, als die Schüsse auf John F. Kennedy fielen.

Im Hintergrund greift WolframAlpha auf eigene Datenbanken in der Größenordnung von 10 Terabyte zurück. Mit Google dürfte das System dennoch kaum konkurrieren, es handelt sich um ein gravierend anderes Konzept. Auffindbar sind lediglich von WolframAlpha bereitgestellte Daten mit Schwerpunkt US-amerikanischer Herkunft, während Google jegliche im Web auffindbaren Daten maschinell untersucht, gewichtet und aufbereitet.

Eine der vielen großen Lücken im Datenmaterial von WolframAlpha sind etwa die Ergebnisse von politischen Wahlen. Hier gibt es noch viel zu tun – ebenso wie bei der Angabe der Quellen, aus denen das Material stammt. Nicht immer ist die Quelle eindeutig angegeben.

msc