Menü
Schaumburger Nachrichten | Ihre Zeitung aus Schaumburg
Anmelden
Medien & TV So wird der „Tatort“ aus Wien
Nachrichten Medien & TV So wird der „Tatort“ aus Wien
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
19:47 07.03.2015
Foto: Moritz Eisner (Harald Krassnitzer) und Bibi Fellner (Adele Neuhauser) ermitteln an der österreichisch-tschechischen Grenze.
Moritz Eisner (Harald Krassnitzer) und Bibi Fellner (Adele Neuhauser) ermitteln an der österreichisch-tschechischen Grenze. Quelle: ARD
Anzeige
Hannover

Ein Kanupaddler kippt vor den Augen einer Archäologieprofessorin in den Fluss Taya. Sie leitet an der österreichisch-tschechischen Grenze Ausgrabungen und bringt bald noch ganz unerwartete Dinge ans Licht. Ertrunken ist der Kanufahrer nicht, das ergibt die Autopsie. Ein „Glücksfall“ für Oberstleutnant Moritz Eisner (Harald Krassnitzer) und Majorin Bibi Fellner (Adele Neuhauser). Denn die Ermittler haben gerade mit der lakonischen Ansage „Frühjahrsputz!“ einen Berg verstaubter Akten auf den Tisch geknallt bekommen. Außerdem nervt der neue Assi Fredo Schimpf (Thomas Stipsits) gewaltig mit unangebrachten Humorattacken und seinem grunzenden Lachen. In Wiener Kommissariaten wird gegrantelt!

„Grenzfall“ im TV

Die ARD zeigt „Tatort: Grenzfall“ am Sonntag, 8. März, ab 20.15 Uhr.

„Grenzfall“ beruht auf einer wahren Geschichte, die Drehbuchautor und Regisseur Rupert Henning zuvor bereits in einem Doku-Film aufgearbeitet hatte. In den Sechzigern Jahren verlief an der Thaya die „Mordgrenze“, das Waldviertel war die Drehscheibe zwischen Osteuropa und dem Westen, die Flüchtlingsströme forderten viele Tote. Zur Zeit des Prager Frühlings verschwand 1968 ein Mann aus dem kleinen österreichischen Ort bei einem nächtlichen Angelausflug auf die andere Seite („Die kapitalsten Hechte und Zander waren kommunistisch“), seine Familie erfuhr nichts über sein Schicksal – am Eisernen Vorhang prallte damals jede Spurensuche ab. Erst 2009 gelangte die Familie an Informationen.

Henning greift den Vorfall auf, strickt daraus eine Geschichte über Opfer und Täter, Helden und Verräter, Vergangenheitsbewältigung und späte Einsichten. Journalist Max Ryba (Harald Windisch) recherchiert mehr als 40 Jahre nach dem Verschwinden seines Vaters über den Fall. Offenbar hat er einen Stein ins Rollen gebracht – der tote Paddler hatte für das tschechische Innenministerium gearbeitet, der Mord beunruhigt alte Herren in den Behörden des ehemals kommunistischen Landes. Denn Ryba hat die Decknamen von drei österreichischen Spitzeln aufgetan, die in den Sechzigern Flüchtlinge verraten haben.

Gehörte Rybas Vater zu den Opfern des Kalten Krieges? Und warum hat sich dessen Jugendfreund Josef Karger („Kottan ermittelt“-Legende Lukas Resetarits) so intensiv um die Witwe und deren Sohn bemüht?
Eine ernste Geschichte, die Regisseur Rupert Henning aber durch den munteren Plauderton zwischen seinen Ermittlern auflockert – phasenweise wähnt man sich im Münster-„Tatort“, wenn das eingespielte Duo Eisner/Fellner sich die Bälle zuspielt. „Du grantelst! Ich bin glücklich“, frohlockt die Majorin, als ihr Kollege bei den Ermittlungen Feuer fängt. Das idyllische Waldviertel wird von den Hauptstädtern konsequent als „Ausland“ bezeichnet. Ein arroganter Forensiker diskutiert in einer Vorlesung öffentlich die Untersuchungsergebnisse – nur um Eisner zu piesacken. Und für die spröde Bibi Fellner springt sogar ein Flirt heraus, als sie in den Fluss stürzt und von Ryba klatschnass aus dem Wasser gezogen wird. Der Dialog „Wollen Sie einen Schnaps zum Aufwärmen?“ – „Nein, ich bin trocken!“ steckt voll Sarkasmus. Fans des Wien- „Tatorts“ kennen Bibis Alkoholproblem.

Der Grundton des Krimis ist aber eher melancholisch, die Handlung ist kein reißender Strom, sondern plätschert dahin wie die Thaya. „Wer vor der Vergangenheit die Augen verschließt, wird blind für die Gegenwart“, sinniert Ryba am Ufer des Flusses. Denn die Wahrheit kann schmerzhafter sein als die Ungewissheit.  

Von Andrea Tratner  

Medien & TV Inaktive Profile werden gelöscht - Facebook räumt bei „Likes“ auf
06.03.2015
Medien & TV Emma Schweiger moderiert im ZDF - Schweiger ist Gold
Imre Grimm 09.03.2015