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Medien & TV Harald Schmidt mit Bildungsauftrag unterwegs
Nachrichten Medien & TV Harald Schmidt mit Bildungsauftrag unterwegs
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18:29 09.09.2009
„Wir werden einen Schwerpunkt auf Politik und Kultur setzen“, erklärte Harald Schmidt bei der Präsentation seiner neuen ARD-Late-Night-Show. Quelle: ddp
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Fönfrisur, dunkler Anzug, gestutzter Bart - bei der Präsentation seiner neuen ARD-Late-Night-Show zeigte sich Harald Schmidt am Mittwoch in Köln betont seriös. Im Inneren sei er aber längst wieder auf Attacke gestimmt: „Ich habe den Wunsch, wieder Blut zu trinken. Jetzt sind so viele Genicke dargeboten, die durchgebissen gehören.“

Die neue Sendung, die am 17. September startet, werde dennoch alles andere als eine Krawallshow sein. Im Gegenteil: „Ich habe mir als subversiven Akt vorgenommen, den Bildungsauftrag des öffentlich-rechtlichen Fernsehens ernst zu nehmen.“ Daher will er weitgehend auf Boulevard-Themen verzichten. Gefällige Plaudereien über die Vaginalsekrete eines Studiogastes, wie sie bei der Vorgänger-Sendung „Schmidt und Pocher“ durchaus vorkommen konnten, wird es also nicht mehr geben.

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„Wir werden einen Schwerpunkt auf Politik und Kultur setzen“, dafür gebe es einen Bedarf beim Publikum, zeigte sich der Moderator überzeugt. „Ich habe in den vergangenen Jahren die Erfahrung gemacht, dass das, was mich interessiert, auch eine Million Zuschauer interessiert.“ Davon abgesehen sei er natürlich überzeugt, die reich vergebenen Vorschusslorbeeren noch zu übertreffen.

ARD-Programmdirektor Volker Herres war die Vorfreude jedenfalls deutlich anzusehen: „Der Beste gehört immer ins Erste.“ Harald Schmidt mache das Programm der ARD unverwechselbar und sei zudem ein demütiger Mitarbeiter: „Wenn er von ’Wir in der ARD’ spricht, dann wird mir immer ganz warm ums Herz.“

Die 45-minütige Sendung, die wöchentlich donnerstags um 22.45 Uhr im Ersten gezeigt werden soll, sei eine „klassische Late Night“ nach amerikanischen Vorbild, also „ein Stand-Up, ein Schreibtisch, eine Live-Band unter der Leitung von Helmut Zerlett und ein Gast“. Studiogast der ersten Sendung wird der Unternehmer und Inhaber der Textilherstellers Trigema, Wolfgang Grupp, sein, in der zweiten Sendung wird der Theaterregisseur und Intendant des Berliner Ensembles, Claus Peymann, erwartet.

Auf Schauspieler und Musiker, die hauptsächlich nur ihre neuen Filme oder CDs vorstellen wollten, werde man weitestgehend verzichten, betonte Schmidt, der sich auf einer Mission sieht: „Es wird eine zentrale Aufgabe der Show sein, den Kapitalismus zu verteidigen, ja ihn überhaupt erst mal in Fahrt zu bringen.“ In der neuen Sendung habe er auch für sich eine neue, ambitionierte Rolle gefunden: Nach fast 40 Jahren „jugendlicher Liebhaber“ sei es nun an der Zeit, ins „schwere Heldenfach“ zu wechseln.

Unterstützt wird er dabei von einer Riege überwiegend junger Mitwirkender wie Katrin Bauerfeind, Jan Böhmermann, Peter Richter und Redaktionsleiter Ralf Kabelka alias der fiktive CDU-Bundestagsabgeordnete „Dr. Brömme“. Aus ihren Reihen könnte sich ein möglicher „Sidekick“ entwickeln, der mit ihm wie einst Manuel Andrack oder Oliver Pocher durch die Sendung führt. Auch eine tägliche Late-Night wollte Schmidt mittelfristig nicht ausschließen, vorausgesetzt, es fänden sich außer ihm geeignete Moderatoren.

Der wenig glücklichen Zusammenarbeit mit Oliver Pocher, der am 2. Oktober bei Sat.1 mit einer eigenen Late-Night beginnt, weiß Schmidt im Nachhinein durchaus positive Seiten abzugewinnen. Ohne seinen Weggefährten namentlich zu nennen, philosophierte er: Manchmal müsse man sich eben mit Viren infizieren, die scheinbar tödlich wirkten, damit dann daraus später etwas Gutes entstehe.

Spekulationen, er werde als Nachfolger des zum ZDF wechselnden Jörg Pilawa weitere Unterhaltungssendungen in der ARD moderieren, erteilte Schmidt indes eine Absage: Er habe seine Bestimmung in der Late Night gefunden. Die ARD hat von der neuen Late-Night-Show bereits zwei Staffeln mit 49 Folgen und vier Best-Off in Auftrag gegeben.

ddp