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Medien & TV „Höhenstraße“: Dieser ZDF-Krimi ist definitiv spannender als sein Name
Nachrichten Medien & TV „Höhenstraße“: Dieser ZDF-Krimi ist definitiv spannender als sein Name
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16:58 11.06.2019
Koffer hoch! Sigrid (Franziska Hackl) und Roli (Nicholas Ofczarek) bei einer fingierten Lösegeldübergabe. Quelle: Ingo Pertramer/ZDF/dpa
Wien

Es braucht schon einige Zeit, bis man mit diesem Film richtig warm wird. Doch dann ist die österreichische Krimi-Farce „Höhenstraße“, die mit drei Jahren Verspätung jetzt erst bei uns im ZDF zu sehen ist, ein höllischer Spaß mit zwei brillanten Hauptdarstellern. Der Fernsehfilm, der in seiner Heimat beim Publikum übrigens bestens angekommen ist und bei uns 2017 den Deutschen Fernsehkrimipreis gewonnen hat, gehört zu der ORF-Reihe „Landkrimi“. Sie wird abwechselnd seit 2012 in jedem der neun Bundesländer und Südtirol gedreht und kommt im Unterschied zum „Tatort“ ohne feste Ermittlerteams aus. Prägend für die Authentizität der Reihe ist jedoch vor allem, dass der Dialekt der jeweiligen Region gesprochen wird, was es für deutsche Zuschauer allerdings nicht immer leicht macht. Aber dank einer richtig guten Nach-Synchronisation sind die durchweg originellen Dialoge in „Höhenstraße“ tatsächlich auch für Menschen, die nördlich des Weißwurstäquators leben müssen, verständlich.

Höhenstraße“: Dahinter steckt Regie-Mastermind David Schalko

Fürs Drehbuch und für die Regie zeichnet David Schalko verantwortlich, der unter anderem mit dem wunderbar schwarzhumorigen „Aufschneider“ und der Serie „Braunschlag“ auch bei uns bekannt geworden ist. Und wer Schalkos Arbeiten kennt, weiß, was ihn erwartet: schräger Humor, skurrile Typen und herrlich absurd-abstruse Szenen. Und all das hat auch „Höhenstraße“ reichlich zu bieten. Im Mittelpunkt stehen Roli (Nicholas Ofczarek, „Der Pass“) und Ferdi (Raimund Wallisch, „Altes Geld“), die früher gemeinsam bei einer Sicherheitsfirma gearbeitet haben. Dann ist Roli wegen Alkoholproblemen entlassen wurden, daraufhin hat Ferdi auch sofort gekündigt. Und beide haben sich danach gewissermaßen selbstständig gemacht.

Ihr Revier ist nun die Höhenstraße, die Aussichtsstraße am Stadtrand von Wien. Dort kontrollieren sie als Polizisten kostümiert Autofahrer und kassieren illegal Bußgelder. In der Nacht, mit der der Film beginnt, ist ihr erstes Opfer ein Liebespaar. Halbnackt müssen die beim „Pudern“-Ertappten aussteigen, um angeblich ihre Papiere kontrollieren zu lassen. Dabei werden sie besonders von dem arg angetrunkenen Roli fies gedemütigt und dürfen schließlich erst gegen ein Bestechungsgeld weiterfahren. So weit, so normal. Doch dann wird es kompliziert, ja bald richtig kompliziert, als die beiden als nächstes einen Schwarzafrikaner (Olivier Mukuta) und seinen österreichischen Begleiter (David Oberkogler) stoppen. Schnell entwickelt sich ein heftiger Streit, der damit endet, dass die falschen Polizisten ihre Opfer kurzerhand in „Untersuchungshaft“ nehmen und in einen Kelleraum von Rolis abgelegenen alten Haus sperren.

Höhenstraße“: Gastauftritt der Wiener „Tatort“-Stars

Am nächsten Morgen hat Roli dann einen verhängnisvollen Plan. Er meldet sich als ermittelnder Kommissar bei der Familie (Inge Maux, Klaus Rott) des Österreichers, gaukelt ihr eine Entführung vor, in der Hoffnung später das Lösegeld zu kassieren. Aber offenbar ist bei den alten Leuten nichts zu holen – oder vielleicht doch? Jedenfalls entwickeln sich die Dinge anders, als man als Zuschauer denkt. Nicht zuletzt auch wegen der überaus cleveren Tochter (Franziska Hackl) des Hauses, die von Anfang an misstrauisch auf die vermeintliche Entführung reagiert. Und die natürlich auch einen famosen Plan hat. Der Schluss des Films, der sich längst vom Krimi zu einer unterhaltsam makaberen Komödie gewandelt hat, ist dann sehr verblüffend.

Doch besonders lebt „Höhenstraße“ von den zahllosen tollen Drehbucheinfällen. So gibt es ständig amüsante Details zu entdecken, beispielsweise die Leidenschaft des Vaters des Entführungsopfers, der zwanghaft alles „im Angebot“ kauft. Eine Leidenschaft, die am Ende dem Film die entscheidende Wendung gibt. Oder Ferdis großer Traum als Schlagersänger auf der Bühne zu stehen. Und es gibt sogar als Schmankerl einen kurzen Gastauftritt des ORF-„Tatort“-Duos Eisner und Fellner (Harald Krassnitzer, Adele Neuhauser). Aber am Allerfeinsten sind dennoch die Dialoge, die auch die Synchronisation erstaunlich gut überstanden haben. Und die mal völlig überdreht, dann richtig böse oder sogar gutgemeint rassistisch sind. Ja, letzteres gibt’s wirklich. Und wer es nicht glauben mag, der sollte sich unbedingt „Höhenstraße“ ansehen. Kurzum: ein toller Filmspaß!

Von Ernst Corinth/RND

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