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19:57 25.04.2014
Der Auftritt im Scheinwerferlicht kann schnell zum Schauplatz wüster Beschimpfungen werden – zumindesten in den sozialen Netzwerken, wie Aminata Sanogo feststellen musste.
Der Auftritt im Scheinwerferlicht kann schnell zum Schauplatz wüster Beschimpfungen werden – zumindesten in den sozialen Netzwerken, wie Aminata Sanogo feststellen musste. Quelle: Pro7
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In einer Härte für die sie außerhalb von Facebook, etwa auf einem Markt- oder Fußballplatz, strafrechtlich belangt würden. Pro7 versucht die Auswüchse mit Löschen der Kommentare zu bremsen. Der Fall der jungen Frau von der Elfenbeinküste zeigt, wie schwer der Auftritt in sozialen Netzwerken sein kann.

„Wer Menschen rassistisch beleidigt, für den haben wir keine Toleranz“, schrieb Pro7, und veröffentlichte dazu ein großes leuchtend-rotes Stoppschild. Der Sender hatte sich zu einer Reaktion entschlossen, nachdem dieses Problem über Wochen hochbrodelte. Anfangs habe es einzelne rassistische Anfeindungen gegeben, sagt ein Pro7-Sprecher – diese seien gelöscht worden. Später hätten die Beschimpfungen aber ein neues Maß erreicht.

Das Phänomen ist auch bei RTL II bekannt. Die werktägliche Soap „Berlin – Tag und Nacht“ ist auf Facebook so erfolgreich wie kaum ein anderes TV-Format. Fast 3,2 Millionen Fans verfolgen das Leben der fiktiven Charaktere im Netz – meist friedlich. Die Serie geriet in die Schlagzeilen, als der „Tagesspiegel“ über rassistische Äußerungen wie „Thainutte“ in den Kommentarspalten berichtete. Der Sender gab eine Null-Toleranz-Linie aus. „Sollten sich bestimmte Nutzer diskriminierend verhalten, werden sie entfernt“, sagte ein Sendersprecher. Zudem werde mit einer Liste von rund 1000 Begriffen versucht, Beschimpfungen automatisch rauszufiltern.

Rassistische Kommentare seien in sozialen Netzwerken keine Seltenheit, erklärt die Organisation „jugendschutz.net“. Häufig seien es emotional aufgeladene Themen bei denen sie fielen – etwa Debatten um Asylunterkünfte. Das Löschen und Blockieren ist dabei allerdings nicht das einzige Mittel gegen die rasante digitale Hetze. „Der Schlüssel ist: Sie müssen als Moderator sichtbar sein und Leitplanken setzen. Sie müssen ansprechbar sein, sich wenn nötig einmischen. Es muss klar sein, dass die Diskussion in keinem luftleeren Raum stattfindet“, sagt Annika von Taube, Leiterin der Community-Redaktion bei „Zeit Online“. Kommentare erst prüfen und dann freischalten, sei keine gute Lösung – das verhindere eine echte Debatte und erhöhe nur das Frustrationspotenzial. Eine Patentlösung gibt es bislang jedoch nicht.

Aminata Sanogo hat gegen die Hetze übrigens einen ganz eigenen Weg gefunden. Auf ihrer Facebook-Fanseite lässt sie auch die rassistischen Sprüche stehen. „Ich will Deutschland zeigen, dass heute Menschen noch so denken“, sagt die junge Frau und streckt auf einem Bild die Zunge raus, versehen mit dem Kommentar: „Ihr Armen“. Die Netzgemeinschaft sorgt derweil selbst wieder für bessere Umgangsformen. Tausende Facebook-Nutzer solidarisieren sich mit der jungen Frau und lassen mit ihren Kommentaren die Zahl Pöbler in der Masse immer kleiner werden.

 dpa

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