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Medien & TV „Ich gehe keinem Streit aus dem Weg“
Nachrichten Medien & TV „Ich gehe keinem Streit aus dem Weg“
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00:18 27.04.2015
Von Imre Grimm
„Bild“-Chefredakteur Kai Diekmann.
„Bild“-Chefredakteur Kai Diekmann. Quelle: Reto Klar
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Herr Diekmann, Sie dürften bei Twitter einer der am häufigsten angepöbelten deutschen Journalisten sein. Welche Erklärung haben Sie dafür?
Was soll ich machen: Ich bin einfach der beliebteste Chefredakteur Deutschlands.

Aha. Gilt denn „Don’t feed the troll“ noch immer? Oder was hilft: Strenge? Humor?
Das ist wie mit Zuckerbrot und Peitsche. Man braucht beides.

Gehört es denn zwingend zur Jobbeschreibung eines „Bild“-Herausgebers“, als digitale Zielscheibe zur Verfügung zu stehen? Peter Hogenkamp schrieb über Sie: „Der twittert alles und macht jeden Scheiss mit. Grosse Verwunderung.“
Shoot the sheriff, not the deputy!

Worum geht es Ihnen eigentlich: um Self Branding? Sportlichen Ehrgeiz? Die Verteidigung der Marke?
Ich gehe eben möglichst keinem Streit aus dem Weg.

Dringt denn von der sachlicheren Kritik (etwa zur Griechenland-Berichterstattung oder zum Umgang mit dem Germanwings-Absturz) Substanzielles auch mal zu Ihnen durch? Oder schalten Sie automatisch auf Widerstand?
Für sachliche Kritik wäre ich ja sehr dankbar. Aber das wollen die Trolle ja nicht. Oder finden Sie „arrogantes Arschloch“, „Fick dich du Schwuchtel, ich wohne um die Ecke“ oder „Lieber Andreas Lubitz, warum hast du nicht ein paar Bild-Redakteure mit in die Hölle genommen?“ sachlich...?

Eher nicht. Aber „Bild“-Mitarbeiter wirken in der Vorwärtsverteidigung schon gelegentlich dünnhäutig. Gibt es vielleicht einfach ein dialektisches Problem zwischen Boulevard und Medienkritik? Lebt man in zwei verschiedenen Welten?
Für mich ist das ganz klar: Wer austeilt, muss auch einstecken können. Ich finde, beides können wir ganz gut. Was ich aber für schwierig halte: Wenn Medienkritiker auf Twitter sehr laut Vorwürfe gegen uns erheben – aber sich bestenfalls leise entschuldigen, wenn herauskommt, dass sie im Unrecht sind.

Gehört es zur DNA bei Springer, um jeden Preis den Eindruck zu erwecken, im Recht zu sein?
Ich habe kein Problem damit, zuzugeben, wenn ich mich mal irre.

Wie sollten Redaktionen auf die Echtzeit-Medienkritik denn reagieren?
In Echtzeit natürlich!

Es muss doch auch um Eitelkeit gehen. Ich erinnere an den 100-Tage-Blog samt „KD“-Unterwäsche...
Also, meine Frau sagt, ich bin völlig uneitel.

Täuscht der Eindruck, dass Sie mit der Welt insgesamt wieder strenger ins Gericht gehen, seit der Bart ab ist?
Ich finde, da haben Sie sich geschnitten: Ohne Bart bin ich doch sehr zart!

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