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Medien & TV Joyn geht an den Start: So will Pro7 bei Streamingfans punkten
Nachrichten Medien & TV Joyn geht an den Start: So will Pro7 bei Streamingfans punkten
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12:13 18.06.2019
„Jederzeit und überall“: Katja Hofem und Alexandar Vassilev sind die Geschäftsführer von Joyn. Quelle: Foto: Pro7
München

Ohne die ganz dicke Pauke geht es nicht – nicht in der Entertainmentbranche. Joyn kommt! Feuerwerk! Und Joyn soll natürlich mehr sein als ein weiterer Streamingdienst, mehr als eine frische Verpackung für die angejahrten Mediatheken Maxdome und 7TV: Es gehe um „das größte kostenlose Free-TV-Angebot in Deutschland“, um „Unterhaltung, die begeistert – jederzeit und überall“, trommelt Max Conze, Vorstandschef der ProSiebenSat.1-Gruppe. Er wolle „den deutschen ,Champion of Choice‘ gestalten“, verspricht Ex-Youtube-Manager und Joyn-Chef Alexander Vassilev. Es geht aber auch – und das sagt keiner der Verantwortlichen laut – um das Überleben des werbefinanzierten Privatfernsehens.

Der Plan: Joyn soll als kostenloser, werbefinanzierter Videodienst und Joint Venture mit dem US-Konzern Discovery das Beste aus mehreren Welten bündeln: die Filme, Shows und Serien des Pro7-Konzerns mit Pro7, DMAX, Sport1, Welt, Kabel1 und Sat.1 sowieso, außerdem sind zum Start ARD und ZDF, Arte und Bloomberg mit im Boot. 260 Mitarbeiter haben im 23-stöckigen Münchner Central Tower den Start von Joyn an diesem Dienstag vorbereitet. 50 Sender gibt es in der Gratisversion im Livestream – dazu ab Herbst ein Premiumbezahlmodell, in das dann auch die bisherigen Maxdome-Inhalte sowie der Eurosport-Player integriert sein sollen.

Joyn will wie die Großen von Netflix und Amazon mit Exklusivproduktionen locken

Locken sollen eigenproduzierte Exklusivinhalte – genau wie bei den globalen Konkurrenten Netflix und Amazon sowie demnächst Disney und Apple+. Zu den Anfix-Offerten gehört die dritte Staffel der feinen Spätpubertantensause „Jerks“ mit Christian Ulmen und Fahri Yardim sowie später dann „Check Check“ mit Klaas Heufer-Umlauf und „Frau Jordan“ mit Katrin Bauerfeind. Hinzu kommen Themenkanäle wie „Motor Trend“ und „Food Network“ – die Amazon Channels lassen grüßen. Das Geschäftsmodell folgt dem klassischen Dealerprinzip: anfixen, süchtig machen, Preisschraube anziehen. Joyn soll in zwei Jahren zehn Millionen Zuschauer erreichen.

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Kann das klappen? ProSiebenSat.1-Chef Conze – der zuletzt den Staubsaugerhersteller Dyson leitete – hat ein erfolgreiches US-Vorbild vor Augen: In Amerika haben Networks wie NBC, Fox und ABC gemeinsam Hulu an den Start gebracht. Das Videoportal kostet derzeit 5,99 Dollar mit Werbung, 11,99 Dollar ohne.

Wie Joyn wollen alle Streamingdienste der zentrale Supermarkt für Serien werden

Ob Joyn, TV Now, Sky Q, Amazon oder das vor dem Start stehende Apple TV+ – sie alle wollen die eierlegende Wollmilchsau des Streamings werden, der zentrale Supermarkt für Suchtserienstoff aller Marken. Aber es ist wie bei einem schicken Auto mit drei Rädern – irgendwas fehlt immer. Auch Joyn wird vorerst nur 67 Prozent des deutschen Free-TV-Angebotes zeigen. Was fehlt? Zum Beispiel die RTL-Kanäle.

Denn RTL hat sich Ende 2018 mit seinem neu gestalteten TV Now eine eigene Zentralplattform gebaut – Kosten trotz Werbung: 4,99 Euro im Monat. Auch RTL hätte gern die ARD an Bord gehabt, doch die Positionen sind unvereinbar. Ulrich Wilhelm, Intendant des Bayerischen Rundfunks, dringt seit Jahren auf eine europaweite Plattform aller Contentanbieter. Aber das ist komplex. Der letzte Versuch einer Supermediathek namens „Germany’s Gold“ scheiterte 2013 an den Wettbewerbshütern.

Joyn will beim Streaming der lachende Dritte sein

Die Angst, sich mit Digitalplattformen selbst ins Bein zu schießen, war lange groß unter deutschen Privatsendern. 80 Prozent der TV-Werbegelder gehen hierzulande an RTL und Pro7. Aber der Druck ist enorm. Denn noch sind Netflix und Amazon werbefrei. Sollte sich das ändern, könnten die Privaten sehr schnell in existenzielle Not geraten. Was läuft wo? Und wie lange noch? Und zu welchem Preis? Kaufen? Mieten? Flatrate? Der TV-Markt wird für Kunden allmählich so unübersichtlich wie Handytarife. „2019 ist das Jahr der Disruption in der Fernsehbranche“, schreibt der Marktforschungskonzern YouGov.

Die Gretchenfrage lautet: Für wie viele Zusatzangebote zahlt der Kunde? Drei? Fünf? Sieben? Wer sich derzeit neben dem Rundfunkbeitrag (17,50 Euro) noch Netflix (HD ab 11,99), Amazon (5,75), Kabelfernsehen (rund 20 Euro), den Sportdienst DAZN (9,99) und zum Beispiel Sky Ticket (9,99) plus gelegentlich einen iTunes-Mietfilm leistet, kommt schnell auf 70 bis 80 Euro TV-Kosten im Monat. „Die Offenheit der Deutschen, ein Abonnement abzuschließen, hat sich deutlich verändert“, beobachtet der Beratungskonzern Deloitte. Aber die Marktforscher sind sich einig: Die Grenze liegt bei drei plus Sport. Das wären neben DAZN oder Sky also Netflix und Amazon als Basis, dazu maximal ein weiteres Streamingangebot – dann ist Schluss. Die Frage ist, wer dieser lachende Dritte sein wird. Und ob er aus Deutschland kommt.

Streaming: keine Altersfrage mehr

Streaming boomt inzwischen in allen Altersgruppen. Bei den unter 35-jährigen Deutschen ist bereits jeder zweite Netflix-Kunde, bei den über 35-Jährigen ist es immerhin jeder fünfte. Ein Viertel aller Deutschen nutzt Amazon Prime Video. Jeder dritte 50- bis 64-Jährige nutzt mindestens einen Streamingdienst regelmäßig. „Videostreaming ist gerade dabei, auch bei den Senioren anzukommen“, heißt es beim Branchenverband Bitkom.

Von Imre Grimm/RND

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