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Medien & TV Junge, kommt bald wieder!
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08:47 13.03.2014
Bunte Menschen, schrille Graffiti, Jeanswesten: Wenn’s in ARD und ZDF jung sein soll, sieht’s oft aus wie in „Gute Zeiten, schlechte Zeiten“. Ob ein Jugendkanal das ändert?
Bunte Menschen, schrille Graffiti, Jeanswesten: Wenn’s in ARD und ZDF jung sein soll, sieht’s oft aus wie in „Gute Zeiten, schlechte Zeiten“. Ob ein Jugendkanal das ändert? Quelle: ARD/ZDF
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Was tut man als öffentlich-rechtlicher Sender, wenn die Jugend wegbleibt? Wenn die unter 30-Jährigen einfach nicht mehr einschalten, weil sie mit Arztserien, Nahost-Nachrichten und Zoo-Dokus nichts anfangen können? Ein Jugendkanal sollte her, ein gemeinsamer Sender von ARD und ZDF nach Ki.Ka-Muster, der auf manchen zwar wie ein letzter Akt der Verzweiflung wirkt, aber wenigstens den Willen dokumentieren würde, die Zielgruppe der 14- bis 29-Jährigen nicht gänzlich zu verlieren. Doch nun steht das ehrgeizige Projekt, das seit Jahren diskutiert wurde und für 45 Millionen Euro im Jahr Fernsehen, Internet und Radio umfassen sollte, wieder auf der Kippe. Die Öffentlich-Rechtlichen und die Jugend – sie finden einfach nicht zusammen. Dabei hatte das Zweite nach langen Debatten seinen Digitalsender ZDFkultur bereits für die geplante Fusion mit EinsPlus und EinsFestival zum neuen Jugendkanal geopfert.

Hintergrund der aktuellen Bedenken ist ein 25 Seiten umfassendes Konzept von ARD und ZDF, das den Ministerpräsidenten bei ihrer Sitzung heute in Berlin zur Abstimmung vorgelegt werden sollte. Doch laut dem Branchendienst Newsroom.de, dem das Papier vorliegt, sollen die Länderchefs „regelrecht geschockt“ gewesen sein, als sie das „dürftige“ und „konzeptschwache“ Papier in den Unterlagen fanden. Selbst wohlmeinende Regierungschefs zweifeln mittlerweile daran, heißt es, ob ARD und ZDF überhaupt noch in der Lage sind, einen modernen und zeitgemäßen Entwurf vorzulegen. Und ob es eine gute Idee ist, junge Angebote in einem eigenen „Biotop“ irgendwo zwischen Ki.Ka und Das Erste zu bündeln, statt das ARD-Angebot insgesamt jünger und origineller zu machen, ohne die gealterte Stammkundschaft allzu sehr zu verschrecken.

Die Kritik entzündet sich vor allem an der von ARD und ZDF definierten Zielgruppe der 14- bis 29-Jährigen. Diese sei „zu undifferenziert“. Die unter 30-Jährigen einfach mit dem Etikett „Digital Natives“ zu versehen sei schlicht „trivial“, sagt der Medienwissenschaftler Thomas Wind. Zudem werde unterstellt, die zweite große Gemeinsamkeit der Zielgruppe sei ihre Suche nach einem Platz in der Gesellschaft. Zu oberflächlich sei diese Charakterisierung, heißt es aus Politik und Medienwissenschaft. Die Jugend werde „über einen Kamm geschoren“. Oder schlicht: ARD und ZDF verstehen einfach nicht, wie die Jüngeren ticken.

Bei der ARD kann man die harsche Kritik nicht verstehen. Dass es Gegner des Jugendkanals gebe, sei kein Geheimnis, hieß es gestern aus der ARD-Führungsetage. Anstatt das vorzeitige Aus des Projekts zu verkünden, sollte die heutige Sitzung der Ministerpräsidenten abgewartet werden. Immerhin kündigte Hamburgs Regierender Bürgermeister Olaf Scholz (SPD) gestern an, er sei dafür, den Sendern den Auftrag zu geben. Immerhin: einer von 16.

Und auch beim SWR, unter dessen Federführung das Projekt Jugendkanal erarbeitet wird, reagierte man gestern vordergründig gelassen. Die Berichte über das Scheitern seien nur Spekulationen. „Wir haben eine umfassende Zielgruppenanalyse erstellt und auf dieser Grundlage ein fundiertes Konzept erarbeitet“, findet SWR-Sprecher Wolfgang Utz.

Frühere ARD-Versuche, sich ein bisschen „jung“ zu geben, endeten meist mit ärmlichen Achtziger-Jahre-Graffiti an Studioziegelwänden oder zappeligen Moderatoren. ZDFneo-Held Jan Böhmermann, Hoffnung all derer, die sich mehr klugen Witz, Tempo und Ironie im TV wünschen, hält den Plan eines eigenen Kanals mit dem eher abschreckenden Stempel „Jugend“ grundsätzlich für keine gute Idee. „Ich denke, der Jugendkanal ist total scheißegal“, sagte er der „Zeit“. „Damit lösen die Sender ihr Problem bei den jungen Zuschauern nicht. ARD und ZDF sollten vielmehr Programme für ältere Zuschauer auf einen Seniorenkanal auslagern.“

Von Nora Lysk und Imre Grimm

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