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Nachrichten Medien & TV Der Pass auf Sky: Julia Jentsch zur neuen Thriller-Serie
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11:35 25.01.2019
Finden den Killer vor lauter Bäumen nicht: Julia Jentsch und Nicholas Ofczarek in „Der Pass“. Quelle: Sammy Hart/obs/Sky Deutschland
München

Im Achtteiler „Der Pass“ spielt die Schauspielerin Julia Jentsch die Ermittlerin eines Ritualmords. Im Interview spricht sie unter anderem über ihre Lust auf Serien.

Julia Jentsch, wann haben Sie in der Realität zuletzt von einem Ritualmord gehört, der nichts mit den rostigen Messern durchgeknallter IS-Kämpfer zu tun hatte?

Julia Jentsch: (überlegt lange) Da muss ich passen.

Ich auch. Denn während Ritualmörder ihre Opfer am Bildschirm mehrmals öffentlich absurd getötet zur Schau stellen, geben die Kriminalstatistiken das im wahren Leben zu keiner Zeit fast nirgendwo her.

Darüber bin ich jetzt erstmal froh. Sicher stellt sich die Frage, was das Fernsehen und seine Zuschauer so sehr an diesem Tätertypus fasziniert. Auch in unserer Serie „Der Pass“ setzen wir uns mit einem solchen Täter auseinander und haben dafür einen echten Fallanalytiker als Berater zu Seite gehabt.

Und Ihre Antwort – warum interessiert uns im Krimi das Abgründige offenbar so viel mehr als das Gewöhnliche?

Wo wir doch lieber lachen als weinen und es schön statt schrecklich haben? Für mich bräuchte es definitiv weniger Ritualmorde am Bildschirm, aber es leuchtet mir durchaus ein, dass die Angst davor zumindest dann besonders faszinierend ist – sofern sie am Ende geheilt wird. Ich selbst spüre jetzt zwar keinen Sog zu Serienkillern oder Zombies, aber wenn es gut gemacht ist, fesseln sie mich schon. Deshalb empfinde ich auch „Der Pass“ nicht als abstrakt, obwohl die Morde darin so extrem sind.

Die Hauptrolle spielt schließlich auch gar nicht so sehr das Töten…

… sondern die Natur und der Mensch darin.

Verändert es Ihr Spiel, wenn es bei allem Realismus in solch einer mystischen, meist märchenhaft fotografierten Waldgegend stattfindet?

Die Umgebung beeinflusst das Werk immer, grundsätzlich. Und bei mir erst recht. Denn ich liebe es, in der Natur zu sein, weshalb sie für mich ebenso wenig wie für meine Figur, die Elli, etwas Bedrohliches hat. Im Gegenteil: der Wald gibt mir Geborgenheit – selbst wenn er hier als Ort des Verbrechens inszeniert wird.

Hat Sie das Setting beim Lesen des Drehbuchs da mehr angesprochen als die Figur?

Als ich mich entscheiden sollte, gab es ja noch gar kein Drehbuch. Aber weil klar war, dass Nicholas Ofczarek mitspielt und meine Figur genügend Raum zur Entwicklung hat, konnte ich auch so zusagen.

Hat es Ihre Entscheidung erleichtert, dass die Elli im Vergleich zur Wahnsinnsrolle der Michelle in „Das Verschwinden“ nicht nur vollkommen anders gebaut ist, sondern auch ungleich positiver, lebensbejahender?

Ich muss mich zwar von einer Rolle in der Regel nicht erholen, aber ein bisschen vielleicht. Wenn ich mich da etwa an „24 Wochen“ erinnere, wäre das Thema Schwangerschaft, behindertes Kind und Spätabtreibung einfach noch eine Weile besetzt gewesen.

Sie hätten Elli in „Der Pass“ demnach nicht gespielt, wenn sie wie Michelle ein Kind an Drogen verliert?

Sagen wir so: um die innere Abneigung gegen Wiederholung zu mildern, müsste das Drehbuch schon verdammt gut sein – also wie in diesem Fall dasjenige von Cyrill Boss und Philipp Stennert.

Wie nah lassen Sie Filmfiguren denn an sich ran, wie sehr verschmelzen sie womöglich gar mit ihnen?

„Normal“ nah, würde ich sagen. Wir Schauspieler sind ja fast alle intensiv dabei, ohne gleich zu verschmelzen.

Drehen Sie deshalb so gern Reihen wie „Kommissar Marthaler“ oder zuletzt „Das Verschwinden“ und „Der Pass“, um sich Ihren Charakteren mal intensiver widmen zu können als in 22 Drehtagen fürs Kino?

Widmen ist schön gesagt, aber davon abgesehen, dass die drei genannten auch meine einzigen Serien waren (lacht), ist das so. Allerdings erst im Nachhinein; anfangs hatte ich eher Bedenken, der Figuren schon vorm Ende überdrüssig zu werden. Deswegen war ich Serien gegenüber lange Zeit skeptisch, wurde aber eines Besseren belehrt. Die Entwicklungsmöglichkeiten einer langfristig angelegten Figur sind einfach viel größer. Ich muss das nicht dauernd ausreizen, aber beim Verschwinden habe ich gemerkt, wie schön sie sind.

Hat „Der Pass“ das Potenzial, auch über die ersten acht Folgen hinaus weiterzugehen?

Das Potenzial auf jeden Fall, aber das hängt von vielen Faktoren ab, über die gerade intensiv hin und her überlegt wird.

Das skandinavische Vorbild „Die Brücke“, an der sich „Der Pass“ fraglos orientiert, hat es immerhin auf 38 Folgen in vier Staffeln gebracht…

Eigentlich gibt es nur zwei Dinge, die wirklich vergleichbar sind: Die Leiche auf der Grenze und die länderübergreifende Ermittlung. Obwohl – der Serienmord, also drei.

Ist es davon abgesehen vorstellbar, dass auch Sie sich so lange an ein derart intensives Projekt binden?

Weil ich es noch nicht gemacht habe, überwöge zumindest die Neugier meine Skepsis.

Von Jan Freitag

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