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Medien & TV „Tatort“ zeigt das düstere Dortmund
Nachrichten Medien & TV „Tatort“ zeigt das düstere Dortmund
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20:00 17.11.2013
Peter Faber (Jörg Hartmann) ermittelt mal wieder schlecht gelaunt. Quelle: ARD
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Dortmund

Dass ein 16-jähriges Mädchen getötet worden ist, ist für das Ermittlerteam um Hauptkommissar Peter Faber (Jörg Hartmann) fast schon eine Zumutung. Schließlich haben die vier mit sich allein schon genug zu tun, und da stört ein Mord natürlich gewaltig. Und da dieser eigentlich anrührende Fall auch noch ziemlich beiläufig erzählt wird, hat man sogar das Gefühl, dass sich selbst Regisseur Andreas Herzog kaum für diese Geschichte interessiert hat.

Eindeutig im Mittelpunkt des dritten Dortmunder „Tatorts – Eine andere Welt“ steht also stattdessen mal wieder eine polizeiliche Nabelschau, die sich in einer so düster kaputten Atmosphäre abspielt, dass dagegen ein drohender Weltuntergang ein heiteres Kinderspiel ist: So sind die beiden jüngsten in dem Ermittler-Quartett, Nora (Aylin Tezel) und Daniel (Stefan Konarske), zwar glücklich verliebt, aber mit ihrer Familie hat die türkischstämmige junge Frau Probleme und möchte ihren Freund am liebsten nicht mit dieser für ihn „anderen Welt“ konfrontieren. Derweil schlägt sich ihre ältere und zum Erbarmen einsam wirkende Kollegin Martina Bönisch (Anna Schudt) mit flüchtigen Männerbekanntschaften herum. Und am schlimmsten erwischt hat es natürlich Faber, der nicht nur mit seinem exaltierten Verhalten Bönisch das Leben schwer macht, sondern selbst so fürchterlich leidet, dass er eigentlich in psychiatrische Behandlung gehört. Oder es zumindest mal mit Yoga versuchen sollte.

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Was Faber belastet, das verstehen allerdings nur Zuschauer, die die ersten beiden Dortmunder-„Tatorte“ aufmerksam gesehen haben. Die letzte Folge ist jedoch bereits im vergangenen November ausgestrahlt wurden. Und dieser große zeitliche Abstand macht es eigentlich unmöglich, eine fortlaufende Geschichte zu erzählen. Dennoch versucht es das Team um Drehbuchautor Jürgen Werner und Regisseur Herzog. Doch an Fabers ersten Fall, bei dem es irgendwie um den mysteriösen Unfalltod seine Familie geht, erinnern sich wohl nur noch wenige Zuschauer. Dabei kommt noch ein technischer Mangel hinzu: Im Vergleich zur lauten, allerdings guten Filmmusik sprechen die Figuren oft so leise, dass sie kaum zu verstehen sind.

Zumindest bei dem geschilderten Mordfall muss man nicht jeden Dialog verstehen, so simpel und so oft erzählt ist im Grunde die Geschichte: Ein junges Mädchen aus einem deprimierenden Hochhausgetto möchte unbedingt heraus aus diesen finsteren Verhältnissen. Mithilfe ihrer wohlhabenden Freundin schafft sie endlich den Zugang zu dem angesagtesten Klub der Stadt, gerät dabei in eine Clique reicher Schnösel, legt sich natürlich gleich ein neues schickes Facebook-Profil zu und verlässt ihren alten Freund, den großspurigen Kleindealer Tarek (Hassan Akkouch). Doch dann, eines Nachts, treffen ihre alte schlimme und ihre neue schöne Welt für sie tödlich aufeinander.

Und Faber muss ermitteln. Dass macht er wie in den beiden Filmen zuvor so überdreht – vor allem wenn er vermeintliche Tatszenen unter vollstem Körpereinsatz nachspielt – dass nicht nur seine Kollegen genervt sind. Auch als Zuschauer wünscht man sich, dass in den kommenden Folgen die Marotten des Kommissars etwas sparsamer eingesetzt werden. Schließlich ist Jörg Hartmann („Weissensee“) so ein guter Schauspieler, dass er das dramatische Zertrümmern von Männerklos eigentlich nicht nötig hat.

Von Ernst Corinth

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