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Medien & TV So wird der neue „Tatort“ aus Wien
Nachrichten Medien & TV So wird der neue „Tatort“ aus Wien
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00:15 17.09.2013
Von Dany Schrader
Opfer oder Täter? Bibi Fellner (Adele Neuhauser, rechts) hat ein Herz für den kleinen Ivo (Abdul Kadir Tuncel). Quelle: ARD
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Hannover

Nach der Rostocker Profilerin Katrin König (Anneke Kim Sarnau) versucht nun auch Bibi Fellner (Adele Neuhauser), das zerrüttete Verhältnis zu ihrer Familie aufzuklären.

Der 31. „Tatort“ aus Wien ist deshalb aber noch lange nicht zum Abschalten. Denn Fellner, die mithilfe von Kollege Moritz Eisner (Harald Krassnitzer) schon ihren Alkoholismus einigermaßen in den Griff bekam, hat bald viel größere Probleme, als die eigene Familie. Mitten in Wien wird eine Frau mit Benzin übergossen und angezündet. Das allein wäre schon grausam genug. Doch das Opfer ist eine ehemalige Informantin der Kommissarin, die früher bei der Sitte gearbeitet hat. Und so führt die Folge „Angezählt“ den etwas müde scheinenden Eisner und seine Partnerin mitten in ein Millieu von Menschenhandel und Prostitution.

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Schonungslos und mit vielen realen Bezügen – ein ähnlicher Fall ereignete sich vor drei Jahren tatsächlich in Wien – zeigt Regisseurin Sabine Derfinger die österreichische Hauptstadt als Drehscheibe für Menschenhandel, bei dem junge Zwangsprostituierte aus Osteuropa schon für 30 Euro „mit allem“ zu haben sind. Als Täter – das wird auch im Film gleich zu Beginn verraten – ist schnell der kleine Ivo (eindrucksvoll: Abdul Kadir Tuncel), ausgemacht, der uneheliche Sohn einer illegal nach Wien verschleppten Bulgarin. Verzweifelt versuchen Fellner und ihre Kollege die wirklichen Drahtzieher hinter der Tat auszumachen. Den hinterhältigen und skrupellosen Zuhälter Aziz (Muruthan Muslu) und seinem brutalen Schläger (Zafer Gözütok) allerdings kriegen sie nicht zu fassen. Immer wieder müssen die Kommissare ohnmächtig mit ansehen, wie er seinen Kopf aus der Schlinge zieht und der kleine Ivo immer mehr zum Opfer wird.

Drehbuchautor Martin Ambrosch ist eine vielschichtig erzählte Geschichte gelungen, die dem Zuschauer auch einige grausame Szenen zumutet. Dass in dichten Dialogen und dem intensiven Spiel auch einmal sehr viel Raum für die wunderbare Figur der kratzbürstigen, aber liebenswerten Bibi Fellner bleibt, macht den Fall ähnlich spannend wie einen Whodunit-Krimi. Den tiefen, meist sehr konstruiert wirkenden Blick in ihre Familiengeschichte hätte es dabei gar nicht mehr gebraucht.

14.09.2013
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